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04.08.2013

14:14 Uhr

Kuba lockt Exilanten

„Vaterlandsverräter“ für den Aufschwung

Vor einigen Jahren galten sie noch als „Vaterlandsverräter“. Nun versucht Castros Kuba, den Exilanten in den USA die alte Heimat wieder schmackhaft zu machen. Das Ziel: Frisches Geld für die marode Wirtschaft.

Kubas Präsident Raul Castro: Exilkubaner dürfen künftig wieder in ihre Heimat investieren. dpa

Kubas Präsident Raul Castro: Exilkubaner dürfen künftig wieder in ihre Heimat investieren.

Havanna/MiamiEs war eine kleine Sensation: Zwei hohe Amtsträger der sozialistischen Regierung Kubas wagten es vor wenigen Wochen, nach Miami zu kommen, der Hochburg des Anti-Castro-Exils in den USA. Auch ihre Wortwahl vor altgedienten Vertretern der kubanischen Exilgemeinde war auffällig neu: Von „Rückkehr“ und „Investitionen“ war die Rede, ausgerechnet im Land des ideologischen Erzfeindes.

Der Generalkonsul der kubanischen Interessenvertretung in Washington, Llanio González, und sein Stellvertreter Armando Bencomo erhielten dafür extra eine Genehmigung der US-Behörden. Beide Funktionäre nutzten den Abstecher nach Tampa und Miami im Bundesstaat Florida, um vor kubanischen Unternehmern und dem Castro-Regime wohlgesinnten Exilgruppen vorstellig zu werden.

Ziel war es, die aktuellen Reformbemühungen auf der Karibikinsel zu erläutern. Und wohl auch der größten und zahlungskräftigsten Gruppe der mehr als zwei Millionen Exilkubaner die Investitionsmöglichkeiten in der alten Heimat schmackhaft zu machen.

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„Das Exil stellt eine wichtige Quelle an Erfahrung und Ressourcen dar“, sagt der stellvertretende Leiter der Cuba Study Group in Miami, Ricardo Herrero. Seit den Lockerungen des US-Embargos von 2009 senden die Exilkubaner immer mehr Geldzuwendungen an Freunde und Familienangehörige. Laut einer Studie der exilnahen Havana Consulting Group flossen im vergangenen Jahr 2,6 Milliarden US-Dollar (2,0 Milliarden Euro). Eine Rekordsumme.

Dass Kubaner zwischen den USA und der Insel pendeln, ist ein „Phänomen, das öfters vorkommen sollte“, schwärmte Konsul González. Rund 145 Kilometer liegt Kuba von der Florida-Küste entfernt. In Miami erläuterte er Reformen wie die im Januar in Kraft getretene Reisefreiheit und das geplante neue Gesetz für Auslandsinvestitionen.

Kommentare (2)

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JJJ

04.08.2013, 17:46 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Kamich

05.08.2013, 00:20 Uhr

Zit:"Sie liberalisieren, aber noch nicht genug, um wirklich Auslandskapital dafür ins Land zu holen". Das ist sicherlich richtig - doch auch Vorsicht ist geboten. Es wäre naiv zu meinen, dass Exilcubaner nur konstruktiv und das Beste für ihr Land im Köpf hätten. Man erinnere sich an den ost-deutschen Wirtschaftsanschluss - da gabs neben vielem Idealismus auch jede Menge Betrug, naive Menschen wurden beschwatzt und übervorteilt. Besser ist es zu lernen, von lebenserfahrenen Alten, die nicht verbittert sind, und sich der Schwächen und Gefahren des ungezähmten Kapitalismus sehr wohl bewusst sind. Sollte der alte Castro kurz vor Lebensende milder und offener werden, so kann man das auch von den Hardlinern auf der anderen Seite erhoffen. Es gibt viele Chancen, aber auch grosse Risiken - Zeit sollte nach so vielen Jahrzehnten des Wartens nicht das knappste Gut sein.

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