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11.10.2014

13:38 Uhr

Kurden-Demo gegen IS-Terror

Zehntausende gehen für Kobane auf die Straße

Doppelt so viele Teilnehmer wie erwartet demonstrieren in Düsseldorf. Die Grenzstadt Kobane kämpft derweil an drei Fronten gegen die Terrormiliz. Sieben Angriffe haben die kurdischen Peschmerga in der Nacht abgewehrt.

In ganz Europa gehen Kurden auf die Straßen. AFP

In ganz Europa gehen Kurden auf die Straßen.

Kobane/BeirutIn Düsseldorf haben am Samstag mehr als 20.000 Menschen gegen die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) demonstriert. Zu Beginn der Veranstaltung hätten sich 10.000 bis 12.000 Menschen versammelt und während ihres Zugs Richtung Innenstadt "sehr starken Zulauf" erhalten, sagte ein Polizeisprecher in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt. Inzwischen gebe es rund 21.000 Teilnehmer und die Zahlen stiegen weiter. Die Kundgebung, die noch bis zum Abend dauern sollte, verlaufe bislang friedlich. Die Beamten hätten lediglich in einigen Fällen das Schwenken von Fahnen mit "verbotener Symbolik" unterbunden.
Zu der Veranstaltung hatten verschiedene Kurdenverbände aufgerufen. Sie wollen insbesondere auf die Lage in der nordsyrischen Stadt Kobane aufmerksam machen. Dort kämpfen kurdische Milizen gegen IS-Anhänger, die die Stadt einnehmen wollen. Unterstützt werden die Kurden durch eine von den USA angeführte Koalition mit Luftangriffen auf IS-Stellungen. Auch am Samstag wurden aus Kobane heftige Kämpfe gemeldet.
Wegen der Lage in der Stadt hatten Kurden in Deutschland bereits in den vergangenen Tagen mehrmals Kundgebungen organisiert und mehr Unterstützung im Kampf gegen die Islamisten gefordert. Bei den Demonstrationen kam es teilweise zu Zusammenstößen mit radikalislamischen Salafisten.

Wer den Kampf gegen IS anführt

USA

Als federführende Macht im Bündnis haben die USA bereits Dutzende Luftangriffe auf IS-Ziele im Irak und in Syrien geflogen. Washington schickte zudem Militärberater, Versorgungsgüter und humanitäre Hilfe, um irakischen und kurdischen Truppen im Kampf gegen die Extremisten unter die Arme zu greifen.

Die Golfstaaten

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain haben sich an Luftangriffen auf IS-Stellungen in Syrien beteiligt. Ein vierter Akteur, Katar, hat laut Pentagon eine unterstützende Rolle inne. Die Emirate und Katar haben ihre Luftwaffenbasen zudem als Rampe für die Anti-IS-Offensive zur Verfügung gestellt. Ebenfalls beteiligte US-Marineschiffe wurden der im Bahrain stationierten Fünften Flotte der Navy zugeteilt. Saudi-Arabien hat sich zudem als Gastgeberland für die Ausbildung moderater syrischer Rebellen angeboten.

Jordanien

Jordanien hat schon selbst Luftangriffe gegen IS-Stellungen geflogen. Anhaltende Grenzverletzungen hätten diesen Schritt nötig gemacht, teilte Regierungssprecher Mohammed Al-Momani mit. Details über die Operationen gab das Königreich zwar nicht preis. Doch hieß es, die Luftangriffe sollen Jordaniens Sicherheit gewährleisten.

Ägypten

Eine konkrete Beteiligung an den Luftangriffen gegen die IS-Miliz hat Kairo zwar bislang nicht in Aussicht gestellt. Doch bekräftigte Präsident Abdel-Fattah al-Sisi kürzlich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP die „umfassende Bereitschaft zur Unterstützung“ der Anti-IS-Koalition. „Wir werden alles tun, was erforderlich ist“, versprach er.

Israel

Das Land hilft vor allem im Verborgenen: Die USA erhielten von Israel geheimdienstliche Einschätzungen und konkrete Erkenntnisse über die IS-Miliz, sagt ein Gewährsmann im Verteidigungsministerium. Dies sei Teil der anhaltenden bilateralen Geheimdienstkooperation. Im Übrigen sei Israel nicht um einen Beitrag gebeten worden, der darüber hinausginge.

