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29.10.2013

13:07 Uhr

Lampedusa

Flüchtlingsstrom reißt nicht ab

Ende Oktober ist das Wetter im Mittelmeerraum noch gut, die See ruhig. Das nutzen weiter zahlreiche Migranten, um die Flucht nach Europa anzutreten. Trotz der relativ glatten See begeben sie sich in Lebensgefahr.

Im Rettungsboot: Die italienische Marine liest täglich Flüchtlinge im Mittelmeer auf und bringt sie in Sicherheit. dpa

Im Rettungsboot: Die italienische Marine liest täglich Flüchtlinge im Mittelmeer auf und bringt sie in Sicherheit.

RomMehr als drei Wochen nach den zwei folgenschweren Flüchtlingsdramen vor Lampedusa mit mehr als 400 Toten reißt der Flüchtlingsstrom nach Europa weiterhin nicht ab. Die italienische Küstenwache und Marine retteten im Mittelmeer erneut Hunderte Bootsflüchtlinge. Am Montagabend und in der Nacht zum Dienstag wurden bei mehreren Rettungsaktionen vor den italienischen Küsten fast 400 Migranten in Sicherheit gebracht, wie die Behörden mitteilten. Auch die griechische Küstenwache entdeckte ein Flüchtlingsboot.

41 Bootsflüchtlinge überwiegend aus Nigeria und Ghana wurden am Montagabend von der Küstenwache vor Lampedusa entdeckt und in Sicherheit gebracht. Sie waren mit ihrem Schlauchboot etwa 70 Meilen südlich der Mittelmeerinsel in Seenot geraten. Nach der Rettung seien die Menschen an Bord eines Marineschiffes gebracht worden. Etwa 80 Meilen südlich von Lampedusa waren am Montagabend 205 Migranten in Sicherheit gebracht worden, wie die Behörden am Dienstag mitteilten.

Vor der kalabrischen Küste entdeckten die Rettungskräfte in der Nacht zum Dienstag zudem ein Boot mit 133 Menschen an Bord. Die Flüchtlinge, die überwiegend aus Syrien und Eritrea stammten, wurden an Bord eines Schiffs der Küstenwache genommen.

Die griechische Küstenwache sichtete ein Fischerboot mit rund 120 Flüchtlingen 110 Seemeilen südwestlich der Halbinsel Peloponnes. Die Flüchtlinge lehnten nach Angaben der Küstenwache jedoch jede Hilfe ab, vermutlich um nach Italien weiterzufahren. Am späten Montagabend hatte die Küstenwache 15 illegale Einwanderer in der Meerenge zwischen der Türkei und der griechischen Insel Kos aus den Fluten gerettet. Ihr Boot war wenige Seemeilen vor der Insel gekentert. Ein Migrant wurde am Dienstag noch vermisst, hieß es.

Der Umgang der EU mit Flüchtlingsbooten

Italien

Wenn Flüchtlinge auf See in einer Notsituation sind, machen sich Fischer laut Gesetz nicht strafbar, wenn sie Hilfe leisten - im Gegenteil, sie sind sogar dazu verpflichtet. Dennoch berichten Medien immer wieder über die Angst der Fischer, bei einem Eingreifen wegen Förderung illegaler Einwanderung angeklagt zu werden. Tatsächlich ist dies 2007 passiert, laut Medienberichten soll es sich dabei aber um Sonderfälle gehandelt haben. Demnach gerieten diese Fischer in Verdacht, Menschenschlepper zu sein. Sie wurden vor Gericht freigesprochen. Trotzdem löste ihr Fall eine öffentliche Debatte aus.

Griechenland

Auch hier sind alle Seeleute per Gesetz verpflichtet, Menschen in Seenot zu helfen - und auch hier ist die Auslegung das Problem. Wer systematisch Migranten rettet und sie nach Griechenland bringt, läuft Gefahr, als Schleuser angeklagt zu werden. Schleuser wiederum können sich als Retter ausgeben. Aus diesem Grund informieren Fischer immer die Küstenwache über die Entdeckung von Bootsflüchtlingen und die Rettungsaktion. Menschenrechtsorganisationen werfen der Küstenwache vor, die Flüchtlinge mit gefährlichen Manövern zur Rückkehr in die Türkei bewegen zu wollen. Es gibt aber auch Berichte über Flüchtlinge, die ihre Boote selbst zum Kentern bringen, damit ihnen geholfen werden muss.

