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08.04.2015

21:17 Uhr

Krise in der Ukraine

Die Geisterstadt

VonNina Jeglinski

Leerstehende Wohnungen, schlechte Versorgung: Seit einem Jahr ist die Stadt Donezk besetzt. Für die, die nicht geflohen sind, ist das Leben beschwerlich. Doch einige haben sich mit der Situation arrangiert. Eine Bilanz.

Seit einem Jahr ist die ukrainische Stadt besetzt. Seitdem hat sich viel geändert. dpa

Zerstörtes Donezk

Seit einem Jahr ist die ukrainische Stadt besetzt. Seitdem hat sich viel geändert.

KiewDmitri Makarenko ist wehmütig. Vor zwölf Monaten noch hatte der Doktorand Hoffnung. Hoffnung darauf, dass die Demokratie in der Ukraine gesiegt hätte. Dass die Euro-Maidan-Proteste in Kiew etwas losgetreten hätten. Dass es ganz schnell gehen würde mit der Veränderung in der Ukraine.

Ein Jahr danach weiß der 23-Jährige: „Es wird noch viele Jahre dauern, bis die Ukraine ein europäisches Land ist – wenn wir Leute das nicht selber machen, wird es gar nichts.“ Ein Jahr danach weiß Dmitri Makarenko auch: Die Stadt Donezk, seine Heimatstadt, ist für die Ukraine verloren. Denn nun trägt sie einen neuen Namen: „Volksrepublik Donezk“.

Rückblick: In der Nacht vom 6. auf den 7. April 2014 besetzten maskierte und bewaffnete Männer den Regierungssitz des Gouverneurs und die Geheimdienstzentrale in der Millionenstadt Donezk. In der Übergangsregierung bracht Hektik aus. Gerade in paar Tage war sie im Amt.

Übergangspräsident Alexander Turtschinow und Übergangsregierungschef Arsenij Jazenjuk ahnten, dass kein Geringerer als die russische Regierung hinter dem Coup stand. Kiew zögerte, einzig der Oligarch Rinat Achmetow, reichster Mann des Landes und Haupteigentümer der Schwerindustrie in der Ost-Ukraine, trat mit den Besatzern in nächtliche Verhandlungen. Er ließ die Scheinwerfer seiner Mercedes-Limousine und der Begleitfahrzeuge abschalten und fuhr in die Puschkinstrasse, ließ sich in den zwölften Stock führen und traf die Anführer der Besatzer.

Einer, der damals dabei war, ist Alexander Chodakowski. Der russischen Ausgabe des Magazins „Forbes“ hat er nun erzählt, dass Achmetow alleine seiner Gruppe sechs Millionen Dollar an Unterstützung bezahlt habe. Chodakowski gehört zu den Anführern der selbsternannten „Volksrepublik“ Donzek, seine Leute hätten neben Achmetows Anwesen in Donezk auch die Donbass-Arena, das Stadion des Fußball-Vereins Schachtjar Donezk sowie eine Reihe von Bürogebäuden bewacht, alles im Besitz Achmetows.

Die Rolle der Oligarchen in dem Konflikt ist intransparent. Während Achmetow sich auf eigene Faust absicherte, ließ der Anfang März 2014 ins Amt berufene Igor Kolomoiskij in Dnipropetrowsk eine Privatarmee aufbauen: Der Region sollte nicht das gleiche Schicksal widerfahren wie Donezk und Lugansk. Der Milliardär Kolomoiskij hatte Erfolg, geriet aber mit Präsident Poroschenko in Streit und wurde vor drei Wochen entlassen.

Kommentare (11)

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Herr Fred Meisenkaiser

09.04.2015, 07:30 Uhr

Man spricht hier von bei Freiheitskämpfern fälschlicherweise von "Besatzern"! Doch diese Russen leben seit Jahrhunderten hier.
Besatzer sind beispielsweise US-amerikanische Blackwater-Soldaten, die den Konflikt auf Seiten der Putschisten-Regierung am Lodern halten.
Die demokratisch gewählte ukrainische Regierung wurde von prowestlichen Putschisten gestürzt. Dies darf man nicht vergessen!
Übrigens: Was macht die Aufklärung der Schüsse auf dem Maidan sowie die Aufklärung des Abschußes der MH-17? Wann werden die von der sog. ukrainischen Regierung gestohlenen Funkmittschnitte den Ermittlern übergeben? Für die Auswertung der Flugschreiber war ja nun lange genug Zeit!

Herr Vittorio Queri

09.04.2015, 10:07 Uhr

>> Übergangspräsident Alexander Turtschinow und Übergangsregierungschef Arsenij Jazenjuk ahnten, dass kein Geringerer als die russische Regierung hinter dem Coup stand. >>

Was für eine verlogene Verdrehung der Tatsachen. Die Russische Regierung war an den Geschehnissen in Donetzk in keinerlei Verbindung.

Die Kriminellen Oligarchen Turtschinov und Jatzenjuk haben aber mittels Maidan-Verblödung des Volkes in Kiew den Coup mit dem Putsch organisiert und die Regierungsgebäuden und Verwaltungseinrichtungen besetzt.

Die Menschen in der Region Donetzk und Lugansk haben die Putschisten nicht akzeptiert und ihrerseits die Abspaltungsbewegung in Gang gesetzt !

Bei der Wahrheit bleiben, Lügenpresse !

Und die Ukraine wird heute von unseren Steuergeldern, mit unseren Gasvorräten und mittels unseren Lebensstandards alimentiert.

Trotzdem hat sich der Schurkenstaat zum europäischen Kongo entwickelt :

mit Gehältern um die 100 $, Renten um die 30 $, Preisen doppelt so hoch wie in Westeuropa.

Das ist das Ergebnis der Bemühungen der Politoligarchie der EUtopia und der Neonazi-Junta in Kiew ! Nach einem Jahr Maidan !

Abgesehen von 50.000 Opfern in der Ostukraine, überwiegend Zivilisten, die die Junta abgeschlachtet hat.




Herr Vittorio Queri

09.04.2015, 10:10 Uhr

@ Nina Jeglinski

>> Seit einem Jahr ist die Stadt Donezk besetzt. >>

Wie kann denn eine Stadt von der dort wohnenden Bevölkerung besetzt sein ?

Sind alle Städte Deutschlands von ihren Bewohnern auch besetzt ?

Was für Schreiberlinge engagiert denn das HB ?


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