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17.04.2015

17:13 Uhr

Kritik bei der IWF-Tagung

Schäuble teilt aus

VonJan Hildebrand

Griechenland, Jens Weidmann, deutsche Wirtschaftforscher und sogar sich selbst: Finanzminister Schäuble verschonte in Washington kaum jemanden von seinem Spott – auch nicht seinen „Kollegen und Freund Yannis Varoufakis“.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble war guter Laune in Washington – kein gutes Zeichen für seine Kontrahenten. dpa

In Hochform

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble war guter Laune in Washington – kein gutes Zeichen für seine Kontrahenten.

WashingtonWolfgang Schäubles Vorliebe für spöttische Kommentare ist bekannt und auch gefürchtet. Aber am Freitag in Washington legte der deutsche Finanzminister einen Auftritt hin, der auch für seine Verhältnisse ungewöhnlich war. In 30 Minuten nahm er so ziemlich jede sich bietende Gelegenheit war, um anderen eine auszuwischen.

Die Angriffslust bekam auch Jens Weidmann zu spüren, der mit Schäuble zusammen die Pressekonferenz bestritt. Der Bundesbank-Präsident zog sich den Unmut zu, als er darauf hinwies, dass Schäuble durch die derzeit niedrigen Zinsen jede Menge Geld im Haushalt spare. Der Kommentar ärgerte Schäuble. Schließlich weist er derzeit auch in Washington immer wieder auf die Risiken der lockeren Geldpolitik hin.

Wichtige Begriffe in der griechischen Schuldenkrise

Grexit

Der Kunstbegriff wurde aus den englischen Worten für „Griechenland“ (Greece) und „Ausstieg“ (Exit) gebildet - gemeint ist ein Ausstieg oder Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone. So etwas ist in den EU-Verträgen allerdings gar nicht vorgesehen. Die Idee: Würde Griechenland statt des „harten“ Euro wieder eine „weiche“ Drachme einführen, könnte die griechische Wirtschaft mit einer billigen eigenen Währung ihre Produkte viel günstiger anbieten.

Graccident

Neuerdings wird auch vor einem unbeabsichtigten Euro-Aus der Griechen gewarnt. Das Kunstwort dafür besteht aus Greece und dem englischen Wort für „Unfall“ (Accident) - wobei das Wort im Englischen auch für „Zufall“ stehen kann. Gemeint ist ein eher versehentliches Schlittern in den Euro-Ausstieg, den eigentlich niemand will - der aber unvermeidbar ist, weil Athen das Geld ausgeht.

Anleihe

Staaten brauchen Geld. Weil Steuereinnahmen meist nicht ausreichen, leihen sie sich zusätzlich etwas. Das geschieht am Kapitalmarkt, wo Staaten sogenannte Anleihen an Investoren verkaufen. Eine Anleihe ist also eine Art Schuldschein. Darauf steht, wann der Staat das Geld zurückzahlt und wie viel Zinsen er zahlen muss.

T-Bill

Im Grunde handelt es sich ebenfalls um Anleihen - allerdings mit deutlich kürzerer Laufzeit. Während Anleihen für Zeiträume von fünf oder zehn oder noch mehr Jahren ausgegeben werden, geht es bei T-Bills um kurzfristige Finanzierungen. Die Laufzeit solcher Papiere beträgt in der Regel nur einige Monate.

Schuldenschnitt

Manchmal hat ein Staat so viel Schulden, dass er sie nicht zurückzahlen kann und auch das Geld für Zinszahlungen fehlt. Dann versucht er zu erreichen, dass seine Gläubiger auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Das nennt man Schuldenschnitt. Dieser schafft finanzielle Spielräume. Allerdings wächst auch das Misstrauen, dem Staat künftig noch einmal Geld zu leihen.

Rettungsschirm

Seit 2010 hatten immer mehr Staaten wegen hoher Schulden das Vertrauen bei Geldgebern verloren. Für sie spannten die Europartner einen Rettungsschirm auf. Er hieß zuerst EFSF, wurde später vom ESM abgelöst. Faktisch handelt es sich um einen Fonds, aus dem klamme Staaten Kredithilfen zu geringen Zinsen bekommen können.

