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21.03.2013

15:25 Uhr

Kurdenpartei

PKK-Chef Öcalan ruft zu Waffenruhe auf

Im Konflikt um Autonomie der Kurdengebiete in der Türkei bahnt sich eine Wende an. Der inhaftierte Chef der PKK hat seine Anhänger zu einer Waffenruhe aufgefordert. Seine Kämpfer sollen sich aus der Türkei zurückziehen.

PKK-Anhänger im Süden der Türkei. Ihr inhaftierte Führer hat zur Waffenruhe aufgerufen. Reuters

PKK-Anhänger im Süden der Türkei. Ihr inhaftierte Führer hat zur Waffenruhe aufgerufen.

IstanbulDer inhaftierte kurdische Rebellenführer Abdullah Öcalan hat zu einer Waffenruhe aufgerufen. „Wir haben den Punkt erreicht, wo die Waffen schweigen und die Ideen sprechen müssen“, sagte Öcalan laut einer am Donnerstag von kurdischen Abgeordneten in türkischer und kurdischer Sprache verlesenen Mitteilung. „Eine Tür ist geöffnet, die vom bewaffneten Kampf zu einem demokratischen Kampf führt“, sagte Öcalan demnach.

Es sei nun eine Phase erreicht, in der sich die bewaffneten Teile seiner Bewegung „hinter die Grenze“ zurückziehen müssten. „Wir haben Jahrzehnte für das kurdische Volk geopfert und haben einen hohen Preis bezahlt“, sagte Öcalan.

Das sei nicht umsonst gewesen, denn die Kurden hätten ihre eigene Identität dabei gefunden. Der Kurdenführer kündigte nun aber eine neue Ära an, in der ein politischer Kampf ausgetragen werde. Einen Zeitplan für den Rückzug der schätzungsweise 4000 kurdischen Kämpfer kündigte Öcalan nicht an.

Vom ersten Anschlag bis zum Aufruf zur Waffenruhe

27. November 1978:

Öcalan gründet mit einigen dutzend Gleichgesinnten die marxistische PKK.

12. September 1980:

Die türkischen Militärs putschen sich an die Macht und verstärken in den Folgejahren erheblich die Repression gegen die Kurden. Öcalan verlässt die Türkei ein Jahr nach dem Staatsstreich.

15. August 1984:

Die PKK beginnt mit zwei Anschlägen im türkischen Südosten ihren bewaffneten Kampf. Das ursprüngliche Ziel der Errichtung eines eigenen Kurdenstaates wird im Laufe der Jahre aufgegeben.

19. Juli 1987:

Das türkische Parlament verhängt wegen des PKK-Aufstands das Kriegsrecht über Teile Südostanatoliens. In einigen Gebieten bleibt der Ausnahmezustand bis zum 30. November 2002 in Kraft.

24. Mai 1993:

Die PKK tötet 33 unbewaffnete türkische Soldaten in einem der folgenschwersten Einzelanschläge der Rebellen.

9. Oktober 1998:

Öcalan muss sein Versteck in Syrien verlassen, nachdem die Türkei dem Nachbarstaat mit Krieg gedroht hatte.

15. Februar 1999:

Öcalan wird von türkischen Agenten in der kenianischen Hauptstadt Nairobi gefasst und auf die türkische Gefängnisinsel Imrali gebracht.

29. Juni 1999:

Nach einem Hochverratsprozess auf Imrali wird Öcalan zum Tode verurteilt. Die Strafe wird nach Abschaffung der Todesstrafe in der Türkei 2002 in lebenslange Haft umgewandelt.

1. September 1999:

Die PKK ruft eine Waffenruhe aus, die mit Unterbrechungen bis 2005 hält.

5. April 2004:

Die EU stuft die PKK offiziell als Terrororganisation ein.

13. August 2005:

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan räumt als erster türkischer Regierungschef die Existenz eines "Kurdenproblems" ein.

4. Oktober 2006:

15 türkische Soldaten und 23 PKK-Kämpfer sterben bei einem PKK-Angriff auf einen Militärposten im türkischen Grenzgebiet zu Irak und Iran.

26. September 2011:

Erdogan informiert die Öffentlichkeit über gescheiterte Geheimverhandlungen mit der PKK in der norwegischen Hauptstadt Oslo.

28. Dezember 2012:

Erdogan gibt den Beginn neuer Friedensverhandlungen zwischen dem türkischen Geheimdienst MIT und Öcalan auf Imrali bekannt.

3. Januar 2013:

Erste ranghohe Kurdendelegation besucht Öcalan auf Imrali.

