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28.08.2014

10:11 Uhr

Krise in der Ukraine

„Putin hat einen Napoleon-Komplex“– „Stimmt nicht!“

VonMaike Freund

Russische Truppen sollen die Grenze der Ukraine verletzt haben. In der Handelsblatt Redaktion streiten Irina aus Kiew und Pavel aus Sankt Petersburg über Kriegstreiberei, den Sinn von Sanktionen und Putins Machtkomplex.

Düsseldorf.Irina Jablonowska (53) und Pavel Kanovich (40) sitzen sich bei Handelsblatt Online schräg gegenüber. Die eine ist für Grafiken zuständig und kommt aus Kiew in der Ukraine. Der andere ist unser Bildredakteur und kommt aus Sankt Petersburg in Russland. Das stört beide wenig. Denn meistens sind sie einer Meinung. Nur manchmal streiten sie sich über den Computer hinweg. Und fallen sich ins Wort. Zum Beispiel, wenn es um Putin geht. Oder um die Grenzen der Ukraine. Doch bei einem sind sie sich einig: Dass es nur eine Lösung für den Krieg in der Ukraine gibt.

Wie ist die Stimmung in Russland?
Pavel: Ich war vor zwei Monaten in Sankt Petersburg. Wenn du ins Café gehst, sitzen die Menschen dort und gucken fern. Im Fernsehen wird erzählt, wie die Ukrainer angeblich den armen russischen Kindern und Frauen die Köpfe abschneiden. Es herrscht Kriegsstimmung, die vom staatlichen Fernsehen noch aufgeheizt wird. Und für viele ist das staatliche Fernsehen eine Autorität. Auch Menschen, von denen ich dachte, das sind die Intellektuellen, die sich über Politik und Wirtschaft auf dem Laufenden halten, werden von diesen Parolen überzeugt.

Welche Parolen?
Pavel: Dass die Amerikaner, dass die Nato der Feind Nummer eins ist. Natürlich hat sich die Nato in den vergangenen zehn Jahren auch in Richtung Russland ausgebreitet. Doch dort wird daraus gemacht: Wir sind umzingelt von Menschen, die unser Land erobern wollen. Theoretisch ist unsere Staatsform demokratisch und amerikanische Werte gelten nicht als schlecht. Aber es wird den Russen immer eingeredet, dass die Amerikaner...
Irina: ...die Amerikaner uns was antun wollen.

Wie ist die Stimmung in der Ukraine?
Irina: Ich war vor zwei Wochen dort. Wenn du in Kiew herumläufst, dann merkst du gar nichts von der angespannten Lage. Aber wenn du zuhörst, worüber die Menschen sprechen, dann gibt es nur ein Thema: Was im Umland passiert. Die Menschen sind so politisiert, die können über nichts anderes sprechen.

Ukraine: Poroschenkos 15-Punkte-Friedensplan

Sicherheitsgarantie

- Sicherheitsgarantien für alle Teilnehmer an Verhandlungen.

- Befreiung von strafrechtlicher Verfolgung derjenigen, die die Waffen niederlegen und keine schweren Verbrechen begangen haben.


Pufferzone

- Freilassung von Gefangenen.

- Schaffung einer Pufferzone von zehn Kilometern an der russisch-ukrainischen Grenze. Abzug illegal bewaffneter Formierungen.

Rückzug

- Garantierter Korridor für den Abzug russischer und ukrainischer Söldner.

- Entwaffnung.

Absicherung

- Schaffung von Einheiten innerhalb der Struktur des Innenministeriums für die Absicherung gemeinsamer Patrouillen.

Machtorgane

- Freigabe illegal besetzter administrativer Gebäude in den Donezker und Lugansker Gebieten.

- Wiederherstellung der Tätigkeit der örtlichen Machtorgane.


Dezentralisierung

- Wiederaufnahme der zentralen Fernseh- und Radioübertragung in den Donezker und Lugansker Gebieten.

- Dezentralisierung der Macht (durch die Wahl von Komitees, Schutz der russischen Sprache, Projekt einer Verfassungsänderung).


Wahlen

- Absprache der Gouverneure mit den Vertretern des Donbass vor Wahlen (Einigung auf eine Kandidatur, bei Uneinigkeit trifft der Präsident die Entscheidung).

- Vorgezogene Kommunal- und Parlamentswahlen.

Industrie und Infrastruktur

- Programm für die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Region.

- Wiederaufbau von Industrieobjekten und sozialer Infrastruktur.

Gibt es in der Ukraine auch diese Propaganda?
Irina: Ich finde, in der Ukraine ist es objektiver. Die Ukrainer haben sehr spät begriffen, dass Medien eine Waffe sein können. Die Russen haben das von Anfang an genutzt. Auch deshalb gibt es nun die Brennpunkte in der Ostukraine, weil es dort mehr als 90 Prozent russischsprachige Fernsehsender gibt. Deren Sendungen haben immer propagiert: Sie (die russischstämmigen Ukrainer) können hier (in der Ukraine) nicht russisch sprechen, Ukrainer sind Menschen zweiter Klasse, wir schützen unsere Landsleute.

