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30.03.2016

14:31 Uhr

Krise in Idomeni

Flüchtlinge besetzen Bahnschienen

Die Grenze zu Mazedonien ist gesperrt – dennoch treffen immer mehr Flüchtlinge im nordgriechischen Idomeni ein. Die Migranten blockieren am Dienstag erneut die Bahnschienen, um eine Grenzöffnung zu erzwingen.

Flüchtlinge blockieren die Bahnschienen. AFP; Files; Francois Guillot

Flüchtlinge in Nordgriechenland

Flüchtlinge blockieren die Bahnschienen.

AthenFlüchtlinge und Migranten haben am Dienstag erneut die Bahnschienen am griechisch-mazedonischen Grenzübergang Idomeni besetzt. Sie wollen erreichen, dass Mazedonien die Grenze öffnet und sie weiter Richtung Norden und Deutschland ziehen können.

Zunächst konnte die griechische Polizei die bereits seit zehn Tagen andauernde Blockade am Morgen friedlich auflösen, berichteten griechische Medien. Kaum aber seien die Menschen abgezogen, hätten sich rund 50 neue Demonstranten auf die Schienen gesetzt.

Der Flüchtlings-Krisenstab der griechischen Regierung hat sich wiederholt gegen den Einsatz von Gewalt in Idomeni ausgesprochen. Man setze darauf, dass die Menschen das behelfsmäßige Lager über kurz oder lang freiwillig verlassen. Sie sollen in organisierte Auffanglager im Landesinneren gebracht werden.

Visafreiheit für die Türkei – Pro & Kontra

Was dafür spricht: Zahlen

Weit mehr als 90 Prozent der türkischen Antragsteller bei den deutschen diplomatischen Vertretungen bekommen ihr Visum für die EU. Alleine im Generalkonsulat in Istanbul bindet die Bearbeitung dieser Anträge rund 30 Stellen. Wenn ohnehin fast alle Bewerber eine Einreiseerlaubnis bekommen, könne die Visapflicht gleich ganz aufgehoben werden, sagen Befürworter des Schritts.

Was dafür spricht: Wartezeiten

Viele Türken empfinden die Visapflicht - die Deutschland für Türken erst im Jahr 1980 einführte - als demütigend. Die meisten EU-Bürger können unter Vorlage des Reisepasses in die Türkei einreisen, bei Bundesbürgern reicht der Personalausweis. Türken müssen dagegen lange Wartezeiten in Kauf nehmen und unter anderem glaubhaft darlegen, dass sie in die Türkei zurückkehren werden.

Was dafür spricht: Irritation

Die Visapflicht sorgt nicht nur für ständige Irritationen im europäisch-türkischen Verhältnis. Sie erschwert auch die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen der Türkei und der EU, weil türkische Geschäftsleute ebenfalls nicht frei reisen können.

Was dagegen spricht: Massenzuwanderung

Gegner der Visafreiheit führen ins Feld, dass Türken, die wissen, dass ihr (kostenpflichtiger) Antrag keine Chance hat, diesen derzeit gar nicht erst stellen. Ein Grund kann beispielsweise sein, dass sie nicht überzeugend darlegen können, dass sie wieder zurückkehren wollen. Befürchtet wird, dass diese Türken dann massenhaft in die EU strömen könnten - um dort unterzutauchen und schwarz zu arbeiten.

Was dagegen spricht: Flüchtlingskrise

In der Flüchtlingskrise wird vor allem über Syrer diskutiert. Wenig Beachtung findet, dass auch aus der Türkei ein Zustrom an (kurdischen) Flüchtlingen drohen könnte. Nach Angaben der Regierung hat die eskalierende Gewalt im Südosten bereits mehr als 350.000 Menschen vertrieben. Sie suchen derzeit im Land Zuflucht. Ohne Visapflicht könnten sie ins nächste Flugzeug steigen – und nach der Landung beispielsweise in Deutschland Asyl beantragen. Derzeit kommen Türken ohne Visum gar nicht erst bis zum Flugzeug.

Was dagegen spricht: Terroristen

Die Visapflicht für Angehörige von Nicht-EU-Staaten soll auch dazu dienen, Terroristen aus der EU fernzuhalten - und die Terror-Gewalt in der Türkei eskaliert. Die Selbstmordattentäter der letzten beiden Anschläge von Ankara waren türkische Staatsbürger. Sie hätten ohne Visapflicht theoretisch auch problemlos in die EU einreisen können.

Allerdings sieht es bisher nicht danach aus. Einem Bericht des griechischen Nachrichtenportals The Toc zufolge soll die Zahl der Menschen in Idomeni in den vergangenen Tagen sogar um 1000 auf mehr als 13.000 gestiegen sein.

Dieses Phänomen beobachten Helfer auch am Hafen von Piräus, wo zwar am Dienstag keine neuen Flüchtlinge von den Inseln ankamen, aber die Zahl der Menschen dennoch um 200 auf insgesamt mehr als 5600 stieg. „Die Menschen gehen in die Auffanglager und finden dort schlechte Bedingungen vor, oder aber die Lager sind überfüllt. Also kommen sie zurück nach Piräus“, berichtete eine Reporterin des Fernsehsenders Skai.

Griechisch-mazedonische Grenze

Flüchtlingskind in Idomeni: „Wir haben keine Alternative“

Griechisch-mazedonische Grenze: Flüchtlingskind in Idomeni: „Wir haben keine Alternative“

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Von

dpa

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