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11.01.2015

22:15 Uhr

Kurden gegen IS

Von der Leyen prüft weitere Waffenlieferungen

Kurden-Präsident Barsani bittet die Bundesregierung um mehr und vor allem moderne Waffen im Kampf gegen den IS. Verteidigungsministerin von der Leyen hat dafür ein offenes Ohr – und will auch deutsche Soldaten schicken.

Verteidigungsministerin trifft Peschmerga

"Genau hinhören, was gebraucht wird"

Verteidigungsministerin trifft Peschmerga: "Genau hinhören, was gebraucht wird"

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ErbilDeutschland prüft weitere Waffenlieferungen an die Kurden im Nordirak. "Wir werden sehr genau hinhören, was die Peschmerga brauchen", sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen nach einem Treffen mit Kurden-Präsident Massud Barsani am Sonntag in Erbil. Zunächst sollten Experten beider Seiten beraten, dann müsse sich die Bundesregierung abstimmen. Barsani bat um mehr und vor allem mehr moderne Waffen. Besonders zufrieden seien die Peschmerga im Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat mit den von Deutschland gelieferten Panzerabwehr-Raketen des Typs Milan. Außerdem will die Bundeswehr demnächst bis zu 100 Soldaten nach Erbil schicken, um die Peschmerga auszubilden. Der Bundestag entscheidet Ende Januar über das Mandat für den Einsatz.

Bei einem Besuch in Bagdad warnte die Ministerin mit Blick auf den Anschlag auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" davor, im Kampf gegen den IS nachzulassen. "Es geht darum, den Mythos der Unbesiegbarkeit des IS zu brechen." Das Attentat sei ein Beleg dafür, wie wichtig die Waffenlieferungen an die Kurden und der geplante Ausbildungseinsatz der Bundeswehr seien. "Je länger der IS stark und attraktiv bleibt, desto mehr steigt die Bedrohung bei uns zu Hause. Je erfolgreicher der IS ist, desto attraktiver ist er für junge Menschen", sagte sie. Man könne sich nicht heraushalten. Zudem müsse man enger mit den Nahost-Staaten zusammenzuarbeiten, um Reisen von Dschihadisten zu beobachten und zu verhindern.

Peschmerga Kämpfer

Wer die Peschmerga-Kämpfer sind

Die Peschmerga-Milizen sind der bewaffnete Arm der Kurden, hervorgegangen aus bewaffneten Einheiten der Kurdenparteien. Im Nordirak genießen die Kurden seit dem Sturz Saddam Husseins in ihrer Autonomieregion weitestgehend Unabhängigkeit - und die Peschmerga wachsen mehr und mehr zu einer klassischen Armee zusammen.

Quelle: dpa.

So viele Peschmerga gibt es

Insgesamt gibt es rund 130.000 Kämpfer. 100.000 bilden den militärischen Arm, die weiteren 30.000 sind eine dem Innenministerium unterstellte Polizeitruppe. Der militärische Teil befindet sich derzeit in einem Umbau: Erst ein Drittel wurde bisher vom Peschmerga-Ministerium in Brigaden organisiert. Der Rest unterteilt sich nach wie vor in von Parteien kontrollierte Guerilla-Einheiten.

Die Rolle im Kampf gegen IS

Nach dem Vorrücken der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) im Nordirak wurden die Peschmerga-Milizen zur wichtigsten Kraft im Widerstand gegen die Extremisten. Als irakische Truppen Anfang Juni große Teile des Nordirak kampflos aufgaben, stellten sich die Peschmerga den IS-Kämpfern entgegen.

Unterstützung aus aller Welt

Mittlerweile unterstützen viele Staaten die Peschmerga mit Waffenlieferungen im Kampf gegen die IS-Extremisten. Auch Deutschland liefert Waffen aus Bundeswehrbeständen.

Die Attentäter von Paris hatten sich auf die Ideologie von Al-Kaida und IS berufen. Einer von ihnen soll eine militärische Ausbildung bei der Al-Kaida absolviert haben. Schätzungen von Sicherheitsexperten zufolge sind in den vergangenen Jahren rund 3400 Islamisten aus Europa, darunter 550 aus Deutschland, aufgebrochen, um in Syrien und dem Irak in den Reihen der Dschihadisten zu kämpfen. Der IS beherrscht weite Teile Syriens und nach einem rasanten Vormarsch im Sommer auch etwa ein Drittel des Iraks.

Luftangriffe der USA und ihrer Verbündeten sowie der Widerstand der irakischen Truppen haben den Vormarsch der Extremisten zwar gestoppt. Dennoch liefern sich kurdische Peschmerga, irakische Soldaten und schiitische Milizen weiter jeden Tag schwere Kämpfe mit dem IS. Es droht eine Spaltung des Landes in einen kurdischen Norden, den schiitischen Süden und die IS-Gebiete in den sunnitisch dominierten Stammesregionen im Westen des Irak.

An dem Trainingseinsatz im Nordirak wollen sich unter deutscher Führung weitere Staaten wie die Niederlande und Italien beteiligen. Drei weitere Ausbildungsstützpunkte für die irakische Armee mit jeweils 250 bis 300 ausländischen Soldaten Besatzung wollen die USA, Australien und Spanien nach Angaben aus Militärkreisen in anderen Landesteilen aufbauen.

Von

rtr

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