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01.07.2013

13:52 Uhr

Kroatien ist 28. EU-Mitglied

Fröhlich, aber arm

VonStefan Menzel

Statt starker Staaten holt sich die Europäische Union einen weiteren Problemkandidaten ins Haus. Hilfen in Milliardenhöhe werden nach Kroatien fließen müssen. Damit verteilt die EU noch mehr Geld von West nach Ost.

Die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite überreicht ihrem kroatischen Amtskollegen Ivo Josipovic ein T-Shirt, das den gemeinsamen Charakter der EU beschwört. dpa

Die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite überreicht ihrem kroatischen Amtskollegen Ivo Josipovic ein T-Shirt, das den gemeinsamen Charakter der EU beschwört.

DüsseldorfMehr als zehn Jahre haben die Kroaten um den EU-Beitritt gerungen, nun ist es soweit: Der kleine Adria-Staat mit gerade einmal 4,4 Millionen Einwohnern ist das 28. Mitgliedsland der Europäischen Union. Politisch gesehen gilt die Aufnahme als Erfolg, aber aus ökonomischer Sicht holt sich die EU einen weiteren Problemkandidaten ins Haus. Die EU scheint nur noch attraktiv zu sein für ärmere Länder aus Osteuropa, weil sie mit Unterstützungszahlungen in Milliardenhöhe rechnen können. Länder wie die Schweiz, eine starke Volkswirtschaft im Herzen Europas, zeigen der Union dagegen die kalte Schulter.

Für das gesamte frühere Jugoslawien ist der Beitritt der Kroaten ein wichtiges Signal: Mit der EU und dem Westbalkan geht also doch etwas. Aus Ex-Jugoslawien hatte bislang nur Slowenien die Aufnahme in die Union geschafft. Seit dem Jahr 2004, dem Beitritt Sloweniens, herrschte Funkstille auf dem Westbalkan. Ländern wie Kroatien und Serbien, eigentlich naheliegende Mitgliedskandidaten der EU, war der Beitritt wegen der Folgen des jugoslawischen Bürgerkriegs über Jahre versperrt.

Nun also hat es Kroatien doch geschafft. Während des zehn Jahre dauernden Aufnahmeverfahrens hat sich das Land europäischen Standards angepasst. Besonders die Rechtsnormen, wichtig für Investoren, erfüllen immer stärker westliche Niveaus. Mit der Aufnahme von Kroatien unterstreicht die Europäische Union, dass sie Ex-Jugoslawien doch nicht aus den Augen verloren hat.

Natürlich wachsen die Begehrlichkeiten jetzt bei den kroatischen Nachbarn. Serbien wäre der nächste logische Kandidat für einen EU-Beitritt. Zumal die Serben wichtige Konfliktpunkte mit der EU wie etwa die Auslieferung von Kriegsverbrechern aus dem Weg geräumt haben. Offiziell werden die Beitrittsverhandlungen mit Serbien im nächsten Jahr beginnen. Natürlich soll der Beitritt dann in den nächsten fünf bis zehn Jahren beschlossene Sache sein. Sollte Serbien den Mitgliedsstatus bekommen, dann wollen ihn natürlich auch Mazedonien und Montenegro, die kleineren jugoslawischen Nachfolgestaaten.

Die entscheidende Frage wird allerdings sein, ob die EU bei der Neuaufnahme weiterer Länder etwas länger Pause machen wird. Die Probleme in der Euro-Zone und die wachsenden politischen Spannungen innerhalb der Union gerade im Zusammenhang mit Großbritannien könnten den Erweiterungsprozess für einen unbegrenzten Zeitraum anhalten. Die EU hat schon genug eigene Probleme, die sie erst einmal bewältigen muss. Weitere Länder können da nur stören. Besonders dann, wenn sie wieder nur neue Probleme in die Union hineintragen.

Kroatien ist jedoch ein Problemfall aus ökonomischer Sicht. Kaum ein anderes Land in Europa musste eine solch dramatische Durststrecke hinter sich bringen. Seit fünf Jahren steckt das kleine Land fest in der Rezession, seit 2008 ist die nationale Wirtschaftsleistung um elf Prozent eingebrochen. Während es in anderen Ländern Osteuropas zumindest in ein oder zwei Jahren seit dem Beginn der Finanzkrise eine Gegenbewegung mit Wachstum gegeben hat, ist es in Kroatien ununterbrochen weiter nach unten gegangen.

Auch 2013 sieht es unverändert düster aus, das Bruttoinlandsprodukt wird in diesem Jahr nach ersten vorläufigen Prognosen um 0,5 Prozent schrumpfen.

Kommentare (43)

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Micha

01.07.2013, 14:01 Uhr

Jetzt fließen endlich die Gelder der Deutschen!
Oder glaubt jemand ernsthaft, daß Kroatien ein Netto-Zahler wird?
Oh, ich vergaß! Kroatien erhält, wie viele andere Staaten auch, Gelder von uns, damit sie unsere Waren einkaufen können (Ironie).

Vicario

01.07.2013, 14:01 Uhr

Zitat : Kroatien ist das 28. EU-Mitglied

- soweit bekannt, hat Europa 51 Staaten.....da wäre noch Luft für weitere 13 Staaten in der EUtopia !


Alle rein damit.....Albanen, Weissrussen, Ukrainer, Moldavien, Kaukasus........!

Nagorny-Kharabach macht dann den Deckel zu !

Account gelöscht!

01.07.2013, 14:11 Uhr

Die Kroaten sind unsere alten Verbündeten, schon im Kaiserreich war das so.

Sie sind mir alle willkommen.

Wenn's am Geld mangelt: Können wir beider Griechenpleitenhilfe einsparen.

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