23. Februar 2013:

Zweite Kurdendelegation bei Öcalan. Der PKK-Führer stellt die Freilassung von Gefangenen in Aussicht, die von seiner Organisation festgehalten werden.

24. Februar:

Die Zeitung "Radikal" berichtet, dass Öcalan die PKK zu einem Waffenstillstand aufrufen will und nennt als mögliches Datum das kurdische Neujahrsfest Newroz.

21. März:

Öcalan lässt zum Newroz-Fest seinen vor Kurdenvertretern in Diyarbakir seinen Aufruf zum Waffenstillstand verlesen.

Die Verkündung einer Waffenruhe ist ein wichtiger Schritt, um den seit rund 30 Jahren andauernden Konflikt zwischen Öcalans kurdischer Arbeiterpartei PKK und der türkischen Regierung zu beenden. Die PKK, die von der Regierung in Ankara und ihren westlichen Verbündeten als Terrororganisation eingestuft wird, kämpft für Autonomie im Südosten der Türkei.

Der türkische Innenminister Muammer Güler zeigte sich skeptisch nach dem Verlesen der Mitteilung. Öcalan spreche eine Sprache des Friedens, aber man müsse sehen, wie seine Worte umgesetzt würden, sagte Güler.

Der seit 14 Jahren inhaftierte Öcalan verhandelt seit Dezember mit der türkischen Regierung, um den Konflikt zu beenden, der seit 1984 Zehntausende Menschen das Leben gekostet hat. Als Teil der Friedensbemühungen hatten die kurdischen Rebellen kürzlich acht türkische Geiseln freigelassen.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

21.03.2013, 13:45 Uhr

Netter Trick von der Türkei ein Wisch vorzulesen der nur
unter Zwang geschrieben wurde. Eine Freilassung Öcalan
wäre ein guter Weg gewesen und Deutschland sollte das unterstützen zumal ROT/GRÜN Öcalan zur Folter an die Türkei ausgeliefert hat. Wie es ihm in den vergangenen 14 Jahren ergangen ist, wird von Deutscher Politik verheimlicht. Schliesslich ist Angela Merkel dank ihrer Aussage auch noch eine Kampfgefährtin gegen die Kurdische Minderheit
mit Erdokan zusammen. Wo bleiben blos die Deutschen Medien.?

eksom

21.03.2013, 14:20 Uhr

Von der Gewalt der Terroroganisation PKK mit 30.00 getöteten Zivilisten scheint hier ja keiner Ahnung zu haben?
Womit finanziert wohl sich diese Terrororganisation?
Drogenhandel, Menschenhandel, Schutzgelderpressung, Waffenschmuggel. Vielleicht sollten alle 3.000 PKK Anhänger nach Deutschland kommen und hier Asyl stellen. anerkannt werden sie schnell und ohne Probleme. Dann können sie Ihren Geschäften hier nachgehen...

Torsten_Steinberg

21.03.2013, 17:06 Uhr

Ihr Beitrag ist der Sache in keiner Weise angemessen. Sie behaupten: erstens dass Öcalan gefoltert worden ist, zweitens dass es sich bei der Waffenstillstandserklärung um einen Trick handelt, drittens dass Öcalan sie unter Zwang verfasst hat. Keine dieser drei Behauptungen können sie belegen. Ihre vierte Behauptung, dass die Türkei die Erklärung verlesen hätte, ist schlichtweg falsch. Sie wurde vielmehr von kurdischen Politikern öffentlich in Diyarbakir verlesen und hat bei der mehrheitlich kurdischen Bevölkerung zum Glück sehr viel freundlichere Aufnahme gefunden als bei Ihnen. Wer diese Willensbekundung, dass Türken und Kurden Wege finden mögen, ihr Miteinander oder Nebeneinander, man wird sehen, in Zukunft mit friedlichen Mitteln zu gestalten unter Verzicht auf Gewalt, als Wisch herabwürdigt, schlägt durch seine Besserwisserei Türen zu, die zu öffnen sicher von den tatsächlich Beteiligten beider Seiten viel Einsatz und auch Überwindung gekostet haben mag und noch sehr viel mehr Mühe und Durchhaltevermögen abverlangen wird. Da kann man nur Glück wünschen zu diesem mutigen Schritt.

Ihren zweiten Beitrag zu kommentieren erübrigt sich meines Erachtens übrigens vollends. Wegen seiner unübersehbar volksverhetzenden Tendenz habe ich ihn als Spam gemeldet. Rösler sagt zwar, Dummheit kann man nicht verbieten, aber wenigstens doch derartige Beiträge unterbinden.

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