Primärüberschuss

Griechenlands Schuldenberg ist - gemessen an der Wirtschaftsleistung - der höchste in der Eurozone. Das sind nicht nur Altlasten, auch im laufenden Betrieb kommt das Land wegen der hohen Zinsbürde nicht ohne neue Schulden aus. In den Verhandlungen mit den Geldgebern musste Athen aber versprechen, zumindest unter Ausblendung der Zinsen weniger auszugeben als einzunehmen. Das nennt man Primärüberschuss.

Troika

In der Euro-Schuldenkrise wurde der Begriff für das Trio aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission gebraucht. Sie kontrollieren die verlangten Reformfortschritte. Im Euro-Krisenland Griechenland ist die Troika deswegen zum Feindbild geworden. In seinem Schreiben an die Eurogruppe spricht Athen nun von „Institutionen“. Auch die Europartner wollen das Wort „Troika“ nicht mehr verwenden. In offiziellen Dokumenten war ohnehin nie die Rede von der „Troika“.

„Der Finanzminister findet das äußerst problematisch“, sagte Schäuble über sich. Schließlich sei er „nicht nur ein Erbsenzähler“. Das habe er auch nicht behauptet, entgegnete Weidmann. „Klang aber so“, meinte Schäuble. Es war nicht das einzige Wortgefecht. Schäuble und Weidmann liefern sich traditionell kleinere Scharmützel, wenn sich der eine in die Zuständigkeiten des jeweils anderen einmischt.

Als es um die Geldpolitik ging, merkte Weidmann Richtung Schäuble an: „Sie würden ja auch nie dazu Stellung nehmen.“ Natürlich hatte auch er mitbekommen, dass der Finanzminister vor zwei Tagen erst verkündete, der Euro sie „schwach genug“ und er hoffe, dass er wieder steige.

Diese Äußerungen wollte Schäuble nun zumindest nicht wiederholen. Er gebe als Finanzminister keine Prognosen zum Wechselkurs ab, reagierte er auf eine entsprechende Frage. Und nahm auch für seinen Sitznachbarn gleich die Antwort vorweg. Auch Weidmann werde sich sicherlich nicht äußern, sagte Schäuble. „So blöd wäre ich nicht“, warf der ein.

Kommentare (8)

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Herr Vittorio Queri

17.04.2015, 17:46 Uhr

>> Washington. Wolfgang Schäubles Vorliebe für spöttische Kommentare ist bekannt und auch gefürchtet. >>

Sein einziger Kommentar, den [...] drauf hat, ob spöttisch oder nicht, lautet :

- Griechenland ist auf dem guten Weg

- wir sind auf dem Guten Weg

- die Banken sind auf dem guten Weg

- ja alle sind immer auf dem guten Weg,

so lange dieser Greis Finanzminister spielen, unser Land ruinieren, die EUtopia auf Kosten unseres Wohlstandes sanieren und ein Millionengehalt als Gouverneur des ESM steuerfrei einstreichen kann !

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Peter Noack

17.04.2015, 18:06 Uhr

Lieber Herr Queri!
Wenn es Ihnen in Deutschland nicht passt, dann wandern Sie doch aus! Ich würde Nordsibirien empfehlen. Da leben fast keine Menschen und Sie müssen sich nicht so oft aufregen. Jakutien, nahe der Behringstraße ist sehr schön.

Herr never mind

17.04.2015, 18:47 Uhr

das Verhalten der deutschen Regierung und der EU bzgl. Griechenland ist lächerlich. Europäische Union ? Was ist das für eine "Union" ? In einer Union werden konstruktive Lösungen gefunden mit allen Partnern und keinesfalls Drohungen hin und her geschickt. Das ist bedauerlich und ein Armutszeugnis dieser EU und Deutschlands. Und während dieser Zirkus weitergeht lacht der Rest der Welt über diese Wichtigtuer.

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