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21.08.2016

16:56 Uhr

Kurden kämpfen gegen Regierungstruppen

Syrien droht neuer Kriegsschauplatz

Im Norden Syriens bekämpfen sich syrische Regierungstruppen und kurdische Einheiten. Eigentlich hatten sich beide Seiten arrangiert. Doch nun droht der Konflikt zu eskalieren. Auch die USA und die Türkei mischen mit.

In der Nordsyrischen Stadt droht der Konflikt mit Assads-Regierungstruppen zu eskalieren. Reuters

Kurdische Kämpfer in Hasaka

In der Nordsyrischen Stadt droht der Konflikt mit Assads-Regierungstruppen zu eskalieren.

Damaskus/IstanbulSyrien droht ein weiterer Kriegsschauplatz. Regierungskräfte und Kurden bekämpften sich am Sonntag in der nordöstlichen Stadt Hasaka. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von Gefechten und gegenseitigen Beschuss.

Bereits in den vergangenen Tagen hatte es zwischen Regierungstruppen und kurdischen Einheiten in der Region ungewöhnlich heftige Kämpfe gegeben. Die syrische Luftwaffe flog auch Angriffe auf die Stadt. Dabei hatten sich die Kurden trotz vereinzelter Gefechte in der Vergangenheit mit den Kämpfern des Präsidenten Baschar al-Assad arrangiert.

Die USA unterstützen die Kurden und ließen Kampfjets über die Region fliegen. Ein Pentagon-Sprecher warnte Damaskus, die Vereinigten Staaten behielten sich das Recht auf Selbstverteidigung vor. Schließlich seien US-Spezialeinheiten in Nordsyrien stationiert.

Wer in Syrien und im Irak gegen den IS kämpft

Das Anti-IS-Bündnis

Im September 2014 gab US-Präsident Barack Obama die Gründung eines Bündnisses bekannt mit dem Ziel, den IS „endgültig zu zerstören“. Mehr als 60 Staaten und internationale Organisationen beteiligen sich am Kampf gegen die Terrormiliz sowohl in Syrien als auch im benachbarten Irak. Neben Ländern der Europäischen Union (EU) wie Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden gehören der Koalition auch Australien sowie mehrere arabische Länder an.

Luftangriffe

Nur wenige Staaten fliegen neben den USA Luftangriffe gegen die Terrormiliz. Im Irak sind daran zum Beispiel Frankreich, Australien und Großbritannien beteiligt. In Syrien sind es neben Frankreich auch arabische Staaten wie Saudi-Arabien, Bahrain, Katar und Jordanien. Die Türkei, Syriens Nachbar im Norden, hatte 2015 nach langem Zögern die Nutzung seiner Luftwaffenbasis Incirlik für Luftschläge – auch der USA – gegen den IS erlaubt.

Bundeswehr

Die Bundeswehr unterstützt den Kampf gegen den IS unter anderem mit „Tornado“-Aufklärungsjets. Die Maschinen bombardieren die IS-Stellungen aber nicht selbst. Teil des deutschen Beitrags sind auch ein Tankflugzeug und zeitweise eine Fregatte. Diese sicherte zusammen mit Kriegsschiffen aus Frankreich, Belgien und Großbritannien den französischen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ im Persischen Golf. Die „Augsburg“ war seit Dezember 2015 dafür rund vier Monate unterwegs. Vom einzigen Flugzeugträger der französischen Marine starteten Jagdbomber zu ihren Einsätzen.

Training und Waffen

Im Norden Syriens unterstützen US-Spezialkräfte zudem kurdische Kämpfer. Das US-Militär und seine Verbündeten bilden im Irak außerdem das irakische Militär sowie kurdische Peschmerga-Kämpfer aus. Auch rund 130 Bundeswehrsoldaten schulen im Nordirak Peschmerga-Einheiten. Darüberhinaus beliefert Deutschland die irakischen Kurden mit Waffen.

Russland

Moskau ist nicht Teil des von den USA gegründeten Bündnisses. Russische Truppen greifen seit September 2015 unabhängig davon Ziele in Syrien an. Allerdings nicht nur Stellungen des IS. Russische Attacken richten sich auch gegen Rebellen, die mit der Terrormiliz verfeindet sind. So starten die Jets vom russischen Luftwaffenstützpunkt Hamaimim nahe Latakia im Nordwesten Syriens. Zudem wurden Marschflugkörper von Kriegsschiffen im Mittelmeer abgefeuert.

„Das syrische Regime wäre gut beraten, die Bündniskräfte und unsere Partner nicht zu behindern“, sagte Sprecher Jeff Davis. Die USA führen eine internationale Militärkoalition an, die Angriffe auf Stellungen der Terrormiliz IS in Syrien und im Irak fliegt.

Der türkische Regierungschef Binali Yildirim glaubt, dass Assad die Kurden in der Region zunehmend als Bedrohung betrachtet. Die Türkei sieht das Vorrücken der Kurden in Nordsyrien gegen den IS mit Sorge. Ein weiterer Geländegewinn könnte die Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden im eigenen Land befeuern.

Yildirim kündigte an, die Türkei werde in den nächsten Monaten eine „aktivere“ Rolle in Syrien spielen. Das Land dürfe nicht entlang ethnischer Linien geteilt werden.

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