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04.08.2015

13:02 Uhr

Krise in der Türkei

PKK-Rebellen töten türkische Soldaten

Kurdische Rebellen haben bei einem Sprengstoffanschlag auf einen türkischen Militärkonvoi zwei Soldaten getötet. Im erneut eskalierten türkisch-kurdischen Konflikt dreht sich die Gewaltspirale immer weiter.

PKK-Rebellen haben bei einem Anschlag auf einen türkischen Militärkonvoi im Südosten der Türkei zwei Soldaten getötet. AFP

Türkisch-kurdischer Konflikt eskaliert

PKK-Rebellen haben bei einem Anschlag auf einen türkischen Militärkonvoi im Südosten der Türkei zwei Soldaten getötet.

DiyarbakirBei einem Sprengstoffangriff kurdischer Rebellen sind im Südosten der Türkei zwei Soldaten getötet worden. Vertreter der Sicherheitskräfte machten am Dienstag die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) für den Angriff auf einen Militärkonvoi in der Region Araköy der Provinz Sirnak verantwortlich.

Die Rebellen hätten aus der Ferne eine Mine unter einem Militärkonvoi gezündet und sich anschließend Gefechte mit den Soldaten geliefert, sagten die Vertreter der Nachrichtenagentur AFP. Sie bestätigten damit einen Bericht der amtlichen türkischen Agentur Anadolu.

Laut einer AFP-Zählung wurden seit der Eskalation des Konflikts mit der PKK vor zwei Wochen 19 türkische Sicherheitskräfte getötet. Auslöser der aktuellen Krise war ein Selbstmordanschlag auf prokurdische Freiwillige in der südtürkischen Grenzstadt Suruc, bei dem am 20. Juli 32 Menschen getötet worden waren. Ankara machte die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) für den Anschlag verantwortlich, doch gaben viele Kurden der türkischen Regierung eine Mitschuld, weil sie die Extremisten zu lange habe gewähren lassen.

Die Organisationen der Kurden

PKK, YPG und Peschmerga

Der gewaltsame Konflikt der türkischen Regierung mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK dauert schon mehr als 30 Jahre. Dabei kamen bislang rund 40 000 Menschen ums Leben. Von 1984 an kämpfte die PKK mit Waffengewalt und Anschlägen für einen kurdischen Staat oder ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei.

PKK

Die Arbeiterpartei Kurdistans ist in der Türkei verboten und steht dort sowie in der EU und den USA auf der Terrorliste. Ihr Hauptquartier ist in den nordirakischen Kandil-Bergen. Von 1984 an kämpfte die PKK mit Waffengewalt und Anschlägen für einen kurdischen Staat oder ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei. PKK-Chef Abdullah Öcalan sitzt seit 1999 in Haft.
Inzwischen ist die PKK nach eigenen Angaben von der Maximalforderung eines unabhängigen Staates abgerückt. Die islamisch-konservative AKP-Regierung und die PKK bemühen sich um einen Friedensprozess. Im März 2013 erklärte die PKK eine Waffenruhe, die seit den türkischen Angriffen auf PKK-Stellungen im Nordirak praktisch beendet ist.

YPG

Die kurdischen Volksschutzeinheiten sind eng mit der PKK verbunden. Sie kämpfen im Norden Syriens und haben sich zu einem erbitterten Gegner des IS entwickelt. Zugleich sind die Kurden in Syrien der wichtigste Partner der von den USA geführten Koalition gegen die Extremisten. Mittlerweile kontrolliert die YPG die größten Teile der Grenze zur Türkei. Dort haben die syrischen Kurden in drei Kantonen Selbstverwaltungen errichtet. Andere Kurden werfen ihnen vor, sie würden die Macht monopolisieren. 

Peschmerga

Bei den Peschmerga handelt es sich um die militärischen Einheiten der irakischen Kurden. Sie waren in der Geschichte vor allem bekannt als Widerstandskämpfer in den Bergen, verwandeln sich aber seit dem IS-Vormarsch mehr und mehr in eine Armee der kurdischen Autonomiegebiete im Nordirak.

Die Organisationen untereinander

Die Peschmerga erhalten Waffen aus Deutschland und anderen Ländern. Bundeswehr und weitere Armeen bilden sie zudem aus. Das Verhältnis der Peschmerga zur PKK und zur YPG ist traditionell angespannt. Trotzdem unterstützten nordirakische Kurden die YPG-Kämpfer im Kampf um die nordsyrische Grenzstadt Kobane.

Die türkische Armee startete wenige Tage nach dem Anschlag in Suruc Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien, ging kurz darauf aber auch gegen PKK-Lager im Nordirak vor. Die Regierung betrachtet beide Gruppe gleichermaßen als Terrororganisationen. Die Offensive führte zum Zusammenbruch des seit dem Jahr 2013 geltenden Waffenstillstands mit der PKK. Die Guerillagruppe kämpft seit dem Jahr 1984 mit Waffengewalt für die Selbstbestimmung der kurdischen Bevölkerung. In dem jahrzehntelangen Konflikt wurden zehntausende Menschen getötet.

Von

afp

Kommentare (2)

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Herr reiner tiroch

04.08.2015, 16:15 Uhr

ein Wunder ist das nicht, es war zu erwarten, gell?

Herr Teito Klein

04.08.2015, 19:12 Uhr

Erdogan bombardiert Zivilisten
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Er bestreitet das aber.
Die Feinde Erdogans ist nicht der IS sondern die Kurden. Sie fordern sogar ganz freche einen eigenen Staat.
Der IS ist Erdogans Freund. Die Türkei dient ihnen als Rückzugsgebiet. Erdogan versorgt sie mit Waffen und "Kämpfern". In den Krankenhäusern werden die "Kämpfer" wieder gesundgepflegt.

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