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30.10.2015

19:03 Uhr

Krisengipfel in Wien

Jetzt greifen US-Spezialeinheiten in Syrien ein

VonHans-Peter Siebenhaar

Der Syrien-Krisengipfel in Wien hat keinen Durchbruch gebracht, aber die Verhandlungen sollen weitergehen. Die USA wollen erstmals Bodentruppen schicken. Das passt Russland überhaupt nicht.

Russland warnt die USA vor dem Einsatz von Bodentruppen – Obama entsendet trotzdem Spezialkräfte. AFP

Barack Obama

Russland warnt die USA vor dem Einsatz von Bodentruppen – Obama entsendet trotzdem Spezialkräfte.

WienAls Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier am Freitagabend im Wiener Cafè Imperial die ganztätigen Verhandlungen zu Syrien zusammenfasste, machte er aus seiner vorsichtigen Zuversicht keinen Hehl. „Das war kein Durchbruch. Es war aber eine überraschend offene und konstruktive Diskussion“, berichtete Steinmeier.

Um den jahrlangen Bürgerkrieg in Syrien zu beenden, soll eine Übergangsregierung unter Einbeziehung aller ethnischen Gruppen gebildet werden, um den weiteren Zerfall des Landes zu stoppen. Danach sollen laut Steinmeier Wahlen unter Aufsicht der Vereinten Nationen erfolgen und ein Verfassungsprozess eingeleitet werden.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Bürgerkrieg in Syrien

Seit mehr als vier Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Dem Regime in Damaskus steht eine Vielzahl von Gegnern gegenüber, die Lage ist unübersichtlich. Längst werden die Rebellen von islamistischen und radikalen Gruppen dominiert.

Regime

Die Armee kontrolliert noch immer die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Unterstützt werden Assads Anhänger von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von iranischen Kämpfern.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz ist die stärkste Kraft in Syrien. Sie kontrolliert im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in diesem Jahr mehrere Niederlagen gegen die syrischen Kurden einstecken.

Dschaisch al-Fatah

Dabei handelt es sich um ein Bündnis verschiedener moderater und radikaler Gruppen, darunter die radikale Al-Nusra-Front, die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrien Armee (FSA) sehen. Das Bündnis beherrscht im Nordwesten Syriens die Provinz Idlib.

Al-Nusra-Front

Der Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida vertritt eine ähnliche Ideologie wie IS, beide Gruppen sind aber miteinander verfeindet. Die Nusra-Front ist vor allem im Nordwesten des Landes stark, kämpft aber auch im Süden.

Ahrar al-Scham

Die islamistische Miliz ist neben der Nusra-Front die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der Al-Kaida-Ableger.

Freie Syrische Armee

Die FSA ist keine Armee im eigentlichen Sinne, es gibt auch keine einheitliche Führung. Mehrere moderate Gruppen rechnen sich ihr jedoch zu. Stark sind diese im Nordwesten, wo sie auch zu dem Rebellenbündnis gehören, sowie im Süden.

Kurdische Volksschutzeinheiten

Mit Hilfe der US-Luftwaffe konnte die YPG den IS aus großen Gebieten im Norden Syriens zurückschlagen. Dort haben die Kurden eine Selbstverwaltung aufgebaut. Sie kooperieren mit dem Regime, aber auch mit dessen Gegnern. Zuletzt kam es jedoch zu Zusammenstößen mit Rebellengruppen in Aleppo.

Hinter verschlossenen Türen tagten am Freitag die USA, Russland und weitere 17 Delegationen im Wiener Hotel Imperial – es ging um die Frage, wie der syrische Bürgerkrieg beendet werden kann. Die zentrale Botschaft: Die USA greifen nach viereinhalb Jahren erstmals mit Bodentruppen in den syrischen Bürgerkrieg ein. In Wien sickerte die Nachricht durch, aus Washington kam schließlich die Bestätigung.

US-Präsident Barack Obama ordnete die Entsendung von „weniger als 50“ Kommando-Soldaten nach Nordsyrien an, verlautete aus Regierungskreisen. Sie sollen mit örtlichen Bodentruppen im Kampf gegen Extremisten der Terrormiliz Islamischer Staat zusammenarbeiten. Russland warnte die USA allerdings vor dem Einsatz von Bodentruppen. Dies sei „inakzeptabel“, zitierten russische Nachrichtenagenturen den russischen Vize-Außenminister Sergej Rjabkow.

Wie groß die Erwartungshaltung an die Syrien-Friedensgespräche war, ließ sich am Konferenzort Wien an der Zahl der Fernsehkameras beobachten. Mehr als 50 Kameras bauten sich vor dem Eingang des Hotels Imperial auf. Auf der anderen Straßenseite demonstrierte am Freitagnachmittag eine Gruppe von rund 80 Syrern, die immer wieder „Assad Mörder“ skandierte und syrische Fahnen mit der Aufschrift „Freedom“ schwenkte.

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Über das Schicksal des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, der von Russland massiv unterstützt wird, ist in Wien allerdings nicht entschieden worden. Während die USA, aber auch Deutschland, Frankreich und Saudi-Arabien auf eine schnelle Ablösung des Diktators drängen, stärken ihm Russland und der Iran den Rücken.

Kommentare (16)

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Herr Fritz Yoski

30.10.2015, 17:18 Uhr

Dabei seien ist alles!
Vielleicht kann Flinten Uschi auch noch ein paar Leute dort hin schicken. Ach, ich habe ja vergessen das die Bundeswehr keine einsatzfaehigen Hubschrauber oder Transportflugzeuge hat. Bei dem 7 hoechsten Wehretat der Welt waere das auch ein bischen viel verlangt.

Herr Alex Lehmann

30.10.2015, 17:37 Uhr

Immer wieder diese breitmachen und parteiergreifen! Neben dem Iran ist auch vor allem Saudi-Arabienbin der Pflicht! Ob man jetzt Assad/Hisbollah oder Al-Nusra/IS unterstützt machts Kraut auch nicht mehr fett! Wäre das Land nicht in den Interessenkonflikt der Großmächte geraten (allen voraus SA und USA aufgrund Ölpipeline Katar-Europa) wäre da heute noch Frieden und Religionsfreiheit! Mal lesen was ein Katholischer assyrischer Bischhof dazu sagt! Ohne Assad gibts auch keine Lösung blablabla! Immer der gleiche s., keiner will auch nur einen Millimeter nachgeben! Ein hoch auf China und das nur weil Sie keinen Krieg anstacheln, menschenrechtlich uns weit voraus

Herr Marc Otto

30.10.2015, 18:12 Uhr

### endlich regt sich das deutsche Volk gegen den Ami, der uns die Flüchtlingskrise eingebrockt hat #########

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Als 2013 die Überwachungsaffäre publik wurde, hat Oliver Bienkowski, der Lichtkünstler aus Düsseldorf, diplomatische US-Vertretungen in Berlin, Düsseldorf und Frankfurt mit dem Slogan„United Stasi of America“ angestrahlt.

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