Ist das Krieg in der Ostukraine?
Irina: Alle sagen das, aber offiziell steht es nirgendwo. Aber das ist ein Krieg, die Menschen sterben jeden Tag.
Pavel: Ja, das ist Krieg. Das ist das, was Russland kann.

Wie meinst du das?
Pavel: Alle Kinder wachsen mit Büchern, Filmen und Geschichten auf. In Russland werden im Kindergarten und in der Schule keine Sankt-Martins-Geschichten erzählt. In Russland gibt es keine Geschichten über das Teilen des Mantels mit einem Penner. Alle unsere Kinderhelden sind Kriegshelden.
Irina: Als Kinder haben wir sehr gerne Krieg gespielt. Der Zweite Weltkrieg war unser liebstes Spiel.
Pavel: Das Beste, was du machen kannst, ist dass du dein Leben für dein Land opferst. Das haben wir als Kinder gelernt. Und das ist heute bei vielen nicht aus den Köpfen zu kriegen.

Kommentare (31)

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Herr C. Falk

28.08.2014, 10:49 Uhr

Politikerklärung wie im Kindergarten von grossen Kindern für kleine Kinder. Und das im HB.

Ich würde den Beteiligten einmal raten das Interview von
Fjodor Lukanow,russischer Politologe und Politikberater, in der "Wirtschaftswoche" zu lesen. Da können sie fündig werden unter anderm auch was geostrategische Hintergründe
der aktuellen Krise angeht.

Vielleicht ist den werten Politikerklärern der Name Zbigniew Brezezinski nicht vollständig unbekannt und die amerikanischen Strategien bezüglich der Ukraine und Russlands. Jede Strategie, die auf Expansion ausgerichtet ist zeitigt Gegenstrategien. Eine Binsenwahrheit, das können sogar politische "Kinder" begreifen.

Herr Tenzin Konchuk

28.08.2014, 11:00 Uhr

Der Lebensraum im Osten und die Kornkammer Europas die Ukraine für amerikanisches Monsanto Saatgut.

Mhhmmmm war das nicht die Politik des österreichischen Exportschlagers von 33-45 interner Name Gröfaz ???
Am besten wäre wohl der Einmarsch der Russen über Alaska, damit diejenigen die die Kriege seit ihrer Unabhängigkeitserklärung immer nur exportieren diese Kriege einmal ordentlichst am eigenem Leide zu spüren bekommen.

Das Churchill Roosevelt Thema und noch ganz andere Dinge laufen nicht mehr so gut. Die Menschheit lebt im Informationszeitalter und beginnt erwachsen zu werden. Die volljährigkeit mit 21 hat es grad mal eben geschafft.

Was nun ???
Wenn psychodynamisches Prozessdesign ( NLP & MK Ultra ) zur Generierung von selbsterfüllenden Prophezeihungen durch menschliche allzumenschliche Übersprungshandlungen nicht mehr funktioniert.
Vielleicht versuchen wir einmal Mutter Erde zu beweisen wie erwachsen wir geworden sind.

Herr Informierter Bürger

28.08.2014, 11:15 Uhr

Die Sanktionen helfen weder der EU noch Russland. Deutschland treffen diese Sanktionen in der EU am stärksten. Der große Gewinner ist unserer "großer Beschützer", da dieser nicht so stark wirtschaftlich mit Russland Handel betreibt wie Deutschland. Die Sanktionen wurden erst durch den Abschuss von MH 17 eingeleitet. Bis heute keine Auswertung der Blackbox, der Gespräche zw. Tower und Piloten, noch Sat.bilder der USA.

Warum?

Ich glaube Merkel und der EU dämmert langsam, dass hier etwas schief läuft. Die wirtschaftliche Achse die sich gebildet hatte, Russland, China und Deutschland wird durch diesen Konflikt massiv gestört(die offiziellen Arbeitslosenzahlen erreichen fast 3 Mille). Wer es noch nicht bemerkt, China hat sich klar auf die Seite von Russland gestellt und demnächst beginnen beide Länder ein militärisches Großmanöver.

In Frankfurt am Main hat Chinas Bank of China,
eine Filiale eröffnet, über die Handelsgeschäfte zwischen China und Deutschland erleichtert werden sollen. Die Filiale wird die Geschäfte nicht mit US-Dollar abgewickeln, sondern mit der chinesischen Währung Renminbi!

Russland tauscht massiv wie China seine Dollarreserven in Gold!
Die USA können sich nur über einen Krieg sanieren bzw. wird dieser zum Anlass genommen, einen Crash herbeizuführen, da Ihre Staatsschulden wie die privaten Schulden der Bürger nicht mehr auszugleichen sind.

Der Dollar wird als Weltleitwährung abgelöst und dann ist es vorbei mit den ungebremsten Schulden machen der USA.

Wer noch glaubt, es geht nur um Russland, die Ukranie oder Lettland, Polen usw, versteht die politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge nicht.

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