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24.04.2014

15:20 Uhr

Kritik an Clubchef Tönnies

„Schalke im Dienste von Putins Propaganda“

ExklusivDer Fall erinnert an die Empörung über den Putin-Besuch von Siemens-Chef Kaeser: Schalke-Boss Tönnies will den Kremlchef im Sommer ebenfalls treffen. Aus der Politik kommt nun harsche Kritik – und Tönnies wehrt sich.

Schalke-Boss Tönnies (l.) und Wladimir Putin bei einem Treffen im Jahr 2006: Mit den russischen Förderern haben die Gelsenkirchener einen geldstarken Verbündeten. AFP

Schalke-Boss Tönnies (l.) und Wladimir Putin bei einem Treffen im Jahr 2006: Mit den russischen Förderern haben die Gelsenkirchener einen geldstarken Verbündeten.

BerlinMit scharfer Kritik haben Politiker von Union, SPD und Grünen darauf reagiert, dass Schalke-Chef Clemens Tönnies inmitten der Ukraine-Krise einen Besuch bei Russlands Präsident Wladimir Putin plant. SPD-Vorstandsmitglied Joachim Poß, selbst Mitglied bei Schalke, ermahnte Tönnies, er solle nicht so tun, als wäre der Fußball kein Phänomen der Gesellschaftspolitik. „Repräsentanten populärer und prominenter Fußballvereine erliegen einer Illusion, wenn sie meinen,  ihr Verhalten von dem politischen Umfeld isolieren zu können“, sagte Poß Handelsblatt Online. „Mit seinen Reiseplänen belastet Herr Tönnies unnötig den Verein in der wichtigen Phase des Kampfes um die Champions-League-Plätze.“

Tönnies hatte im Interview mit dem Handelsblatt gesagt, der Einladung Putins, ihn einmal mit der Schalker Mannschaft in Moskau zu besuchen, nachkommen zu wollen. Allerdings nicht vor der WM im Sommer, da Putin derzeit wichtigere Themen habe, hatte der Fleischfabrikant gemeint. Die Mannschaft würde „gerne einmal den Kreml sehen und interessiert sich für Moskau“.

Die Linke hat die Kritik an Schalke-Chef Clemens Tönnies scharf zurückgewiesen. Die Kritik sei „völlig deplatziert“, denn der Schalke-Sponsor Gazprom sei bekanntermaßen ein Betrieb in öffentlicher Hand. „Insofern ist es nicht ungewöhnlich, dass man sich mit Putin trifft“, sagte die Sprecherin für internationale Beziehungen der Linksfraktion im Bundestag, Sevim Dagdelen, Handelsblatt Online mit Blick auf Äußerungen aus der CDU.

Der Vorsitzende des Europa-Ausschusses im Bundestag, Günther Krichbaum (CDU), hatte gesagt, mit einem Besuch bei Putin missbrauche Tönnies die Mannschaft „wahrscheinlich für seine wirtschaftlichen Interessen“.

Dagdelen sagte dazu: „Es ist abstoßend, dass die Union den Sport als politische Waffe für ihre Eskalationspolitik gegen Russland missbrauchen will. Und wer bis zuletzt einem Kriminellen wie Uli Hoeneß die Stange gehalten hat, sollte jetzt lieber erst nachdenken bevor er den Mund aufreißt.“

„Wir sind Sportsleute, keine Weltpolitiker“

Kritik gab es auch aus Fan-Kreisen, der war Tönnies entgegengetreten. „Wir bleiben da ruhig. Wir sind Sportsleute und keine Weltpolitiker. Die Politik ist nicht unser Spielfeld.“ Zudem hatte Tönnies betont, trotz der umstrittenen Rolle Russlands in der Ukrainekrise zum Schalker Trikotsponsor Gazprom zu stehen. Der russische Staatskonzern habe sich immer hervorragend verhalten, die Zusammenarbeit stehe deswegen nicht infrage.

Grünen-Fraktionsvize Kerstin Andreae nannte einen Besuch bei Putin in der jetzigen Lage politisch naiv und fahrlässig. „Während Europa über schärfere wirtschaftliche und politische Sanktionen gegenüber Russland und seine Führung diskutiert, missbraucht Schalke-Chef Tönnies den Club für seine eigenen wirtschaftlichen Interessen“, sagte Andreae Handelsblatt Online. Das sei inakzeptabel. „Damit fällt er jenen in den Rücken, die gerade bemüht sind, den Ukraine-Konflikt einzudämmen.“

Sport sei immer auch politisch, sagte die Grünen-Politikerin weiter. Er dürfe aber nicht zum Erfüllungsgehilfen politischer Interessen werden. „In diesem Zusammenhang muss das  Engagement des russischen Staatskonzerns Gazprom und die Millioneninvestitionen von Tönnies' Fleischunternehmen in Russland kritisch hinterfragt werden.“

Inzwischen hat Tönnies klargestellt, dass aktuell keine Reise der Mannschaft zu Putin geplant sei. „Fakt ist: Es gab noch nie und gibt keine Festlegung für einen solchen Termin“, ließ er am Donnerstag über den Sprecher seines Unternehmens mitteilen. Tönnies' Aussage habe weiter Bestand, „dass es aktuell auch keine Beschäftigung mit dieser Frage gibt, da dies aufgrund der aktuellen politischen Situation nicht angebracht wäre“.

Zuvor war auch aus der Union kam scharfe Kritik an Tönnies zu hören gewesen. „In der momentanen Lage eine Einladung in den Kreml anzunehmen und sich so instrumentalisieren zu lassen, zeugt nicht wirklich von Fingerspitzengefühl“, sagte CDU-Generalsekretär Peter Tauber der „Bild“-Zeitung. Sport könne aufgrund seiner großen gesellschaftlichen Bedeutung nie völlig politikfrei sein.

Kommentare (33)

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24.04.2014, 09:01 Uhr


In welcher Volldeppenrepublik leben wir ?

Soll Schalke nun seinen Sponsor Gazprom dadurch schädigen, in dem die Knappen die nächsten Spiele miserabel verlieren ?

Nur damit ein angedicker politischer bundesdeutscher Schreihals seinem "US Führugngsoffizier" Vollzug melden kann ?

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24.04.2014, 09:49 Uhr

Gut wenn nicht alle nach der Pfeiffe der USA tanzen. Sie dienen damit Deutschland und seinen Interessen.

Account gelöscht!

24.04.2014, 09:56 Uhr

Der überwiegende Teil der deutschen Bevölkerung
dürfte gegen die verirrte Politik von der Pastorentochter Frau Merkel sein.
Jeder kann nach Russland reisen, gerne auch auf die Krim.
Ich lasse mir auch nicht verbieten, dafür einen Visumantrag zu stellen.

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