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03.06.2011

13:20 Uhr

Lampedusa

Leichen von 150 Flüchtlingen vor Tunesien geborgen

Kaum noch Hoffnung gibt es für die Passagiere eines Flüchtlingsbootes, das auf dem Weg nach Lampedusa gesunken ist. Die Vereinten Nationen melden, dass bereits 150 Leichen vor Tunesiens Küste geborgen wurden.

Dieses Boot mit libyschen Flüchtlingen hat die Reise nach Lampedusa überstanden. Quelle: dpa

Dieses Boot mit libyschen Flüchtlingen hat die Reise nach Lampedusa überstanden.

Paris/TunisZwei Tage nach der Havarie eines Flüchtlingsbootes vor der nordafrikanischen Küste schwindet für die vermissten Menschen die Hoffnung auf Rettung. Ihre Zahl wird auf bis zu 270 geschätzt. Sie waren am Mittwoch nach einer Massenpanik an Bord ihres gekenterten Kutters in den Fluten verschwunden.

Vor der tunesischen Küste sind nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) die Leichen von 150 afrikanischen Flüchtlingen geborgen worden. Die Boote mit den Afrikanern seien diese Woche gesunken, teilte ein UN-Mitarbeiter am Freitag mit. Die Flüchtlinge seien auf dem Weg nach Europa gewesen.

Allein seit Beginn der Unruhewelle in Nordafrika ertranken rund 1650 Menschen auf ihrer Flucht vor Armut und Krieg im Mittelmeer. Die Zahl übersteigt den bisherigen traurigen Rekord von 2008. Damals kamen bei der letzten großen Flüchtlingswelle im Laufe des Jahres offiziell 1274 Menschen in der Straße von Sizilien ums Leben.

Die Dunkelziffer liegt dabei ungleich höher. Von vermissten und Toten erfährt Europa in der Regel nur durch Berichte von Überlebenden oder im Meer treibende Leichen. Italienische Medien sprachen am Freitag bereits von einem neuen "annus horribilis" - einem neuen Horrorjahr.

Das am Mittwoch gesunkene Boot hatte die großteils aus Schwarzafrika stammenden Flüchtlinge von Libyen zur italienischen Insel Lampedusa bringen sollen. Vor den tunesischen Kerkenna-Inseln erlitt der Kahn jedoch bei schwerer See eine Motorpanne. Tunesisches Militär hatte in einer dramatischen Rettungsaktion zunächst rund 570 Passagiere in Sicherheit bringen können.

Italienischen Medienberichten zufolge konnten sich die Rettungseinheiten nur in kleinen Schiffen und Schlauchbooten dem havarierten Kutter nähern, da er sich in flachem Wasser befand. Nur langsam seien zunächst Frauen und Kinder vom sinkenden Boot in Sicherheit gebracht worden. In Panik hätten sich daher viele der Schwarzafrikaner in die dunklen Fluten gestürzt.

Seit Januar wählten 42.000 Immigranten die als extrem gefährlich geltende Mittelmeerroute, um Italien und damit Europa zu erreichen. Oft sind die Boote der Migranten wenig seetauglich, fast immer völlig überladen. Viele der Afrikaner können zudem nicht schwimmen.

Von

dpa

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