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04.01.2011

20:14 Uhr

Kritik an Methode

China verschiebt Grundsteuer

VonFinn Mayer-Kuckuk

China führt die Grundsteuer offenbar später ein als erwartet. Weil verschiedene Regierungsstellen sich nicht einig seien, gebe es Verzögerungen bei der Umsetzung der Pläne, berichtet das chinesische Wirtschaftsmagazin "Century Weekly". Örtliche Beamte hätten Kritik an der geplanten Methode zur Erhebung der Steuern geäußert.

Wohnhäuser in Peking: In China stehen viele Neubauten leer. dpa

Wohnhäuser in Peking: In China stehen viele Neubauten leer.

PEKING. Die Grundsteuer sollte ursprünglich im Laufe dieses Jahres in Pilotregionen mit besonders stark steigenden Immobilienpreisen in Kraft treten. In der Hoffnung auf einen deutlich späteren Termin investierten Börsenanleger am Dienstag kräftig in Immobilienwerte.

Der Regierung liegt viel daran, die Luft aus der entstehenden Immobilienblase zu lassen. Allein im November stiegen die Preise einem Index der Wohnungswebsite Soufun zufolge um ein knappes Prozent. Eine mäßige Grundsteuer - wie es sie in Deutschland oder den USA bereits gibt - gilt als wirksames Instrument, um Wohnimmobilien für spekulative Anleger uninteressant zu machen. "Sie wird die Preise dämpfen, weil sie Spekulanten einen Schlag versetzt", sagt Yang Hongxu vom Immobilienforschungsinstitut Yiju in Schanghai.

In China stehen viele Neubauten leer, weil die Inhaber auf automatische Wertzuwächse durch die steigenden Marktpreise setzen. Schon jetzt sei der Ärger groß über Investoren, die den kostbaren Wohnraum nicht nutzen, sagt Yang. "Eine Grundsteuer wird zur gesunden Entwicklung des Marktes beitragen." Aus Sicht der Regierung in Peking sei ihre Einführung unvermeidlich.

Anders sehen das die Angehörigen der Mittelschicht, die in den vergangenen 30 Jahren durch gezielte Privatisierungen zu Immobilienbesitzern aufgestiegen sind. "Die Einführung der Grundsteuer geschieht ganz klar gegen den Willen der Bürger", empört sich Herr Wang, ein Wohnungsbesitzer in Pekings Stadtteil Chaoyang. "Die Bekämpfung der Spekulation ist doch nur ein Vorwand, um uns zu schröpfen."

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