Großbritannien

Über dem Irak operieren britische „Tornado“-Jagdbomber, unterstützt von Tankflugzeugen und Signalaufklärung, teilte die Regierung in London mit. Britischen Medien zufolge stehen zudem auf Zypern sechs Kampfjets in Bereitschaft. Angaben über deren Zahl will das Militär jedoch nicht nennen. Die „Tornado“-Jets erweiterten die Fähigkeit der Anti-IS-Koalition, bewegliche Ziele ins Visier zu nehmen, erklärt Ben Goodland. Zudem stehen den Briten zwei Langstreckenwaffensysteme zur Verfügung: Tornado-Marschflugkörper vom Typ Storm Shadow sowie U-Boot-gestützte Tomahawk-Geschosse.

Frankreich

Seit dem Eintritt in die Anti-IS-Koalition am 19. September hat das französische Militär zweimal Luftangriffe im Irak geflogen. Dabei feuerten Rafale-Kampfjets lasergesteuerte Bomben auf Munitionslager und Militärgerät ab, zunächst nahe Mossul und am Donnerstag unweit von Falludscha. Koordiniert wird das Ganze von einem französischen Luftwaffenstützpunkt in den Vereinigten Arabischen Emiraten aus. Auf der Basis sind 750 Militärangehörige und sechs Rafale-Kampfjets stationiert.

Deutschland

Eine deutsche Beteiligung an den Luftangriffen gegen die IS-Miliz soll es nicht geben. Allerdings unterstützt die Bundesregierung die kurdischen Peschmerga-Kämpfer im irakischen Erbil mit Waffen. Einige von ihnen werden in Deutschland von der Bundeswehr ausgebildet. In Erbil schulen zudem deutsche Soldaten die Peschmerga-Kämpfer im Umgang mit Waffen.

Belgien

Das Land will sechs F-16-Mehrzweckkampfjets und ein Hilfsteam mit 120 Personen, darunter acht Piloten, in Jordanien stationieren. Sie haben ein Mandat für einmonatige Operationen im Irak. Eine Verlängerung wäre bei Zustimmung des belgischen Parlaments möglich.

Dänemark

Kopenhagen hat sieben F-16-Kampfjets, Piloten und Hilfspersonal im Kampf gegen die Dschihadisten versprochen. Ihre Einsatzzeit beträgt zwölf Monate. Washington bat Dänemark auch um die Entsendung von Militärausbildern in den Irak gebeten. Dort sollen sie irakische und kurdische Sicherheitskräfte im Bodenkampf gegen die IS-Milizen schulen.

Kanada

Ottawa hat rund 70 Elitesoldaten abgestellt, die kurdische Truppen im Nordirak beraten sollen. Noch diese Woche will das Kabinett von Premierminister Stephen Harper zudem eine US-Bitte um Teilnahme an den Luftangriffen gegen IS-Stellungen prüfen. Kanada hat bereits zwei Militärfrachtflugzeuge beigesteuert, die Waffen für die kurdischen Kämpfern geladen hatten.

Australien

Ein Luftwaffenkontingent, darunter acht F/A-18-Kampfjets vom Typ Hornet und zwei Unterstützungsflugzeuge, hat Canberra bereits in die Vereinigten Arabischen Emirate geschickt. Mit dabei sind auch 600 Soldaten, die meisten von ihnen Mitglieder der Luftwaffe. Es wird erwartet, dass die australischen Kampfjets an Einsätzen gegen die IS-Miliz im Irak teilnehmen. Die Regierung von Premierminister Tony Abbott hat sich jedoch noch nicht auf eine Kampfrolle festgelegt.

Im Kampf gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) um die syrische Grenzstadt Kobane wird die Lage der kurdischen Milizionäre dort immer verzweifelter. Am Samstag intensivierten die Dschihadisten ihre Angriffe und nahmen nach Angaben von Aktivisten die Kämpfer der kurdischen Volksschutzeinheiten von drei Seiten in die Zange.

In Deutschland sind seit dem IS-Verbot inzwischen Ermittlungsverfahren gegen mehr als 200 mutmaßliche Unterstützer oder Kämpfer der Terrormiliz eingeleitet worden.

Der kurdische Aktivist Farhad al-Schami berichtete der Deutschen Presse-Agentur am Telefon aus der umkämpften Enklave an der Grenze zur Türkei, es gebe heftige Gefechte im Süden, Westen und vor allem im Osten der Stadt. Den nur mit leichten Waffen ausgerüsteten kurdischen Kämpfern sei es gelungen, während der Nacht mindestens sieben Angriffe der Dschihadisten im Südwesten zurückzuschlagen.

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