Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.06.2013

13:12 Uhr

Kritik an Korruption

In Brasilien dauern Proteste trotz Reformzusagen an

Brasiliens Präsidentin Rousseff kündigt nach den heftigen Protesten einen Dialog über Reformen an. Dennoch kommt es erneut zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten. Der Zulauf zu Protestaktionen ebbt aber ab.

In Brasilien gehen die Proteste weiter. dpa

In Brasilien gehen die Proteste weiter.

Salvador/Belo HorizonteIn Brasilien reißen die Proteste trotz der Reformzusagen von Präsidentin Dilma Rousseff nicht ab. Auch am Wochenende gingen erneut Zehntausende Menschen auf die Straße, um gegen Mängel im Bildungs- und Gesundheitswesen sowie die Korruption und die hohen Ausgaben für die Fußball-WM 2014 zu demonstrieren. An den Protesten beteiligten sich aber weitaus weniger Menschen als noch in den vergangenen Tagen.

In Belo Horizonte gingen Polizisten mit Tränengas gegen Protestierende vor, die das Fußballstadion stürmen wollten, wo Japan und Mexiko im Rahmen des Confederations Cup ein Länderspiel austrugen. Das Turnier ist die Generalprobe zur Weltmeisterschaft 2014. Mit geschätzten 66.000 Teilnehmern war die Kundgebung in Belo Horizonte Schauplatz der größten Demonstration am Samstag. Einige Demonstranten überwanden Absperrgitter und versuchten, das Fußballspiel Mexiko gegen Japan zu stören. Ohne Zwischenfälle verlief dagegen die Begegnung von Gastgeber Brasilien gegen Italien in Salvador.

In Sao Paulo protestierten 30.000 Menschen gegen Pläne, die Vollmachten von Staatsanwälten in Korruptionsverfahren einzuschränken. In der Hauptstadt Brasilia beteiligten sich 4000 Menschen an einer "Schlampen-Parade" für Frauenrechte. Insgesamt gingen aber weitaus weniger Menschen auf die Straße als auf dem Höhepunkt der Proteste am Donnerstag, als über eine Million Brasilianer demonstrierten.

Fußballstadien Brasilien

Rio de Janeiro

Als das Maracanã-Stadion 1950 fertig wurde, passten 200.000 Zuschauer in die Arena. Zur WM-2014 wird das Fassungsvermögen der Arena auf 77.000 Plätze reduziert. Damit aber bleibt es immer noch das größte Stadion Brasiliens.

Sao Paulo

Das Stadion im Stadtteil Itaquerão soll 65.000 Zuschauern Platz bieten. Nach der WM wird das Stadion die Heimstätte vom Lokalclub Corinthians Paulista.

Salvador da Bahia

Die Stadt bekommt zur WM das neue Fonte-Nova-Stadion mit 56.500 Plätzen.

Recife

Das Stadion Pernambuco wird neu gebaut. Es soll 180 Millionen Euro kosten und 44.000 Zuschauern Platz bieten.

Pôrto Alegre

Lange rührte sich auf der Baustelle des River Bank Stadions gar nichts. Der Verein Internacional stritt mit dem Bauunternehmen. Inzwischen haben die Arbeiten begonnen. Das Stadion wird modernisiert. Es soll bei der WM 50.300 Zuschauern Platz bieten.

Natal

Der Neubau in der ostbrasilianischen Stadt Natal wird voraussichtlich 400 Millionen Real (149 Millionen Euro) kosten. Die „Dünen-Arena“ entsteht auf dem Gelände des gesprengten Machadão-Stadions und wird bei der WM 2014 rund 42.000 Zuschauern Platz bieten. Die Fertigstellung soll 2013 erfolgen.

Manaus

Auch hier wurde ein altes Stadion abgerissen, um einem neuen Platz zu machen. Die Amazônia-Arena ist im Rahmen eines neuen Sportparks mit Sambadrom, Schwimmhalle, Leichtathletikanlagen und weiteren Sporthallen geplant. Der Name des neuen Stadions leitet sich aus der unmittelbaren Nähe der Stadt Manaus zum tropischen Regenwald des Amazonas-Gebietes ab. Rund 43.000 Zuschauer sollen in dem neuen Stadion Platz finden, dessen Baukosten bei 533 Millionen Real (rund 200 Millionen Euro) liegen. Mit der Fertigstellung wird 2013 gerechnet.

Fortaleza

Das 1973 erbaute Estádio Governador Plácido Castelo, besser bekannt unter dem Namen Castelão, wurde vollkommen umgebaut und bietet nun bis zu 64.846 Zuschauern Platz. Die Umbaumaßnahmen sind bereits abgeschlossen und so steht das Stadion für den Confederations Cup in diesem Jahr bereits zur Verfügung. Der Umbau des Stadions hat 486 Millionen Real (180 Millionen Euro) gekostet. (Foto vom Dezember 2012)

Cuiabá

Diese neue Fußballarena wird auf dem Grundstück des inzwischen abgerissenen Verdão-Stadions gebaut. Nach der WM 2014 kann das Stadion auch als Mehrzweckarena genutzt werden. Das Baukastenprinzip ermöglicht eine nachträgliche Verkleinerung bei geringer Auslastung. Während der WM 2014 sollen hier knapp 43.000 Fans Platz finden. Das Stadion soll bis 2014 fertig werden und kostet 597 Millionen Real (222 Millionen Euro).

