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08.07.2011

08:39 Uhr

Kritik zu Illner-Talk

Strauss-Kahn die Zweite - saftige Bonmots und wenig Fundiertes

VonChristian Bartels

„Ganz großes Kino“ sollte es werden, ganz kleines Fernsehen war es letztlich: Maybrit Illner und ihre Gäste widmeten sich erneut dem Fall Strauss-Kahn. Heraus kam ein Armutszeugnis für die Informationskompetenz des ZDF.

"Sex und mächtige Männer - was verändert der Fall Strauss-Kahn?", war Thema bei Maybrit Illner. Quelle: Screenshot ZDF

"Sex und mächtige Männer - was verändert der Fall Strauss-Kahn?", war Thema bei Maybrit Illner.

BerlinVor sechs Wochen hatte Maybrit Illner in ihrer Talkshow bereits über die spektakuläre Verhaftung Dominique Strauss-Kahns in New York diskutiert. Donnerstagabend diskutierte sie unter dem Titel "Sex und mächtige Männer: Was verändert der Fall Strauss-Kahn?" über seine spektakuläre Freilassung. Es dauerte gut 20 Minuten, bis Peter Scholl-Latour die Fahrstuhl-Anekdote (in USA als Mann nie allein mit einer Frau in einen Fahrstuhl steigen...) zum Besten gab - den Dauerbrenner aller deutschen Dominique Strauss-Kahn-Diskussionen. Und schon damit bewies, um was für eine überflüssige Diskussionsrunde es sich da handelte.

In den besseren Momenten fassten Illners Gäste, vor allem die amerikanische Journalistin Heather De Lisle und ihre französische Kollegin Cécile Calla, zusammen, was jeder halbwegs regelmäßige Leser von Nachrichtenportalen oder Zeitungsleser schon wusste. In den schlechteren stachelte Illner, auf deren Prämisse, die New Yorker Staatsanwaltschaft habe sich "vor der ganzen Welt blamiert", niemand wirklich einsteigen wollte, ihre Gäste in mitunter geradezu unjournalistischen Nonsens-Fragen zum Spekulieren an.

An Scholl-Latour richtete sie die Frage: "Glauben Sie, dass er ein Opfer oder ein Täter ist?", den Fernsehregisseur Dieter Wedel fragte sie, ob Strauss-Kahn "in Ihren Augen ein hinterhältiger Schurke oder ein tragischer Held" ist. Was immer man sonst von Scholl-Latour und Wedel hält, es ehrt sie, dass sie nicht darauf eingingen. Ihren US-Gast De Lisle fragte Illner am Ende gar noch: "Was würde es in Washington auslösen, wenn Dominique Strauss-Kahn dort als französischer Präsident oder Wirtschaftsminister auftauchen würde?"

Ebenfalls in der Runde saß die "taz"-Chefredakteurin Ines Pohl, die zwar ankündigte, als Medienvertreterin nicht "zu schnell über etwas urteilen" zu wollen, sich aber doch an sämtlichen Spekulationen munter beteiligte - über "weitere Anzeigen" gegen Strauss-Kahn, die vielleicht ja noch kommen könnten, über die Ehe von ihm und seiner Frau Anne Sinclair und auch über die Liebes- und die wirtschaftliche Beziehung zwischen Hillary und Bill Clinton.

Zwei der Gäste bei Illner: Deutschland-Korrespondentin bei ABC-News, Heather De Lisle (l) und die französische Journalistin Cécile Calla Quelle: Screenshot ZDF

Zwei der Gäste bei Illner: Deutschland-Korrespondentin bei ABC-News, Heather De Lisle (l) und die französische Journalistin Cécile Calla

Die Stimme der Vernunft gehörte mal wieder dem eingeladenen Juristen, an diesem Abend dem "Hamburger Staranwalt" (Illner) Gerhard Strate. Der bezweifelte zum Beispiel, dass eine deutsche Staatsanwaltschaft in einem ähnlichen Fall besser reagiert hätte, und erinnerte an den O.J. Simpson-Prozess, der einst an einer marginalen Unwahrheit in einer Zeugenaussage gescheitert war. Ähnlich könnte es seiner Prognose nach im Fall Strauss-Kahn kommen. Doch sagte Strate auch: "Ich halte mich an das, was ich in der 'New York Times' gelesen habe" - und brachte damit das ansonsten unausgesprochene Kernproblem der Diskussionsrunde auf den Punkt: Solange die Wahrheit nur zwei Menschen kennen und auch in New York Justiz und Juristen noch danach suchen, kann sich, zumal in deutschen Talkshows, jeder nur an das halten, was er irgendwo gelesen hat.

Kommentare (20)

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08.07.2011, 09:56 Uhr

Diese ganzen Fernseh-Quatschbuden gehören abgeschafft. Was haben sie jemals wirklich bewirkt? Alles Schall und Rauch.

ADLER1

08.07.2011, 10:05 Uhr

Dem kann ich nur zustimmen. Die Damen Ilner, Will und Co verdienen pro Sendungen Zehntausende für Müll, und "gestandene" Persönlichkeiten sitzen da wie Schuljungs.
Es zeigt wieder wie nachteilig sich Medien und Politik in den letzten jahren entwickelt haben. Wenige ist mehr muss wieder gelten.

Account gelöscht!

08.07.2011, 10:20 Uhr

Diese ostdeutsche Quotenfrau hat einfach nix im Hirn. Das beste was sie kann ist den Kopf zur Seite zu legen und mit den Augen zu blinzeln und die Stirn in Falten zu legen. DSK ist von einer Hure reingelegt worden. Diese Person durfte garnicht in das Zimmer gehen, da es belegt war und sie es wußte. Das weiß jedes Zimmermädchen auf der Welt, zumindest in dieser Hotelkategorie.

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