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20.04.2016

11:11 Uhr

Kuba nach dem Parteikongress

Castro für immer

Durch den 7. Parteikongress weht ein Hauch von Abschiedsschmerz: Fidel Castro zeigt sich nostalgisch, schwört seine Parteifreunde zugleich auf die Verteidigung kommunistischer Ideen ein.

Beim Parteikongress wurde der 84-Jährige Raul Castro am Dienstag für eine zweite, fünfjährige Amtszeit als Vorsitzender der Kommunistischen Partei wiedergewählt. dpa

Parteikongress auf Kuba

Beim Parteikongress wurde der 84-Jährige Raul Castro am Dienstag für eine zweite, fünfjährige Amtszeit als Vorsitzender der Kommunistischen Partei wiedergewählt.

HavannaKubas Staats- und Parteichef Raúl Castro behält die Zügel in dem Karibikstaat fest in der Hand. Beim Parteikongress wurde der 84-Jährige am Dienstag für eine zweite, fünfjährige Amtszeit als Vorsitzender der Kommunistischen Partei wiedergewählt. Auch sein Stellvertreter José Ramón Machado Ventura bleibt im Amt. Der greise Revolutionsführer Fidel Castro wirkte allerdings wehmütig und schien in einer Rede vor dem Kongress Abschied von seinen Parteifreunden und einstigen Kampfgefährten nehmen zu wollen.

„Ich werde bald 90 Jahre alt sein. Bald werde ich wie all die anderen sein. Die Zeit wird für uns alle kommen“, sagte er zum Abschluss des siebten Parteitags. Zugleich rief er den Kongress zum Kampf für kommunistische Ideen auf. Diese würden überdauern.

Kurz nach der Kongresssitzung zeigte das Staatsfernsehen Bilder von dem 89-Jährigen. Er saß in kariertem Hemd und Trainingsjacke an einem Podium und wandte sich mit schwacher, aber fester Stimme an die Menschenmenge. Mit „Fidel“-Rufen wurde Castro empfangen. „Das könnte eines der letzten Male sein, dass ich in diesem Raum spreche“, erklärte er. Der letzte Parteikongress hatte 2011 stattgefunden.

Fidel Castro hatte 2006 aus gesundheitlichen Gründen die Regierungsführung abgegeben und war 2008 dann auch offiziell von seinem Posten als Präsident zurückgetreten. Seit Jahren hatte er sich nicht mehr so ausführlich in der Öffentlichkeit geäußert wie dieses Mal.

Kuba und die USA: Wie aus Feinden Partner wurden

Einleitung

Die politischen Beziehungen zwischen den USA und dem sozialistischen Kuba waren seit der Revolution 1959 angespannt bis feindlich. Seit Ende 2014 gibt es einen stetigen Wandel, der nun durch den Besuch von Präsident Barack Obama einen Höhepunkt erfährt.

1960

Washington erlässt ein Teilembargo. Schon unmittelbar nach der Revolution 1959 hatten die USA die Wirtschaftshilfe eingestellt und die Einfuhr von Zucker gedrosselt, Kubas wichtigstem Exportgut.

1961

Im Januar bricht Washington seine diplomatischen Beziehungen zu Havanna ab. Im April versucht eine Söldnertruppe von Exilkubanern, mit Hilfe des US-Geheimdienstes CIA das Regime zu stürzen. Kubas Revolutionsarmee schlägt die Invasion in der Schweinebucht zurück.

1962

Die USA verhängen ein komplettes Handelsembargo. Die Kubakrise führt die Welt an den Rand eines Atomkrieges. Wegen der Stationierung sowjetischer Atomraketen auf der Insel ordnet US-Präsident John F. Kennedy eine Seeblockade an, Kremlchef Nikita Chruschtschow zieht die Raketen wieder ab.

1977

16 Jahre nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen eröffnet Washington in Havanna eine Interessenvertretung unter dem Dach der Schweizer Botschaft.

1982

Washington wirft Kuba vor, Terroristen in anderen Staaten zu unterstützen, und setzt das Land auf die US-Terrorliste.

1992

Der US-Kongress verabschiedet den „Cuban Democracy Act“, der US-Firmen in Drittländern jeden Kuba-Handel untersagt.

1999

Die USA lockern ihre Sanktionen. So soll es künftig mehr Charterflüge nach Kuba geben.

2004

US-Präsident George W. Bush verschärft Reisebeschränkungen für US-Bürger und schränkt Geldüberweisungen weiter ein.

2009

US-Präsident Barack Obama hebt die Reisebeschränkungen für Exilkubaner auf. Außerdem dürfen sie wieder Geld nach Kuba schicken. Bald darauf gibt es auch wieder Gespräche auf Regierungsebene.

2014

Im Dezember kündigen Obama und Kubas Staatschef Raúl Castro an, die bilateralen Beziehungen zu normalisieren.

2015

Nach einigen Telefonaten treffen sich Obama und Raúl Castro im April erstmals zu einem direkten Gespräch beim Amerika-Gipfel in Panama. Im Mai wird Kuba von der US-Terrorliste gestrichen. Im Juli werden die diplomatischen Beziehungen wieder hergestellt. Im August reist Außenminister John Kerry als erster US-Chefdiplomat seit 1945 nach Havanna und eröffnet die Botschaft wieder.

2016

Im Februar wird eine Vereinbarung unterzeichnet, wonach es vom Herbst an wieder direkte kommerzielle Flugverbindungen geben soll. Obama kündigt an, als erster US-Präsident seit 1928 Kuba zu besuchen.

Sein Bruder Raúl Castro ist sowohl Staatschef als auch der Erste Sekretär der Kommunistischen Partei. Seine jüngste Bestätigung als Vorsitzender dürfte bedeuten, dass er auch nach seiner möglichen Ablösung durch einen jüngeren Präsidenten 2018 auf einem mindestens ebenso einflussreichen Posten bleiben kann. Gleichwohl deutete Castro an, dass er und der als Hardliner bekannte Machado vor dem nächsten Kongress 2021 zurückgetreten könnten. Das diesjährige Parteitreffen sei das letzte gewesen, das von Kubas Generation der Revolutionäre geleitet worden sei, sagte der Präsident.

Vom Ausgang des Parteikongresses zeigten sich indes viele Kubaner enttäuscht, die sich tiefergreifende Veränderungen an der Führung des Ein-Parteien-Staates gewünscht hatten. Daran konnte auch der Aufstieg fünf jüngerer Funktionäre – darunter drei Frauen – in das mächtige 17-köpfige Parteibüro nichts ändern. „Ich hätte lieber jüngere Menschen mit frischen Köpfen gehabt“, sagte Druckereiarbeiter Luis Lai.

Von

ap

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