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06.10.2017

14:43 Uhr

Kritik nach Las Vegas

Sind nur weiße Verbrecher „einsame Wölfe“?

Der Schütze von Las Vegas war weiß – und nicht muslimisch. Seine Tat sei die eines „einsamen Wolfes“ gewesen, nicht die eines „heimischen Terroristen“. An dieser Interpretation wird immer mehr Kritik laut.

Die Bezeichnung „einsamer Wolf“ wird oft in Verbindung mit Massenmorden benutzt, wie etwa im Fall von James Holmes, der 2012 in einem Kino in Colorado 12 Menschen getötet hatte. AP

Gedenken in Las Vegas

Die Bezeichnung „einsamer Wolf“ wird oft in Verbindung mit Massenmorden benutzt, wie etwa im Fall von James Holmes, der 2012 in einem Kino in Colorado 12 Menschen getötet hatte.

Las VegasStephen Craig Paddock, der Massenmörder von Las Vegas, ist ein weißer Amerikaner. Nach seiner Identifizierung als Täter wurde er schnell als ein „einsamer Wolf“ bezeichnet, ein isolierter Einzeltäter. Wäre er im Fall einer anderen Hautfarbe oder Volkszugehörigkeit stattdessen Terrorist genannt worden oder wären irgendwelche Verbindungen zwischen der Tat und der Minderheitengruppe hergestellt worden, der er angehört?

Diese Frage ist in den vergangenen Tagen immer wieder aufgetaucht. Kritiker meinen, dass in den Diskussionen und Gesprächen nach Tragödien und Verbrechen in den USA oft Formulierungen mit spaltenden, rassistischen Untertönen auftauchen. Wenn Weiße für die Tat verantwortlich gemacht werden, so sagen sie, dann als Einzelpersonen. Sind es Angehörige von Minderheiten, wird angedeutet, dass ihre Verbrechen einen breiteren Hintergrund haben.

„Bei Weißen heißt es, es ist etwas, „das eben passiert ist““, meint Professorin Sharlette Kellum-Gilbert von der Texas Southern University. „Wenn es sich um eine andere ethnische Zugehörigkeit handelt, dann heißt es, „so sind sie“, und es gibt Rufe nach Recht und Ordnung.“

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Der Schriftsteller und Bürgerrechtsaktivist Shaun King sieht es ähnlich. „Weiße Männer, die Massengewalt anwenden, werden konstant vorrangig als isolierte „einsame Wölfe“ charakterisiert“, stellt er in einer Kolumne für die Nachrichtenseite „The Intercept“ fest. „Wenn ein Gewaltakt von einem Afroamerikaner begangen worden ist, ist es seit Jahrhunderten so, dass rassistische Ausdrücke folgen - und dann früher oder später die Kriminalisierung und Dehumanisierung einer ganzen ethnischen Gruppe.“

Als im vergangenen Jahr Micah Xavier Johnson in Dallas fünf Polizisten erschoss und neun weitere verletzte, gab es viele, die Black Lives Matter die Schuld daran gaben - einer Bewegung, die exzessive Polizeigewalt gegen Schwarze anprangert. Dabei hatte Johnson keine Verbindung zu ihr.

Und als 2014 Alton Nolen im Zusammenhang mit der Enthauptung eines Arbeitskollegen und einer Messerattacke gegen einen zweiten festgenommen wurde, waren manche sehr schnell dabei, die Tat auf Nolens „Radikalisierung“ zurückzuführen: Er war kurz davor zum Islam übergetreten. Dabei hätte das Verbrechen auch als Gewalt am Arbeitsplatz kategorisiert werden können, wie das in anderen Fällen gang und gäbe ist: Nolen war verbittert über seine jüngste Zwangsbeurlaubung von seinem Job.

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Die Massaker wie jüngst in Las Vegas mahnen: Die amerikanische Gesellschaft begeht Selbstmord, fürchtet Stephan-Götz Richter, Chefredakteur des Internet-Magazins „The Globalist“. Ein Gastbeitrag.

Die Bezeichnung „einsamer Wolf“ wird oft in Verbindung mit Massenmorden benutzt, wie etwa im Fall von James Holmes, der 2012 in einem Kino in Colorado 12 Menschen getötet hatte. Der Begriff sei zweckdienlich für eine Gesellschaft, die bestrebt sei, ihre Ängste nach einem schrecklichen Ereignis abzumildern, sagt Mark Hamm, ein Professor für Kriminologie an der Universität des US-Staats Indiana, der sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. „Es ist leicht, zu dieser Metapher zu greifen. Terrorismus ist ein solch befrachteter Begriff. Er hat einen ethnisch bezogenen Beiklang.“

Den Ermittlern ist es noch nicht gelungen, das Motiv hinter dem Massaker von Las Vegas, dem schlimmsten Blutbad in der US-Kriminalgeschichte, zu identifizieren. 58 Menschen starben, etwa 500 wurden verletzt. Der Schütze tötete sich selbst. Präsident Donald Trump sprach von einem „Akt des reinen Bösen“, der Begriff heimischer Terrorismus fiel nicht. Den Täter nannte Trump „krank“ und „verrückt“ - was nahelegt, dass psychische Probleme eine mögliche Erklärung für das Verbrechen seien.

