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17.02.2014

10:46 Uhr

Kriseninsel

Zyperns Comeback

VonGerd Höhler

Vor einem Jahr brachten Lufthansa-Maschinen Bargeld zur Bankenrettung nach Zypern. Was ist daraus geworden? Die Insel hat die Krise schneller hinter sich gelassen als gedacht. Doch es bleiben zwei große Risiken.

Die schöne Seite Zyperns: Im Tourismus gab es 2013 ein leichtes Plus, vor allem dank des größeren Zustroms russischer Urlauber. Getty Images

Die schöne Seite Zyperns: Im Tourismus gab es 2013 ein leichtes Plus, vor allem dank des größeren Zustroms russischer Urlauber.

AthenLob von der Troika? Das bekommt man nicht leicht. Den Zyprern ist es jetzt zuteil geworden: „Das Zypern-Programm bleibt auf Kurs, wobei die finanzpolitische Entwicklung besser ausfällt als erwartet“, stellten die Prüfer der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) nach ihrer jüngsten Inspektion auf der Kriseninsel fest.

Doch zugleich warnt die Troika: „Zypern ist immer noch mit erheblichen Risiken konfrontiert.“ Die Entwicklung auf der Insel wird am Montagnachmittag auch die Euro-Gruppe, die Finanzminister der Euro-Staaten, bei ihrem Treffen in Brüssel beschäftigen.

Vor einem Jahr stand Zypern am Rand des Abgrunds. Mit einem Hilfspaket von zehn Milliarden Euro bewahrten die EU und der IWF die Insel vor dem Untergang. Bis 2016 soll das Geld in elf Tranchen fließen. Die Rettung ihrer beiden größten Banken, die sich mit griechischen Staatsanleihen verzockt und beim Schuldenschnitt ihr gesamtes Eigenkapital verloren hatten, mussten die Zyprer selbst stemmen: Die Laiki Bank, das zweitgrößte Institut, wurde zerschlagen.

Und die Bank of Cyprus wurde mit Kundengeldern gerettet. Ungesicherte Einlagen von mehr als 100.000 Euro wurden mit einer Zwangsabgabe von 47,5 Prozent zur Rekapitalisierung herangezogen. Damit wurden erstmals in der Eurozone Bankkunden teilenteignet.

So stehen die Euro-Krisenländer da

Frankreich

Lage: Mit 0,3 Prozent wuchs die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone im vierten Quartal 2013 etwas schneller als erwartet. Sie befreite sich damit aus der Stagnation. Dennoch reichte es im Gesamtjahr 2013 nur zu einem Plus von 0,3 Prozent.
Aussichten: Für 2014 rechnet die Notenbank mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. Frankreich leidet unter einer hohen Arbeitslosigkeit. "Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus", befürchtet deshalb die EU-Kommission. Das bremse den Konsum.

Italien

Lage: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Oktober bis Dezember 2013 um 0,1 Prozent zu. Das war das erste Wachstum seit Mitte 2011. Dennoch schrumpfte das BIP im Gesamtjahr 2013 um 1,9 Prozent.

Aussichten: Zwei Rezessionsjahren folgt eine kraftlose Erholung. 2014 wird von der EU-Kommission ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, 2015 von 1,2 Prozent. Steigende Exporte dürften die Unternehmen zu mehr Investitionen ermutigen. Die Arbeitslosenquote soll 2014 noch einmal leicht steigen, was den Konsum dämpft.


Spanien

Lage: Der Notenbank zufolge ist das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2013 um 0,3 Prozent gewachsen. Trotzdem dürfte die Wirtschaft 2013 das zweite Jahr in Folge geschrumpft sein - voraussichtlich um 1,2 Prozent.

Aussichten: 2014 soll es ein mageres Wachstum von 0,5 Prozent geben, erwartet die EU-Kommission. Das Plus soll sich 2015 auf 1,7 Prozent erhöhen. Sowohl Unternehmen als auch Verbraucher dürften durch den Umbau des Bankensektors nach wie vor schwer an Kredite kommen. Die Exporte sollen dagegen gut laufen und stetig zulegen.

Griechenland

Lage: Im Vergleich zum Vorjahresquartal ging es Ende 2013 noch einmal um 2,6 Prozent nach unten. Immerhin: Zu Jahresbeginn war die Wirtschaftsleistung noch um mehr als das Doppelte eingebrochen.

Aussichten: Das BIP soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission. Schwachpunkt bleibt die Rekordarbeitslosigkeit von aktuell 28 Prozent, die den Konsum bremst.


