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06.01.2005

07:17 Uhr

Krisenkonferenz in Jakarta begonnen

EU fordert bessere Hilfskoordination

Vertreter von mehr als 20 Ländern und internationalen Organisationen sind am Donnerstag in der indonesischen Hauptstadt Jakarta zu einer Krisenkonferenz über die Flutkatastrophe zusammengekommen. Die Teilnehmer wollen sich auf dem eintägigen Treffen über Hilfsmaßnahmen für die betroffene Region abstimmen.

Die Hilfsmaßnahmen in der Krisenregion müssen besser koordiniert werden. Foto: dpa

Die Hilfsmaßnahmen in der Krisenregion müssen besser koordiniert werden. Foto: dpa

HB JAKARTA/NEU DELHI/BERLIN/PEKING. UN-Generalsekretär Kofi Annan sprach von einer „noch nie da gewesenen globalen Katastrophe, die eine noch nie da gewesene globale Reaktion“ erfordere. Bislang hat die internationale Gemeinschaft 3,7 Milliarden Dollar an Hilfen zugesagt, private Gruppen und Einzelpersonen versprachen weitere 630 Millionen Dollar. Annan sagte in Jakarta, für grundlegende Bedürfnisse der etwa fünf Millionen betroffenen Menschen würden in den kommenden sechs Monaten 979 Millionen Dollar benötigt. Der Gipfel berät zudem über Schuldenerleichterungen für die Flutländer und den Aufbau eines Warnsystems.

Während die Zahl und der Umfang der internationalen Hilfszusagen für die Flutopfer in Asien weiter zunehmen, wird nach Einschätzung der EU-Kommission die Koordination der Hilfe immer wichtiger. Der EU-Kommissar für Entwicklung und humanitäre Hilfe, Louis Michel, sagte der „Berliner Zeitung“ (Donnerstag): „Geld ist in dieser Phase nicht das größte Problem.“ Die bisherigen Spenden und öffentlichen Zusagen reichten für den Anfang aus. Zugleich warnte er vor übertriebenen Hilfszusagen. Unter den Teilnehmern der Konferenz in Jakarta sind UN-Generalsekretär Kofi Annan, der scheidende US- Außenminister Colin Powell und Weltbank-Präsident James Wolfensohn. Im Mittelpunkt der Beratungen wird auch die Einrichtung eines Tsunami-Frühwarnsystem für den Indischen Ozean stehen.

Indien wird einem Bericht der Zeitung „The Hindu“ vom Donnerstag zufolge bei der Konferenz voraussichtlich anderen vom Tsunami getroffenen Ländern die Ausbildung von Such- und Rettungsteams anbieten. Indien verfüge über große Erfahrung beim Umgang mit Naturkatastrophen. Unterdessen brach ein Transportflugzeug der japanischen Luftwaffe in den Norden der Insel Sumatra auf, um Hilfsgüter und Personal in die Region zu bringen. Allein dort kamen nach offiziellen Angaben mindestens 94 200 Menschen um. Es wird vermutet, dass der Katastrophe insgesamt 200 000 Menschen zum Opfer fielen.

Die US-Regierung ist derweil tief besorgt über den möglichen Missbrauch oder die Entführung von Kindern, die bei dem Seebeben in Asien ihre Eltern verloren haben. „Es gibt genügend glaubhafte Berichte, die uns zu der Schlussfolgerung gebracht haben, dass hier eine echte Gefahr besteht und sofort eingeschritten werden muss, um Missbrauch zu verhindern“, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Adam Ereli, am Mittwoch in Washington.

Ein stärkeres gemeinsames Auftreten der Europäischen Union bei der Flutopferhilfe in Asien forderte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament, Elmar Brok. Der CDU-Abgeordnete sagte der „Financial Times Deutschland“ (Donnerstag): „So manche Mitgliedstaaten der EU haben bisher einen Schönheitswettbewerb veranstaltet.“ Als eine Konsequenz schlug Brok vor, dass die EU- Kommission eine Task Force, eine Sonderarbeitsgruppe, einrichtet, um die effiziente Verteilung der zugesagten Fluthilfen zu gewährleisten.

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