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19.06.2014

17:55 Uhr

Krise in der Ukraine

Russland lässt Truppen aufmarschieren

Auf Sanktionen reagiert der Kreml mit Militärpräsenz. Nato-Angaben zufolge hat Russland an der Grenze zur Ukraine ein massives Militäraufgebot stationiert. Zuvor hatten die USA mit einer neuen Sanktionen gedroht.

Russische Soldaten: An der ukrainischen Grenze sammeln sich russische Truppenverbände. dpa

Russische Soldaten: An der ukrainischen Grenze sammeln sich russische Truppenverbände.

LondonRussland hat seine Truppen an der Grenze zur Ukraine nach Angaben der Nato erheblich verstärkt. Nach Angaben von Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen sind mindestens „einige tausend" zusätzliche Soldaten dort im Einsatz. „Wir beobachten eine neue militärische Aufrüstung Russlands rund um die ukrainische Grenze", sagte Rasmussen in London. Er halte dies für einen „bedauerlichen Rückschritt".

Es sehe so aus, als halte sich Russland weiter die Möglichkeit offen, in den Ukraine-Konflikt einzugreifen. Die internationale Gemeinschaft müsse darauf sehr eindringlich reagieren. Dies könne auch Wirtschaftssanktionen beinhalten.

Hochburgen prorussischer Milizen in der Ostukraine

Slawjansk

Die Industriestadt (110.000 Einwohner) in der Region Donezk.

Donezk

Die Hauptstadt der gleichnamigen Region (eine Million Einwohner) ist zugleich die Hauptstadt der von den Aktivisten ausgerufenen „Republik Donezk“. Das Gebäude der Regionalverwaltung wurde am 6. April besetzt, das Rathaus zehn Tage später.

Lugansk

Die Hauptstadt der Region Lugansk (400.000 Einwohner) wird von den Milizen auch als Hauptstadt der „Republik Lugansk“ bezeichnet. Die Geheimdienstzentrale ist seit dem 6. April besetzt, am 29. April stürmten prorussische Demonstranten zudem das Gebäude der Regionalverwaltung.

Kramatorsk

In der Nachbarstadt von Slawjansk (160.000 Einwohner) besetzten Aktivisten am 12. April erstmals das Rathaus. Auch ein Gebäude des Geheimdienstes ist in ihrer Gewalt. Ein ukrainischer Militärstützpunkt in der Nähe ist jedoch weiterhin unter Kontrolle ukrainischer Soldaten.

Weitere Städte

In diesen Städten sind die Rathäuser besetzt: Gorliwka (260.000 Einwohner), Makijiwka (360.000 Einwohner), Artemiwsk (78.000 Einwohner), Jenakijewe (85.000 Einwohner), Charzysk (60.000 Einwohner), Schdaniwka (14.000 Einwohner), Kirowsk (28.000 Einwohner), Tores (80.000 Einwohner), Kostjantyniwka (80.000 Einwohner)

Im Osten der Ukraine lieferten sich derweil prorussische Separatisten und Regierungssoldaten abermals schwere Kämpfe. Nach unbestätigten Berichten kamen nahe der Stadt Krasni Liman auf beiden Seiten auch Panzer zum Einsatz. Bis zu 4000 Separatisten sollen an den Kämpfen beteiligt sein. „Da tobt eine schwere Schlacht, die in ihrem Ausmaß alles übertrifft, was es bisher gab“, sagte ein Armeeangehöriger. Der Aufruf des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko an die Rebellen zur Unterstützung seines Friedensplans blieb wirkungslos.

Ein Militärsprecher sagte, den Rebellen sei in der Nacht ein Ultimatum gestellt worden, ihre Waffen abzugeben. Die Ukraine habe im Gegenzug angeboten, die Sicherheit der Kämpfer zu garantieren. Die Separatisten hätten dies jedoch abgelehnt. Der „Einsatz gegen Terroristen“ werde daher fortgesetzt.

Ein Kommandeur der Rebellen gestand ein, dass viele Waffen und andere Ausrüstungsgegenstände der Separatisten bei den Kämpfen zerstört worden seien. Im Dorf Jampil in der Nähe von Krasni Liman seien die Regierungstruppen mit ihren Panzern deutlich überlegen.

Krasni Liman befindet sich seit Anfang des Monats unter der Kontrolle der Regierungstruppen. Separatisten versuchten nun aber nach Angaben des Militärsprechers, die Absperrungen der Soldaten zu durchbrechen. Auf die Frage, ob tatsächlich bis zu 4000 Separatisten beteiligt seien, antwortete der Sprecher: „Dann wird es 4000 Särge geben.“

In seinem 14 Punkte umfassenden Friedensplan hatte Poroschenko unter anderem einen einseitigen Waffenstillstand der Regierungstruppen angekündigt. Vorgesehen ist auch eine Amnestie für Kämpfer der Separatisten, die ihre Waffen niederlegen.

Die Kämpfe im Osten, bei denen in den vergangenen Wochen rund 150 ukrainische Soldaten ums Leben kamen, dauern seit Anfang April an. Die Rebellen lehnen den prowestlichen Kurs der Regierung in Kiew ab. Die Ukraine und der Westen werfen Russland vor, die Separatisten mit Waffen und anderem Kriegsgerät zu versorgen. Moskau weist die Anschuldigungen zurück.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

19.06.2014, 15:35 Uhr

Rasmussen: .." Dies könne auch Wirtschaftssanktionen beinhalten."
Der Nato-Generalsekretär für Wirtschaftssanktionen,
die Bundesverteidigungsministerin für Kitas und Flachbildschirme zuständig.

In der Gesamtstrategie macht das alles irgendwie Sinn.

Account gelöscht!

19.06.2014, 15:56 Uhr

Wo ist eigentlich das Problem? Der Westen versorgt Kiew mit Geld, Waffen und Elite-Kämpfern und die Russen unterstützen ihre Landsleute in der Ost-Ukraine auf gleiche Weise. Vielleicht sollte man einfach mal, anstelle dümmlicher Sanktionen, die Interessen beider Seiten zum Ausgangspunkt für einen vernünftigen Vergleich machen. Das wäre dann Entspannungs-Politik.

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