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26.02.2015

22:43 Uhr

Kulturterrorismus

IS-Miliz zerstört uralte Statuen im Nordirak

Die Terrormiliz IS wütet gegen jahrtausendealte Kunstschätze: Sie zerstört im Nordirak Statuen aus der Zeit der Assyrer und sprengt eine Moschee in die Luft. Die Unesco verlangt eine UN-Dringlichkeitssitzung.

Screenshot aus einem Video der Terrormiliz IS: Kämpfer zerstören bedeutende Kunstwerke aus der Antike. dpa

IS zerstört einzigartige Kulturgüter

Screenshot aus einem Video der Terrormiliz IS: Kämpfer zerstören bedeutende Kunstwerke aus der Antike.

BagdadDie Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat im Nordirak offenbar jahrtausendealte Kulturschätze und eine Moschee zerstört. In dem am Donnerstag veröffentlichten fünfminütigen Video sind Extremisten im Museum der nordirakischen Großstadt Mossul zu sehen, wie sie Statuen von ihren Podesten stoßen und mit Vorschlaghämmern in Stücke schlagen. Aktivisten berichteten derweil, die Dschihadisten hätten in Syrien deutlich mehr assyrische Christen verschleppt als bisher bekannt.

In dem jetzt veröffentlichten Video ist auch zu sehen, wie die Extremisten einen Presslufthammer verwenden, um die große Granitstatue eines assyrischen geflügelten Bullen am Nergal-Tor in der Stadt zu zerstören. Ein bärtiger Extremist sagte, die zerstörten Statuen seien früher an der Stelle Gottes angebetet worden. Er rechtfertigte die Taten damit, dass auch der islamische Prophet Mohammed in Mekka Götterbilder beseitigt habe. Im Islam ist die Anbetung von Götterbildern verboten.

Nach Einschätzung von Experten handelt es sich bei den zerstörten Statuen teils um Originale oder um Rekonstruktionen, teils um Kopien von Originalen. Demnach stammten die Statuen aus der Epoche der Assyrer und aus der antiken Stadt Hatra.

Die Dschihadisten sollen zahlreiche Kunstschätze aus Museen verkauft haben, um ihren Kampf zu finanzieren. Der Kriminologe und Archäologe Samuel Hardy äußerte den Verdacht, dass sie nur Statuen zerstörten, die zu groß waren, um sie zum Verkauf abzutransportieren.

Die Chefin der Unesco forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. Bei dem Treffen solle es um Wege zum Schutz des irakischen Kulturerbes gehen, sagte Irina Bokova am Donnerstag. Sie habe dem Präsidenten des höchsten UN-Gremiums bereits ihr Anliegen übermittelt.

Unesco-Chefin Bokova sagte, sie sei „zutiefst geschockt“ über den Vandalismus. Dieser stelle einen Verstoß gegen eine Resolution des Sicherheitsrats zum Schutz von Kulturgütern in Konfliktgebieten im Irak und Syrien dar.

Auch UN-Sprecher Stephane Dujarric verurteilte die Zerstörung im Museum in Mossul. Es handele sich um einen „verwerflichen und kriminellen“ Akt, der den Menschen ihrer Vergangenheit beraube.

Das Metropolitan Museum in New York (Met) verurteilte die „katastrophale Zerstörung“ der Kunstschätze im Museum von Mossul. Der Met-Direktor Thomas Campbell sprach von einem „blinden Angriff“, der sich nicht nur gegen das Museum, sondern auch gegen den Einsatz der Kunst richte, die Menschen zusammenzubringen. „Eine derart sinnlose Brutalität muss aufhören, bevor alle Überreste der alten Welt ausgelöscht sind“, forderte Campbell.

IS-Kämpfer sprengten am Donnerstag außerdem die Chudr-Moschee im Zentrum von Mossul in die Luft, wie Augenzeugen und Wissenschaftler sagten. Die Moschee aus dem 12. Jahrhundert beherbergte auch ein Grabmal. Wie andere radikale Islamisten lehnen die IS-Dschihadisten die Verehrung von Gräbern als unislamisch ab. Der irakische Architekturprofessor Ihsan Fethi in Amman sprach von einem „furchtbaren Verlust und einem unglaublichen Akt des Kulturterrorismus“.

Unterdessen berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die Dschihadisten hätten seit Montag im Nordosten Syriens deutlich mehr assyrische Christen verschleppt als bislang bekannt. Die IS-Miliz habe seit Montag in der Region Tall Tamer der Provinz Hassaka elf christliche Dörfer überfallen und mindestens 220 Menschen entführt, teilte die Beobachtungsstelle mit. Bei den Kämpfen seien 35 Dschihadisten und 25 kurdische und assyrische Kämpfer getötet worden.

Laut der Beobachtungsstelle flog die internationale Militärallianz mehrere Luftangriffe auf IS-Stellungen rund um Tall Tamer. Angaben zu Opfern gab es nicht. Vor Beginn des Bürgerkriegs lebten in Syrien etwa 30.000 assyrische Christen, die meisten von ihnen in Hassaka.

Die Dschihadisten sind für die brutale Verfolgung religiöser Minderheiten wie der Christen und Jesiden bekannt. Sie gehen aber auch mit großer Härte gegen Schiiten und sunnitische Muslime vor, die nicht ihre Auslegung des Islam teilen.

Kommentare (4)

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Herr Wilfried Runft

27.02.2015, 09:52 Uhr

Und wieder werden wir Zeuge davon, dass die Dummheit der Menschen unendlich ist. Die Fortentwicklung der Menschheit dürfte weit mehr Zeit in Anspruch nehmen, als diesem Planet Erde zur Verfügung steht. Aber bei der momentanen Entwicklung kann man getrost davon ausgehen, dass sich die Menschheit lange vor dem Ende der Erde selbst auslöscht...!

elly müller

27.02.2015, 10:03 Uhr

Wie quer muss einem das Hirn sitzen, falls überhaupt eines da ist, um sich an uralten Kunstschätzen dermassen primitiv auszutoben!

Diese Nichtsnutze zeigen der Welt wie hirnlos sie sind!

Die Monumente stammen aus einer Zeit, als noch keiner an so eine ABARTIGE Glaubensausrichtung glaubte, wie diese Mörder glauben vertreten zu müssen!

Wann macht die Weltgemeinschaft diesem Treiben endlich den Garaus und zwar komplett!?

Wenn das, was bisher getan wurde alles ist was eine zivilisierte Welt zustande bringt, dann kann man sich nur noch abwenden und hoffen, dass das Drama ganz ganz weit weg bleibt!

G. Nampf

27.02.2015, 10:16 Uhr

@Elly Müller:

"...dann kann man sich nur noch abwenden und hoffen, dass das Drama ganz ganz weit weg bleibt!"

Nein, das wird nicht geschehen, denn die Grünen sind davon beseelt, möglichst viele Muslime in D anzusiedeln. Und der grüne Ungeist hat sich mittlerweile in allen etablierten Parteien festgesetzt.

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