Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.11.2011

12:07 Uhr

Kritik an der Politik

Jürgen Stark warnt vor zu viel Druck auf EZB

Jürgen Stark schlägt Alarm: Der scheidende EZB-Chefvolkswirt sieht die Unabhängigkeit der Bank in Gefahr und warnt vor den Folgen einer weltweiten Inflation. „Wir wissen, dass es immer zu Katastrophen geführt hat.“

Jürgen Stark beklagt den hohen politischen Druck auf die EZB, den Euro-Ländern in der Krise helfen zu müssen. dpa

Jürgen Stark beklagt den hohen politischen Druck auf die EZB, den Euro-Ländern in der Krise helfen zu müssen.

BerlinDer scheidende EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark hat noch einmal eindringlich vor den Inflationsgefahren einer fortgesetzten Staatenfinanzierung durch die Europäische Zentralbank gewarnt. „Wir wissen aus der Wirtschaftsgeschichte, dass es immer zu Katastrophen geführt hat, wenn eine Zentralbank in großem Stil Staaten finanziert hat“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

„Das endet in Inflation“, nicht immer kurzfristig, aber mittel- bis langfristig, ergänzte er. Das wiederum bedeute am Ende wirtschaftliche und gesellschaftliche Instabilität. Wenig beunruhigt äußerte sich Stark dagegen zu den jüngsten Absatzproblemen bei der Auktion deutscher Anleihen.

Stark verwies auf die Risiken der weltweit momentan extrem expansiven Geldpolitik. Das führe nur deshalb gegenwärtig nicht zu massiver Inflation, weil die Banken das Geld in der Krise nur sehr verhalten als zusätzliche Kredite herausgäben. Das ändere sich aber, sobald die Wirtschaft wieder besser läuft.

„Dann werden die Zentralbanken sehr schnell darauf reagieren müssen“, forderte er. Wenn es zu viel Liquidität am Markt gebe, dann stiegen entweder die Verbraucher- oder die Vermögenspreise. Solche Effekte seien bereits in vielen Regionen sichtbar, etwa in den Schwellenländern, aber auch in Großbritannien und den USA.

Das EZB-Direktoriumsmitglied erneuerte seine kritische Haltung gegenüber einer dauerhaft extrem expansiven Geldpolitik weltweit. „Wir Europäer sollten den Mut haben, auf die Folgen einer fortgesetzten Politik des billigen Geldes hinzuweisen“, sagte er. Viele der Verwerfungen, die man derzeit versuche zu bekämpfen, seien genau darauf zurückzuführen.

Angst vor Inflation: Die Enteignung der Sparer beginnt

Angst vor Inflation

Die Enteignung der Sparer beginnt

Sparsame Normalbürger zahlen die Zeche für die ausufernde Schuldenpolitik.

Die jüngsten Schwierigkeiten beim Absatz neuer deutscher Staatsanleihen sieht Stark gelassen. Es gebe keinen Anlass, diese Probleme zu dramatisieren, sagte er. „Die angebotenen Zinsen liegen unter der Inflation“, argumentierte er. Da sei es kein Wunder, wenn die Anleger zögerten.

In einem vorab veröffentlichten Teil des Interviews hatte Stark den zunehmenden politischen Druck auf die EZB geklagt, sich stärker in der Bekämpfung der Finanzkrise zu engagieren. Darin bestehe eine Gefahr für die Unabhängigkeit der EZB.

Von

rtr

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

azaziel

27.11.2011, 12:42 Uhr

Ich moechte, dass Leute wie Juergen Stark, Hans Werner Sinn und viel andere endlich zusammenfinden und der wirtschftlichen und politischen Vernunft nicht nur eine Stimme geben, sondern auch politischen Einfluss. Wir brauchen neue Parteien!

Account gelöscht!

27.11.2011, 13:46 Uhr

Wir brauchen eine neue Partei, lieber gestern als heut oder gar morgen.

Herrn Dr. Stark stimme ich aber nicht ganz zu. M.M. muss der Druck auf die EZB noch um ein vielfaches erhöht werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×