Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.11.2014

20:06 Uhr

Lage in Nahost spitzt sich zu

„Religionskrieg“-Vorwürfe und Gewaltaufrufe

Die Lage in Nahost spitzt sich immer weiter zu. Bei neuen Protesten im Westjordanland wird am Dienstag ein Palästinenser erschossen. Abbas macht Israel schwere Vorwürfe – aber auch der Hamas.

Mahmud Abbas auf einer Gedenkveranstaltung zum zehnten Todestag von Jassir Arafat. Der Palästinenserpräsident machte sowohl Israel, als auch der Hamas Vorwürfe das eskalieren der Gewalt zu provozieren. dpa

Mahmud Abbas auf einer Gedenkveranstaltung zum zehnten Todestag von Jassir Arafat. Der Palästinenserpräsident machte sowohl Israel, als auch der Hamas Vorwürfe das eskalieren der Gewalt zu provozieren.

Tel Aviv/Ramallah/HebronPalästinenserpräsident Mahmud Abbas hat Israel vorgeworfen, den Nahen Osten in einen zerstörerischen Religionskrieg zu stürzen. Bei einer Rede zum zehnten Todestag von Palästinenserführer Jassir Arafat in Ramallah forderte Abbas Israel dazu auf, seine „Siedler und Extremisten von der Al-Aksa-Moschee (und dem Tempelberg) fernzuhalten“.

Der inhaftierte Fatah-Führer Marwan Barguti rief dazu auf, Israel mit Gewalt zu bekämpfen. „Die Option des Widerstandes bleibt der kürzeste Weg um die Besatzung zu besiegen“, schrieb der seit 2002 wegen Beteiligung an der Ermordung von fünf Israelis inhaftierte Barguti in einem offenen Brief.

Nach tödlichen Unruhen und zwei Messer-Angriffen sind Israels Sicherheitskräfte in erhöhter Alarmbereitschaft. Im Westjordanland kam es zu neuen Ausschreitungen, bei denen ein 21-jähriger Palästinenser getötet wurde.

In Ramallah nahmen am Dienstag Tausende Menschen an Gedenkmärschen für Arafat teil, der am 11. November 2004 gestorben war. Mit gelben Flaggen seiner Fatah-Partei und begleitet von Trommelwirbel marschierten sie zu seinem Grab. Über die genaue Todesursache Arafats, der als Symbolfigur des palästinensischen Strebens nach eigener Staatlichkeit galt, wurde jahrelang spekuliert.

Nach der Entnahme von Gewebsproben aus seiner Grabstätte wiesen französische und russische Experten im vergangenen Jahr eine Giftmord-These zurück. Sie widersprachen damit einem Gutachten aus der Schweiz.

Abbas legte an Arafats Grab einen Kranz nieder. In seiner anschließenden Rede kritisierte er auch die radikal-islamische Hamas scharf, die zusammen mit der Fatah eine Einheitsregierung bildet. „Jeden Tag äußern sie (Hamas) sich gegen uns, genau wie die Israelis. Sie sagen dieselben Worte. Sie benutzen dieselbe Rhetorik“. Auch fünf Monate nach der Bildung der Einheitsregierung dauern die Spannungen zwischen den beiden größten Palästinenserorganisationen an.

Chronik des Gaza-Konflikts (11.8.)

Erste Woche

8./9. Juli 2014: Nach massivem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen fliegen israelische Kampfflugzeuge Dutzende Angriffe.

10./11. Juli: Militante Palästinensergruppen nehmen erstmals den internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv ins Visier.

15. Juli: Israel akzeptiert eine von Ägypten vorgeschlagene Feuerpause. Die Hamas lehnt ab.

Zweite Woche

17. Juli: Nach einer mehrstündigen Waffenruhe beginnt Israel eine Bodenoffensive, um die Infrastruktur der Hamas zu zerschlagen und deren Tunnel im Grenzgebiet zu zerstören.

21. Juli: Um zu vermitteln, treffen US-Außenminister John Kerry und Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon in Kairo ein.

23. Juli: Viele Fluggesellschaften stellen Flüge zum Ben-Gurion-Flughafen wegen des Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen vorübergehend ein.

Dritte Woche

26./27. Juli: Eine zwölfstündige Waffenruhe tritt in Kraft. Eine Verlängerung lehnt die Hamas ab, die Angriffe gehen weiter.

30. Juli: Nach dem Beschuss einer UN-Schule im Gazastreifen mit 20 Toten hagelt es Kritik an Israel.

31. Juli: Uno-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay wirft Israel und der Hamas die Verletzung des humanitären Völkerrechts vor.

1. August: Eine Waffenruhe hält nur wenige Stunden. Israel beschuldigt die Hamas, einen Soldaten verschleppt zu haben. Für die Suche nach ihm weitet Israel seine Offensive aus.

3. August: Die Armee erklärt den gesuchten Soldaten für tot. Er sei bei Kämpfen ums Leben gekommen. Beim Beschuss einer Uno-Schule sterben nach palästinensischen Angaben mindestens zehn Menschen. Israel beginnt mit dem Abzug seiner Bodentruppen aus dem Gazastreifen.

Vierte Woche

4. August: Ein Anschlag in Jerusalem überschattet eine von Israel erklärte Feuerpause: Ein palästinensischer Baggerfahrer rammt einen Bus. Ein Passant stirbt, der Attentäter wird erschossen.

5. August: Mit Beginn einer dreitägigen Waffenruhe zieht Israel alle Bodentruppen aus dem Gazastreifen ab. Israelis und Palästinenser beginnen in Kairo Verhandlungen über eine dauerhafte Waffenruhe.

8. August: Nach Ablauf der Waffenruhe feuern militante Palästinenser wieder Raketen Richtung Israel, das mit Luftangriffen reagiert.

10. August: Eine weitere dreitägige Feuerpause tritt in Kraft.

Im Al-Arub-Flüchtlingslager nördlich von Hebron lieferten sich am Dienstag Palästinenser neue Konfrontationen mit der israelischen Armee. Eine Militärsprecherin sagte, rund 200 Palästinenser hätten nahe dem Al-Arub-Flüchtlingslager randaliert. Als ein Palästinenser mit einer „improvisierte Waffe“ auf die Soldaten gezielt hätte, hätten diese das Feuer eröffnet. Palästinensische Medien berichteten, der 21-Jährige, der in die Brust getroffen wurde, sei anschließend im Krankenhaus verstorben.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Wolfgang Trantow

14.11.2014, 17:55 Uhr

Wo haben die Palästinenser denn das viele Geld für die mörderischen Angriffe auf Israel? Nur von den Deutschen!!!!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×