Portugal

Lage: Das Wachstum beschleunigt sich im vierten Quartal auf 0,5 Prozent. Dadurch schrumpfte die Wirtschaft 2013 nur noch um 1,4 Prozent, nach 3,2 Prozent 2012.

Aussichten: 2014 soll nach drei Minus-Jahren wieder ein Plus folgen. Dann dürfte ein Wachstum von 0,8 Prozent herausspringen, das sich 2015 auf 1,8 Prozent erhöhen soll, erwartet die Regierung. Wachstumstreiber sind vor allem die Exporte, aber auch die Binnennachfrage soll 2014 wieder anziehen.

Zypern

Lage: Um voraussichtlich 5,5 Prozent ist die Wirtschaftsleistung 2013 eingebrochen. Ursprünglich war sogar ein Minus von 8,7 Prozent erwartet worden, doch lief der private Konsum besser als angenommen.

Aussichten: 2014 wird ein weiteres Minus von 3,9 Prozent erwartet. "Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt", so die EU-Kommission. Sowohl Konsum als auch Exporte dürften sinken. Erst 2015 wird mit einem Wachstum gerechnet, das aber mit 1,1 Prozent dünn ausfallen soll. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen.

Elf Monate später mehren sich die Anzeichen, dass Zypern die Krise womöglich schneller hinter sich lassen wird als zunächst angenommen: „Zypern hat die Ziele, die zu Beginn des Programms gesetzt wurden, klar übererfüllt“, attestierte jetzt ein EU-Beamter in Nikosia. „Das ist ungewöhnlich und entspricht nicht den Erfahrungen, die wir zuvor (in anderen Krisenländern) gemacht haben“, lobte der EU-Experte.

Noch liegen keine endgültigen Haushaltszahlen für 2013 vor, aber das Defizit scheint deutlich geringer ausgefallen zu sein als die noch im vergangenen Herbst von der EU veranschlagten 8,3 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP). Ende November lag die Defizitquote nur bei 3,63 Prozent.

Finanzminister Harris Georgiades hat es nicht nur erfolgreich geschafft, sehr sparsam zu sein. Hilfreich war auch, dass die zyprische Wirtschaft weniger stark einbrach als befürchtet. Statt um 8,7 Prozent, wie von der Troika veranschlagt, schrumpfte das BIP im vergangenen Jahr nur um 5,3 Prozent, wie jetzt vorläufige Daten des staatlichen Statistikamtes zeigen. Vor allem im Dienstleistungssektor fiel die Rezession weniger schwer aus als erwartet.

Im Tourismus gab es sogar ein leichtes Plus, vor allem dank des größeren Zustroms russischer Urlauber, die im Schnitt deutlich mehr Geld ausgeben als Briten oder Deutsche. Für 2014 erwartet man jetzt einen Rückgang des BIP um 4,7 Prozent, und 2015 könnte die Insel mit einem Plus von einem Prozentpunkt zum Wachstum zurückkehren.

Kommentare (5)

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Notar

17.02.2014, 11:24 Uhr

Zitat : Vor einem Jahr stand Zypern am Rand des Abgrunds. Mit einem Hilfspaket von zehn Milliarden Euro bewahrten die EU und der IWF die Insel vor dem Untergang. Bis 2016 soll das Geld in elf Tranchen fließen.

- damit ist der Optimismus hinsichtlich Cypern sehr gut erklärt....bis 2016 fressen sie aus der Hand der EU bzw. des europäischen Steuerzahlers !

Von welchem Comeback wird hier gelabert ?

Account gelöscht!

17.02.2014, 11:53 Uhr

Warum sollte Zypern die Troika-Verträge erfüllen und einen eigenen Anteil an den Kosten für die Rettung beitragen? Solange die mit Ausreden wie "die Gewerkschaften wollen nicht" bei der Troika durchkommen, werden die Zyrpioten keine Privatiserungen vorantreiben - egal was die unterzeichnet haben.

Wirtschaftslaie

17.02.2014, 12:33 Uhr

50% faule Kredite aus rund 19 Mrd. Euro. Da erhebt sich doch die Frage, welche Klientel in erster Linie mit diesen "Krediten", für die der europäische Steuerzahler gerade steht, beschenkt wurde oder anders gefragt, wer sich damit bedient hat?
Ach nein, so darf man nicht denken, wir sind ja naiv, alles nur ungeschicktes agieren überforderter Banken.

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