Im vergangenen Jahr, nach dem Blutbad in einem Nachtclub in Orlando, hatte Trump den damaligen Präsidenten Barack Obama kritisiert, weil dieser die Tat des Schützen Omar Mateen nicht sofort als einen Akt des „radikalen islamischen Terrorismus“ bezeichnet hatte. Zwar hatte Mateen in der Vergangenheit Unterstützung für die Terrormiliz Islamischer Staat geäußert, aber seine spezifischen Motive wurden nie geklärt - und auch nicht, ob irgendwelche psychischen Krankheiten zu der Tat beitrugen.

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Obama redete nicht um den heißen Brei, als der Weiße Dylann Roof 2015 in einer Schwarzenkirche in South Carolina neun Gläubige erschoss: Er sprach von einem „Akt des Terror“ und einem „Akt des Hasses“. Trump seinerseits geriet im August ins Kreuzfeuer der Kritik, nachdem er sich schonungsvoll über die Gewalt bei einer Demonstration Rechtsradikaler in Charlottesville (Virgina) geäußert hatte. Am Rande der Veranstaltung war es zu Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten gekommen, eine Frau wurde bei einer gezielten Autoattacke getötet. Trump machte nicht Rechtsradikale für die Eskalationen verantwortlich, sondern „viele Seiten“.

Wes Bellamy, Vizebürgermeister von Charlottesville, wirbt für mehr Ehrlichkeit in den Diskussionen. „Was in Las Vegas und was in Charlottesville vor sich ging, war heimischer Terrorismus“, sagt er. „Er hat keine Farbe. Wir müssen das ansprechen und benennen, was es ist, egal, wer die Tat begeht.“

Von

ap

Kommentare (3)

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Herr Andreas Kertscher

06.10.2017, 15:19 Uhr

Diese Wortspielereien lenken doch nur ab vom eigentlichen Thema.
Ein Einzeltäter ist ein "einsamer Wolf", mehrere Täter sind eine Gruppe Radikaler.
Radikale, Mörder, Terroristen, Extremisten, Islamisten, Kreuzritter, es spielt doch keine Rolle, welche Namen wir ihnen geben.
Entscheidend ist, dass sie Unschuldige umbringen und dafür radikalisiert wurden.
Entscheidend ist, dass jemand sie radikalisierte.
Wer radikalisiert heute?
1. Fernsehen mit Krimis und Kriegsspiele im Internet
2. Religiöse Fanatiker in Kirchen und im Internet
3. Die Presse mit Fake News
4. Schauspieler mit Enthauptungen und Mordaufrufen
5. Politiker, besonders Demokraten, mit falschen Anschuldigungen
6. Ja, auch "Black LIves Matter" mit dem Aufschrei "Rassismus" bei jeder Verfolgung von schwarzen Kriminellen
7. Tweeter und andere Social Media Teilnehmer mit Hasskommentaren und Nazi-Diffamierungen
Ursache und Wirkung. Das Resultat hat nichts mit schwarz oder weiß zu tun.
Labile Menschen werden zu Gewalttaten getrieben von den oben Genannten.

Herr Andreas Kertscher

06.10.2017, 15:35 Uhr

Nehmen wir mal an, der vorerst letzte Massenmörder Paddock war
a) gelangweilt, deshalb die Pokerspiele
b) desensibilisiert durch die politische Diskussion
c) inspiriert von dem letzten Massenmord in Orlando
d) motiviert, es noch besser, perfekter durchführen zu können, weil er die Mittel und den Intellekt dazu hat
e) begeistert von der Idee, durch die Presse unsterblich zu werden.
Was hat all das mit Rasse oder Religion zu tun?
Absolut nichts. Wir, seine Umwelt, die Politik und Presse, haben ihn wahrscheinlich dazu gebracht und können tausende andere dazu bringen!

Herr Helmut Metz

06.10.2017, 16:34 Uhr

Was den Deutschen der eingeimpfte Schuldkonmplex wegen der Verbrechen der NationalSOZIALISTEN, ist den weißen Amerikanern der eingeimpfte Schuldkomplex mit der Versklavung der Schwarzen. Wird zudem von Hollywood auch fleißig befeuert.
Deshalb ist Rassismus von Schwarzen gegen Weiße insbesondere in den linken US-Medien absolut gesellschaftsfähig - umgekehrt reicht aber noch nicht einmal die Todesstrafe für eine solch schändliche Tat aus.

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