Spanien

Hier muss Flüchtlingen, die mit ihren Schiffen in Seenot geraten sind, in jeden Fall geholfen werden. Dies schreibt der Artikel 98 der UN-Seerechtskonvention vor, die auch von Spanien ratifiziert wurde. Dies bedeutet, dass beispielsweise Fischerboote oder Fährschiffe zu einer Hilfeleistung verpflichtet sind. Die Pflicht zur Hilfe gilt allerdings nur, solange das eigene Schiff und dessen Besatzung dadurch nicht in Gefahr geraten.

Nach Angaben des italienischen Innenministeriums sind in diesem Jahr bereits mehr als 36 000 Bootsflüchtlinge an den italienischen Küsten angekommen. Im gesamten Jahr 2012 waren es nur etwas mehr als 13 000. Bei immer noch ruhigem Wetter wagen nach wie vor zahlreiche Migranten, meist aus Afrika und Nahost, die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer. Anfang Oktober war vor Lampedusa ein Flüchtlingsboot gekentert, mehr als 360 Menschen starben. Bei einem zweiten Schiffbruch wenige Tage später kamen mehr als 35 Menschen ums Leben.

Von

dpa

Kommentare (3)

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KritischeStimme

29.10.2013, 14:39 Uhr

Die Odyssee von Fluechtlingen nach Europa ist groesstenteils dank der verwerflichen NatoPolitik.Es sind nicht nur wirtschaftliche Fluechtlinge welche nach Europa kommen.Wenn man betrachtet dass die Natolaender mit ihren Kriegen+schmutzige Politik schon ueber 15 mio Opfer verursacht haben im NahOst an Toten,Verwundeten,Fluechtlingen,und viele Laender+Regionen verwuestet haben,dann ist es ein Wunder das so wenige Fluechtlinge die Grenzen der EU stuermen.Auch der Hunger ist ein wichtiger Grund,BioOel+landwirtschaftliche EU-Politik haben fast eine Milliarde von Menschen in den Hunger getrieben,davon viele unweit von Europa.Das die EU sich so abschottet von dem Elend das von ihr verursacht wurde ist sehr heuchlerisch,und wurde auch vom Papst Franziskus als sehr niedriger Moral angemahnt.Es ist hoechste Zeit die Nato in eine EUOrganisation zu aendern um von Kriegstreibern wie USA loszukommen.

s.Braun

29.10.2013, 15:17 Uhr

Un userem Ort suchen die Behörden auch schon verzweifelt nach Wohnraum. Leute mit freien Wohnungen ect sollten sich doch bitte melden. Bisher ohne jeden Erfolg; (...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

pit

29.10.2013, 17:09 Uhr

Wer glaubt, dass diese Situation sich irgendwann ändert ist auf dem Holzweg. Diese Situation wird immer schlimmer werden. Es wird der Zeitpunkt kommen, an dem die ersten Länder der UN Flüchtlingskommission die ROTE KARTE zeigen werden. Diese Gesetze sind nicht göttlicher Natur und auch nicht kündbar. Solange Staaten ihre Menschen nicht zur Geburtenkontrolle zwingen, solange sollten diese Staaten und Völker keine Hilfe mehr bekommen. Auch keine medizinische oder Nahrungsmittelhilfe. Das Problem wäre schnell gelöst. Flankierend sollte man die herrschende Klasse dieser Länder enteignen. Wie heißt es so schön: hilf dir selber , dann hilft dir auch Gott. Das gilt für uns - aber auch für die Flüchtlinge. Diese Menschen sollten lieber die Waffe in die Hand nehmen und gegen ihre Blutsauger vorgehen. Natürlich können wir nicht Putin und seinen Kollegen aus China auf die Finger hauen; aber jene WarLords um die es hier geht sind durch Drohnen schnell zur Räson zu bringen.

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