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18.04.2016

13:47 Uhr

Krisentreffen in Brüssel

Stahlharte Streitigkeiten

VonThomas Ludwig

Großes Schaulaufen in Brüssel: Auf einem Krisentreffen berät die Politik über das weltweite Stahl-Überangebot und Klagen über chinesischen Billigstahl. Gibt es einen Ausweg aus dem Elend? Eine Analyse.

Die europäischen Hersteller werfen China Antidumping bei Stahlexporten vor. Reuters

Proteste europäischer Stahlarbeiter in Brüssel

Die europäischen Hersteller werfen China Antidumping bei Stahlexporten vor.

BrüsselKaum ein Tag vergeht, an dem Europas Stahlindustrie nicht ihr Elend klagt – sei es über den massiven Preiskampf mit der Konkurrenz aus China, sei es über den europäischen Emissionshandel. „Wenn China weiter ungebremst Billigstahl nach Europa exportiert, sind die hiesigen Hersteller in ihrer Existenz bedroht“, warnte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, jüngst auf einer Handelsblatt-Tagung.

An diesem Montag debattieren Regierungs- und Wirtschaftsvertreter aus China, Indien, den USA sowie Japan und der EU bei einem Treffen in Brüssel über mögliche Lösungen für das weltweite Überangebot und damit verbundene Handelskonflikte. Auch Repräsentanten der Welthandelsorganisation (WTO) sowie EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström sind bei dem von der OECD initiierten Konferenz dabei. Ob am Ende aber mehr herauskommen wird als ein „Schön-dass-wir -mal-drüber-geredet-haben“ ist fraglich.

Für die Europäer geht es um viel, Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. In der europäischen Stahlindustrie waren 2015 fast 330.000 Menschen beschäftigt; zudem spielt sie eine wichtige Rolle als Zulieferer für andere Industriebereiche, etwa für die Automobilbranche. Doch das Überleben für die Unternehmen wird immer schwieriger.

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Erst vor wenigen Tagen hat der indische Stahlkonzern Tata Steel angekündigt, sich aus Großbritannien zurückziehen zu wollen. Konzerne wie Thyssen-Krupp und Salzgitter werfen den Konkurrenten aus Fernost vor, mithilfe staatlicher Subventionen Stahl unter den Herstellungskosten zu verkaufen. Die chinesische Stahlindustrie hat in den vergangenen drei Jahren ihre Exporte auf 111 Millionen Tonnen verdoppelt, während die Anbieter aus dem Rest der Welt ihre Ausfuhren um 20 Millionen Tonnen verringert haben.

Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) waren Ende 2015 mehr als 700 Millionen Tonnen Stahl zu viel auf dem Markt. Die asiatische Konkurrenz macht den europäischen Unternehmen schwer zu schaffen - so sehr, dass vor ein paar Wochen Manager und Arbeiter gleichermaßen in Brüssel bei einer Demonstration mehr politische Unterstützung anmahnten und Tausende Stahlarbeiter in Duisburg mit Holzkreuzen vor dem Verlust ihrer Jobs warnten. Wird 2016 zum Schicksalsjahr für das Überleben der Branche?

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