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07.12.2016

15:29 Uhr

Kursverfall in der Türkei

Erdogan macht Spekulanten verantwortlich

Die türkische Währung befindet sich auf einem Rekordtief. Präsident Erdogan macht Währungsspekulanten verantwortlich. Derweil gibt es für den Devisen-Tausch Geschenke wie ein Essen, Brot oder einen Grabstein.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kämpft gegen den Kursverfall in seinem Land. dpa

Recep Tayyip Erdogan

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kämpft gegen den Kursverfall in seinem Land.

IstanbulDer türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan macht Währungsspekulanten für die Schwäche der heimischen Währung Lira verantwortlich. Es gebe keinen ernsten ökonomischen Grund für den jüngsten Anstieg des Dollar im Vergleich zur Lira, sagte Erdogan am Mittwoch.

Diese hat seit Jahresbeginn mehr als 17 Prozent an Wert verloren und sich im November so schlecht geschlagen wie seit der weltweiten Finanzkrise 2008 nicht mehr.

Da die Türkei viele Waren und Rohstoffe importieren muss, werden die Einfuhren dadurch teurer und die Inflation angeheizt. Experten machen für den Kursverfall die Aussicht auf steigende US-Zinsen, die Tourismusflaute nach den Bombenanschlägen sowie die Verunsicherung nach dem gescheiterten Militärputsch und der scharfen Reaktion Erdogans darauf verantwortlich.

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Ankara will den Verfall der Lira derweil durch Umtausch von Devisen stoppen. Wer dieser Tage in der Türkei seine ausländischen Währungsreserven in türkische Lira umtauscht, der kann kostenlos eine Hochzeitsfeier, ein Essen oder einen Brotleib bekommen. Sogar ein Grabstein lockt – wenn Grabsteine denn eine Verlockung sind.

Mit diesen Anreizen wollen patriotische Geschäftsleute ihre Kunden dazu bringen, dem Aufruf des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu folgen, den zuletzt besorgniserregenden Verfall der Landeswährung durch den Umtausch ihrer Dollar- und Euro-Reserven in Lira aufzuhalten.

„Mit der Hilfe Gottes werden wir die Lira anheben und den Dollar vernichten“, sagt der Istanbuler Bäcker Gökhan Kuk. Er bietet ein kostenloses Brot für jeden an, der ihm den Beleg über den Umtausch von mindestens 250 Dollar vorweist. „Ich gewinne nichts mit dieser Initiative. Mein einziges Interesse ist es, mein Land zu unterstützen, wie der Präsident gebeten hat“, sagt Kuk in seinem Büro, das mit mehreren Bildern Erdogans dekoriert ist.

Wenige Geschäfte weiter bietet Bülent Baydeniz ein kostenloses Mahl für jeden, der 250 Dollar umgetauscht hat. „Nachdem ich den Präsidenten der Republik gehört habe, verstand ich, dass dies dem Land helfen könnte“, sagt der Verkäufer von Fleischpasteten. Im südtürkischen Gaziantep bietet ein örtlicher Geschäftsmann sogar eine kostenlose Hochzeit beim Umtausch von 10.000 Dollar, in Bursa wird einen Grabstein offeriert.

Die Bewegung beschränkt sich aber nicht auf kleine Geschäftsleute. Auch die Istanbuler Börse kündigte auf Erdogans Aufruf hin an, ihre ausländischen Währungsreserven in Lira umzutauschen. Die Religionsbehörde erklärte ihrerseits, dass Muslime künftig auf der islamischen Pilgerfahrt Hadsch nach Mekka statt in Dollar in Lira zahlen würden. Ein Regierungsfonds zur Unterstützung der Rüstungsindustrie tauschte ebenfalls im großen Stil Devisen um.

In sozialen Medien wird unter dem Hashtag #doviziniturkiyeicinboz (Tausch deine ausländische Währung für die Türkei) für die Kampagne geworben.

Kommentare (1)

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07.12.2016, 16:22 Uhr

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