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05.04.2015

17:00 Uhr

Kritik an Saudi-Arabiens Hilfe

Russen fordern „humanitäre Feuerpause“ im Jemen

Moskau will die Luftangriffe im Jemen vorerst stoppen. Allein in den vergangenen beiden Wochen sind mehr als 500 Zivilisten bei Kämpfen im Jemen ums Leben gekommen. Russlands Forderung unterstützt auch das Rote Kreuz.

Unterstützer der Huthi-Rebellen protestieren gegen die Militäroperation, die Saudi-Arabien im Jemen eingeleitet hat. Russland fordert nun einen Stopp der Luftangriffe – auch, um eigene Landsleute aus dem Jemen retten zu können. dpa

Proteste gegen saudi-arabische Angriffe

Unterstützer der Huthi-Rebellen protestieren gegen die Militäroperation, die Saudi-Arabien im Jemen eingeleitet hat. Russland fordert nun einen Stopp der Luftangriffe – auch, um eigene Landsleute aus dem Jemen retten zu können.

New York/SanaaMit Hilfe der Vereinten Nationen will Russland die von Saudi-Arabien geführten Luftangriffe im Jemen stoppen. Moskau legte am Samstag dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York einen Resolutionsentwurf für eine „humanitäre Feuerpause“ vor. Der am Samstag eingebrachte Resolutionsentwurf soll ermöglichen, Ausländer aus dem Jemen in Sicherheit zu bringen und bedürftigen Menschen Hilfe zukommen zu lassen. Die Russen hatten in den vergangenen Tagen Probleme, ihre Landsleute aus dem Bürgerkriegsland herauszuholen.

Moskau hatte am Freitagabend eine Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats zur Krise im Jemen beantragt, wo Saudi-Arabien und seine arabischen Verbündeten seit mehr als einer Woche Luftangriffe gegen die schiitischen Huthi-Rebellen fliegen. „Die Ratsmitglieder brauchen allerdings noch Zeit, den russischen Vorschlag zu überdenken“, sagte Jordaniens UN-Botschafterin Dina Kawar, die in diesem Monat den Sicherheitsrat führt. Zuvor hatten die 15 Ratsländer zweieinhalb Stunden lang in einer eilig einberufenen Sondersitzung über den russischen Vorstoß beraten. „Wir hoffen, dass wir am Montag etwas vorlegen können.“

Großbritanniens stellvertretender UN-Botschafter Peter Wilson sagte, dass sein Land die Luftangriffe auf die Rebellen weiter unterstütze. Zivile Opfer müssten aber unbedingt vermieden werden. „Aber es ist auch äußert wichtig festzustellen, wie wir in diese Situation gekommen sind: Weil die Huthis immer und immer wieder Waffenruhen verletzt, militärische Aktionen angezettelt und zur Gewalt gegriffen haben, statt sich an den politischen Gesprächen zu beteiligen.“

Krieg im Jemen: Eine Chronologie

Januar 2011

Im Land beginnen, inspiriert durch den Arabischen Frühling, Massenproteste gegen Langzeitherrscher Salih. Das Regime geht mit Gewalt gegen Demonstranten vor. (Quelle: dpa)

Januar 2012

Ex-Präsident Ali Abdullah Salih gibt seine Macht an seinen Vize Abed Rabbo Mansur Hadi ab. Nach offiziellen Angaben starben in dem ein Jahr andauernden Widerstand mehr als 2000 Demonstranten.

März 2013

Ein nationaler Dialog soll den Übergang zur Demokratie ermöglichen. Mehrere politische Gruppen, darunter auch die Huthis, arbeiten an einer neuen Verfassung. Als es zu Gefechten zwischen salafistischen Gruppen und Huthis im Norden des Landes kommt, distanziert sich der Stamm Anfang 2014 vom Ergebnis der Konferenz.

September 2014

30.000 Huthi-Anhänger belagern die Hauptstadt Sanaa und übernehmen wichtige Regierungsgebäude. Im Oktober erzwingen die Rebellen von Präsident Hadi eine Regierungsumbildung, im Osten und Süden des Landes rücken sie weiter vor.

Januar 2015

Die Huthi umstellen in Sanaa den Präsidentenpalast mit Panzern. Hadi und mehrere Regierungsmitglieder werden unter Hausarrest gestellt, der Präsident bietet seinen Rücktritt an.

Februar 2015

Hadi flieht ins südjemenitische Aden und ernennt seinen Fluchtort zur neuen Hauptstadt. Die Rebellen beginnen mit ihrem Marsch gen Aden.

März 2015

Mit Hilfe von Getreuen des Ex-Präsidenten Salih erobernd die Huthis die letzten Militärbasen vor Aden. Hadi bittet seine arabischen Nachbarn um eine Intervention, er selbst taucht unter.

Die Vereinten Nationen hatten bereits vor einer drohenden humanitären Katastrophe gewarnt. Allein in den vergangenen zwei Wochen seien bei den Kämpfen im Jemen 519 Zivilisten getötet worden sein, hieß es bei der Weltorganisation. Zehntausende seien Flüchtlinge im eigenen Land.

Das Rote Kreuz hatte am Samstag ebenfalls zu einer 24-stündigen Feuerpause aus humanitären Gründen aufgerufen. Nur so könnten die vielen Verletzten versorgt werden, und die Einwohner der umkämpften Gebiete in die Lage versetzt werden, Wasser und Nahrungsmittel zu besorgen, erklärte ein Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK).

Die von Saudi-Arabien geführte Militärallianz erteilte den Forderungen nach einer humanitären Feuerpause zunächst eine Absage. Erst einmal müssten die Bedingungen für Hilfslieferungen geschaffen werden, sagte der saudiarabische Brigadegeneral Ahmed Assiri. „Die humanitäre Operation ist Teil unserer Arbeit und unserer Verantwortung“, fügte er hinzu. Hilfsgüter dürften aber nicht in die falschen Hände geraten, etwa in die der Huthi-Rebellen. „Wir wollen nicht die Milizen versorgen“, sagte Assiri. Saudi-Arabiens König Salman hatte jedoch die Bereitschaft seines Landes erklärt, sich mit Parteien des Jemen zu treffen.

Die schiitische Huthi-Miliz im Bürgerkriegsland Jemen hat ihre grundsätzliche Bereitschaft zu Friedensgesprächen erklärt. Voraussetzung sei allerdings ein Ende der Luftangriffe durch die von Saudi-Arabien angeführte sunnitische Militärallianz, teilte das führende Huthi-Mitglied Saleh al-Sammad der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag per Email mit. Die Gespräche sollten von Parteien überwacht werden, die keine aggressiven Positionen gegenüber dem jemenitischen Volk einnähmen. Wer dies sein könnte, sagte Sammad nicht.

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