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20.01.2008

10:01 Uhr

Kuba wählt

Entscheidung über Castros Zukunft erst im März

Die Kubaner wählen am Sonntag ein neues Parlament. Der erkrankte Revolutionsführer Fidel Castro dürfte dabei erneut einen Sitz in der Nationalversammlung erringen. Wie die politische Zukunft des 81-Jährigen aussehen wird, entscheidet sich aber erst in einigen Wochen.

Fidel Castro: Ein Sitz in der Nationalversammlung ist ihm wohl sicher. Foto: Archiv dpa

Fidel Castro: Ein Sitz in der Nationalversammlung ist ihm wohl sicher. Foto: Archiv

HB BERLIN/HAVANNA. Eine Entscheidung über die politische Zukunft des 81-Jährigen fällt erst Anfang März, wenn die Abgeordneten aus ihren Reihen den neuen Präsidenten des Staatsrates wählen. Dabei mehren sich die Anzeichen für einen endgültigen Rückzug des geschwächten Castros und damit auch für eine weiteren Öffnung des politischen Systems.

„Die Kontinuität der Revolution hängt nicht mehr von der physischen Anwesenheit von Fidel Castro ab“, sagte der kubanische Botschafter in Deutschland, Gerardo Penalver Portal, zu Reuters. Die endgültige Entscheidung darüber, wer den Staatsrat künftig führen solle, liege aber in den Händen der Abgeordneten. „Ich habe leider keine Kristallkugel, in die ich hineinschauen könnte.“

Nach seiner Darmoperation im Juli 2006 hatte Fidel Castro die Amtsgeschäfte auf unbestimmte Zeit an seinen Bruder Raul übergeben. Seitdem hat der Maximo Lider sich nicht mehr in der Öffentlichkeit blicken lassen, sondern lediglich über Staatsmedien seine politischen Ansichten verkündet. Im Dezember deutete er zudem an, er könnte sich bald endgültig aus der Politik zurückziehen und die Amtsgeschäfte vollständig an seinen Bruder übergeben.

Bei der Wahl am Sonntag treten ausschließlich Vertreter der Kommunistischen Partei an, die Anfang der 1960er Jahre von Castro gegründet worden war. Angesichts eines mangelnden Wahlkampfes und einer offiziellen Beteiligung von voraussichtlich über 95 Prozent könne somit nicht von einer demokratischen Abstimmung die Rede sein, sagte der Vize-Direktor der Stiftung für Wissenschaft und Politik, Günther Maihold.

Dennoch sei ein Wandel in Kuba zu beobachten, der vor allem auf die eher pragmatische Natur von Raul Castro zurückzuführen sei. Da dem jüngeren Bruder das „charismatische Element“ von Fidel fehle, werde Raul stärker an den tatsächlichen Ergebnissen seiner Politik gemessen, erklärte Lateinamerika-Experte Maihold. „Die Chancen für eine Reform des Regimes wachsen, ohne dass natürlich ein Regimewechsel ansteht.“

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