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31.01.2011

19:50 Uhr

Krisenherd Naher Osten

Ägypten erwartet Proteste mit einer Million Demonstranten

Mubarak mit dem Rücken zur Wand: Seine Politik der kleinen Aussöhnungsschritte beeindruckt die Opposition wenig. Am Dienstag will eine Jugendbewegung eine Million Demonstranten auf die Straße bringen. Die Armee verspricht Zurückhaltung. Kanzlerin Merkel sorgt sich im benachbarten Israel um den Nahostfrieden. Netanjahu warnt vor Islamisten.

Proteste in Kairo: Morgen will die Opposition eine Million Demonstranten auf die Straßen bringen dpa

Proteste in Kairo: Morgen will die Opposition eine Million Demonstranten auf die Straßen bringen

HB KAIRO. Eine Woche nach Beginn der Proteste bahnt sich in Ägypten eine neue Machtprobe an. Mit einem Millionenprotest will die Opposition Staatschef Husni Mubarak in die Knie zwingen. Aufgerufen zu dem Mega-Protest hat eine oppositionelle Jugendbewegung. Das berichtete der arabische Fernsehsender Al-Dschasira. Hunderte Deutsche verließen am Montag das Unruheland in Richtung Heimat. Bundeskanzlerin Angela Merkel rief Israel vor dem Hintergrund der blutigen Unruhen in Ägypten zu Bewegung bei den Friedensgesprächen mit den Palästinensern auf. Die Armee in Ägypten will im Konflikt zwischen der Opposition und dem Regime Zurückhaltung üben. „Wir werden keine Gewalt gegen die Bürger einsetzen. Wir verstehen die Forderung der Bürger“, hieß es in einer am Montagabend verbreiteten Erklärung.

Friedensnobelpreisträger Mohammed El Baradei bekräftigte am Montag seine Forderung nach einer Regierung der Nationalen Einheit. Staatschef Mubarak hielt an seinem Amt fest und gab seinem neuen Ministerpräsidenten Ahmad Schafik die Order, angekündigte demokratische Reformen umsetzen. In seinem neuen Kabinett finden sich allerdings nur etwa ein Drittel neue Minister, wie bei der Vereidigung deutlich wurde. Treue Gefolgsleute blieben im Amt.

Die Opposition zeigte sich unbeeindruckt von den kleinen Veränderungen. Am Montagabend versammelten sich wieder Zehntausende Demonstranten auf dem zentralen Tahrir-Platz in der Hauptstadt Kairo. Die Kundgebungsteilnehmer forderten weiter den Rücktritt Mubaraks. Sie riefen Parolen wie "Verschwinde, verschwinde!" Die Armee, die rund um den Platz postiert war, verhielt sich zurückhaltend, berichtete ein dpa-Korrespondent.

Ein Aufruf zum Generalstreik, der in Kairo kursierte, wurde nicht flächendeckend befolgt. Dafür hofft die Jugendbewegung "6. April", dass ihrem Aufruf zu Protesten am Dienstag eine Million Menschen folgen werden. Die Organisation hatte bisher die Demonstrationen gegen das Regime Mubarak entscheidend vorangetrieben.

Kommentare (4)

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Was ist los mit den Menschen weltweit?

31.01.2011, 21:27 Uhr

Drehen jetzt alle durch, oder ist es der normale Fall von Aufstand, wie es damals beim Mauerfall, usw. passierte?
in Deutschland geht man auf die Straße wegen S21, Atomkraftwerken, in Ägypten, Tunesien, Thailand,Griechenland, italien, irland, England, USA gehen die Menschen gegen Diktatoren, gegen Politik, Lügen, Ausbeutung, höhere Steuern, höhere Studiengebühren, Unterjochung, und, und, und auf die Straße.
Kommt jetzt bald der Dominoeffekt und der totale Kollaps, also Anarchie, bürgerwehren, fliehende Diktatoren und Politiker

karlosdallos

31.01.2011, 22:37 Uhr

... dabei muessten sie nur gegen UNSERE Regierungen demonstrieren ...

die die Mubaraks so stabil im Amt halten

Und das ist nicht erst seit Sadam so und bin Laden

Multikultureller EU-Geostratege

31.01.2011, 22:50 Uhr

Ägypten muß unter den EU-Rettungsschirm. Weil (a) wir dort gern Urlaub machen und (b) berlin in zehn Jahren sowieso aussieht wie Kairo. Die paar hundert Milliarden mehr an Garantien haben wir in der Portkasse. in zehn Jahren sprudeln die Zinseinnahmen so wie aus Griechenland und irland, und alle sind glücklich.

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