Belo Horizonte

Das Mineirão-Stadion in Belo Horizonte wurde im Dezember im Beisein der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff eingeweiht. Allerdings ging es beim Eröffnungsspiel Anfang Februar drunter und drüber. Das Stadion verfügt über 66.800 Plätze. Sechs WM-Partien werden dort ausgetragen, einschließlich einer Halbfinalpaarung.

Brasilia

Das alte Estádio Mané Garrincha, das inzwischen fast vollständig abgerissen wurde, macht Platz für eine Arena, die über eine neue Fassade, eine Dachkonstruktion aus Metall, neue Tribünen sowie eine abgesenkte Spielfläche verfügen wird. Das 1974 erbaute Nationalstadion wird umfassend umgebaut, wobei die Sitzplatzanzahl von 42.200 auf über 70.000 erhöht wird. Der Umbau ist mit 671 Millionen Real (250 Millionen Euro) recht kostenintensiv und soll im April 2013 abgeschlossen werden. Hier werden auch einige Fußballpartien der Olympischen Sommerspiele sowie das Eröffnungsspiel des Confederations Cup ausgetragen.

Curitiba

Die Baixada-Arena in Curitiba wurde bereits 1914 erbaut und zählt zu den kleineren WM-Spielstätten in Brasilien. Die Arena mit ehemals 28.272 Plätzen wurde zwar zwischen 1997 und 1999 komplett neu errichtet, doch für die anstehende WM war eine erneute Modernisierung von Nöten. Bis zur WM soll die Baixada-Arena ihre Kapazität auf 41.375 Plätze erhöhen. Die Modernisierung kostet 220 Millionen Real, das sind umgerechnet 82 Millionen Euro.

In einer Fernsehansprache zeigte Rousseff Verständnis für die Anliegen der Demonstranten, kündigte zugleich aber ein konsequentes Einschreiten der Sicherheitskräfte gegen Gewalttäter an. Die Präsidentin appellierte zudem an ihre Landsleute, großzügige Gastgeber für Fußballfans aus aller Welt zu sein. Die linksgerichtete Staatschefin, die wegen ihres Kampfes gegen die Militärdiktatur in den 1960er Jahren eingesperrt war, versicherte, die hohen Kosten für den Bau von Arenen würden sich für die Bevölkerung bezahlt machen.

Rousseff verwies in ihrer Rede auch auf Pläne, künftige Öleinnahmen ins Bildungswesen zu stecken oder ausländische Ärzte ins Land zu holen. Mit ähnlichen Vorhaben war sie aber bereits im Kongress auf Widerstand gestoßen.

Die Proteste werden vor allem von Studenten und Angehörigen der Mittelschicht getragen. Wegen der vielschichtigen Forderungen der meist jungen Demonstranten dürfte es der Regierung schwerfallen, dem Protest den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Bewegung verfügt zudem über keine ausgewiesenen Anführer. Gleichwohl ist es die größte Demonstrationswelle in Brasilien seit Jahrzehnten.

Von

rtr

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Brasil

23.06.2013, 13:46 Uhr

Die deutschen Schlaftoelpel sollten sich mal von den Tuerken und Brasilianern eine Scheibe abschneiden! Selbst im Land des Fussballs begreifen die Leute, dass es Wichtigeres gibt, wobei die Not hier in Brasilien in den Bereichen fuer die protestiert wird in der Realitaet nicht sehr gross ist, nur eben ueberreguliert! Genau das aber passiert in Europa und sonst ueberall auf der Welt, der Regulierungswahn ist unendlich. Die Menschen hier fuehlen aus Instinkt, dass sie wohl in die gleiche Situation kommen, wenn sie nicht rechtzeitig dagegen steuern und genau das ist der Grund der Prosteste, ohne dass die Protestierenden das genau so argumentieren!
Das Bildusgssystem hier in rasilien ist objektiv ueber alle Zweifel erhaben und sehr sozialkritisch ausgelegt, extrem demokratiefreundlich und objektiv was die Diskussion ueber die bestehenden Systeme betrifft, die sich den Deckmantel Demokratie ueberstuelpen. Einfach ekelhaft die deutschen Verbildungsstaetten, wenn man sie vergleicht!

BockZumGaertner

23.06.2013, 15:27 Uhr

"Die linksgerichtete Staatschefin, die wegen ihres Kampfes gegen die Militärdiktatur ... eingesperrt war"

Sie hat Banken überfallen, z.B. BANESPA. Der Verdacht, dass sie auch eigenhändig Angestellte umgelegt hat, konnte nie ausgeräumt werden.

Feine "Widerstandskämpferin", die dem Volk etwas über Recht und Ordnung erzählen will!

fernanda

23.06.2013, 17:09 Uhr

hier für alle die sich selbst ein bild machen wollen, die rede der präsidentin dilma rousseff mit deutschen untertiteln https://www.youtube.com/watch?v=tFZ5Yj-FuPQ

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×