Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.06.2013

17:13 Uhr

Krise in Tschechien

Das bittere Ende eines Saubermanns

Eigentliche wollte er korrupte Machenschaften bekämpfen, doch jetzt ist er selbst an ihnen zerbrochen: Der tschechische Ministerpräsident Petr Necas ist zurückgetreten. Der Skandal geht weit über sein Privatleben hinaus.

Petr Necas kommt bei dem Treffen  des Vorstands seiner Partei ODS an, um sein Amt als tschechischer Ministerpräsident niederzulegen. dpa

Petr Necas kommt bei dem Treffen des Vorstands seiner Partei ODS an, um sein Amt als tschechischer Ministerpräsident niederzulegen.

PragDer einst als Saubermann und Korruptionsbekämpfer angetretene tschechische Ministerpräsident Petr Necas erlebt einen bitterbösen Absturz. Mit seinem späten Rücktritt habe er den Augenblick für einen würdevollen Abgang verpasst, meinen Experten. Der Druck von allen Seiten war für den blassen und oft wenig entscheidungsfreudigen Politiker am Ende wohl doch zu groß.

Wenn es stimmt, was die Staatsanwaltschaft behauptet, dann ließ Necas' Kabinettschefin Jana Nagyova die Noch-Ehefrau des Ministerpräsidenten durch den Militärgeheimdienst beschatten. Ob aus Eifersucht oder aus Sorge vor einem Medienskandal, dürfte letztlich kaum einen Unterschied machen.

Warnung des IWF: Tschechien soll weniger sparen

Warnung des IWF

Tschechien soll weniger sparen

Seit über einem Jahr steckt Tschechien in einer Rezession und spart trotzdem streng weiter. Der IWF empfiehlt dem Land jetzt, erst seine Wirtschaft zu sanieren, dann den Haushalt.

„Ich habe in drei Jahren viele politische Krisen und vermeintliche Regierungsstürze überstanden, überlebt und ausgehalten“, sagte Necas. Nun sei der Augenblick gekommen, an dem er nicht mehr weitermachen könne. Er gebe auch den Parteivorsitz ab.

Seit Samstag sitzt Necas' Vertraute Nagyova in Untersuchungshaft. „Sie hatte überhaupt keinen Schimmer, dass ihre Gespräche abgehört werden“, sagte ihr Anwalt Eduard Bruna der Zeitung „Pravo“. Zudem hätte sich seine Klientin die illegale Beauftragung des Geheimdienstes offenbar sparen können. „Nichts ist dabei herausgekommen“, betonte Bruna.

Bis zuletzt versuchten Regierungspolitiker, die Affäre herunterzuspielen. „Zwei Weiber, von denen die eine auf die andere losgeht“, sagte Außenminister Karel Schwarzenberg der Zeitung „Lidove Noviny“. Das sei zwar peinlich, aber lese sich wie ein kitschiger Frauenroman.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×