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02.08.2011

22:28 Uhr

Krisentreffen

Italien-Krise alarmiert die Euro-Gruppe

Das Schuldenvirus hält Italien in Atem. Die EU-Partner sind alarmiert. EU-Spitzenpolitiker schalten sich ein - und die Deutsche Bank muss sich rechtfertigen, weil sie Anleihen des Landes massenweise verkauft hat.

Luxemburgs Premier Juncker (li.) und EU-Wirtschaftskommissar Rehn schalten sich in die Italien-Krise ein. Quelle: Reuters

Luxemburgs Premier Juncker (li.) und EU-Wirtschaftskommissar Rehn schalten sich in die Italien-Krise ein.

Luxemburg/RomDie angespannte Lage für italienische Staatspapiere am Anleihemarkt sorgt für große Unruhe in der Euro-Zone. Über den wachsenden Druck der Finanzmärkte auf Italien reden bei einem Krisentreffen an diesem Mittwoch in Luxemburg der Vorsitzende der Eurogruppe, Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker, und Italiens Finanzminister Giulio Tremonti. Dies teilte die luxemburgische Regierung am Dienstag mit. Bei dem Gespräch geht es nach Ansicht von Diplomaten um den zunehmenden Vertrauensschwund der Märkte in die italienische Wirtschaft.

Die Zinsen für italienische Anleihen sind in den vergangenen Wochen dramatisch gestiegen. Bei dem Treffen mit Juncker dürfte es auch um das bereits beschlossene italienische Sparpaket in Höhe von 48 Milliarden Euro und dessen Umsetzung gehen..

Zudem soll Giulio Tremonti nach Angaben der EU-Kommission noch am Dienstagabend mit EU-Währungskommissar Olli Rehn die Lage erörtern. „Rehn und Tremonti werden am Abend telefonieren“, sagte eine Sprecherin der Kommission der Nachrichtenagentur Reuters.

Italien und Spanien sind inzwischen wieder in den Fokus der Anleger geraten und müssen ständig höhere Zinsen für ihre Staatsanleihen zahlen. Italien musste am Dienstag für zehnjährige Staatsanleihen 6,1 Prozent Zinsen zahlen, 3,8 Prozentpunkte mehr als Deutschland.

Wegen der angespannten Situation verschiebt Spaniens Regierungschef Jose Luis Rodriguez Zapatero seinen Urlaub. Die spanische Regierung teilte mit, sie tausche sich eng über die Marktentwicklung mit den Regierungen Deutschlands, Italiens und Frankreichs aus.

Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi will sich auf Druck der linken Opposition nach längerem Zögern am Nachmittag vor beiden Kammern des Parlaments zu den Wachstums- und Schuldenproblemen seines G8-Landes äußern.

Das sind Italiens größte Probleme

Der Schuldenberg

Italien schiebt nach Griechenland den größten Schuldenberg aller Euro-Länder vor sich her: Er ist rund 1,9 Billionen Euro groß, was 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung entspricht. Die EU-Verträge erlauben nur eine Obergrenze von 60 Prozent. Der Berg wird noch weiter wachsen, weil die Regierung erst ab 2013 ohne neue Schulden auskommen will.

In diesem Jahr erwartet sie eine Defizit von 3,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, 2012 soll die Neuverschuldung auf 1,4 Prozent fallen.

Hohe Neuverschuldung

Auch bei der Neuverschuldung dürfte Italien in diesem und im kommenden Jahr die Defizitgrenze von drei Prozent reißen: Die EU-Kommission rechnet mit einem Minus von 4,0 und 3,2 Prozent. Erst 2014 will die Regierung ohne neue Schulden auskommen.

Schwaches Wachstum

Im Vergleich zu den anderen großen Euro-Ländern Deutschland und Frankreich kommt Italien nicht in Schwung. Die EU-Kommission senkte erst vor wenigen Tagen ihre Wachstumsprognose für 2011 von 1,0 auf 0,7 Prozent. Zum Vergleich: Die gesamte Währungsunion dürfte mit 1,6 Prozent mehr als doppelt so schnell wachsen. Rasche Besserung ist nicht in Sicht: Italien macht zu schaffen, dass die Exporteure ihre Waren vorwiegend an andere Euro-Länder liefern und damit nicht so stark vom Boom der Schwellenländer profitieren wie ihre deutschen Konkurrenten. Gleichzeitig leidet die Binnenwirtschaft unter schrumpfenden Bauinvestitionen. Der private Konsum kommt wegen der hohen Arbeitslosigkeit und steigender Preise nicht recht in Schwung. Er leidet zudem unter Steuererhöhungen der Regierung, die im Kampf gegen die hohen Schulden beispielsweise die Mehrwertsteuer von 20 auf 21 Prozent angehoben hat.

Export und Konsum

Demnach verlieren Italiens Exporteure Weltmarktanteile, weil sie ihre Produkte vorwiegend in die anderen Euro-Länder liefern und damit nicht so stark vom Boom der Schwellenländer profitieren wie ihre deutschen Konkurrenten. Gleichzeitig leidet die Binnenwirtschaft unter schrumpfenden Bauinvestitionen. Auch der private Konsum dürfte wegen der hohen Arbeitslosigkeit und steigender Preise nur moderat zulegen.

Über das richtige Vorgehen in der Krise hatte Italiens Notenbankchef Mario Draghi am Dienstag erneut auch mit Staatspräsident Giorgio Napolitano beraten. In Rom hatte Wirtschafts- und Finanzminister Giulio Tremonti zudem den Ausschuss für Finanzstabilität zur Krisensitzung geladen.

Das Treffen der Finanzfachleute war zwar schon vorher angesetzt, traf aber auf einen recht turbulenten Tag mit einem italienischen Finanzmarkt in schwieriger Lage. Die Mailländer Börse schwächelte erneut. Zudem hatte am Vormittag der Renditeabstand zwischen den italienischen und den deutschen zehnjährigen Staatsanleihen mit über 380 Basispunkten vorübergehend einen neuen negativen Rekordstand seit Einführung des Euro erreicht. Die Rendite der italienischen Rentenpapiere kletterte um 0,17 Prozentpunkte auf 6,159 Prozent.

Kommentare (38)

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Account gelöscht!

02.08.2011, 17:45 Uhr

Eibfach ein Genuß, so lange der Strom für Küche und Kühlschrank und Wasser für Bad und Toilette weiterhin funktionieren, weiter so, dem ganzen Lügenpack wird jetzt "Licht ans Rad" gemacht und so manchem und so mancher "brennt der Kittel", schaut genüßlich zu, wie sie Rennen und rotieren! Sowas kommt nicht alle Tage vor, ein Schauspiel von historischen Dimmensionen!

end

02.08.2011, 17:52 Uhr

wer hat denn die Anleihen gekauft?

Kostolany

02.08.2011, 17:59 Uhr

Ich glaube Herr Junker weiß, was jeder einfache Bürger weiß,
Faule Kredite aus Italien muß man verkaufen, solange sie noch jemand abnimmt.
Er hat doch studiert.

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