Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.12.2015

18:21 Uhr

Landwirtschaft

Nordkorea setzt auf mehr Eigeninitiative

Seit Jahren leiden Nordkoreaner unter Nahrungsknappheit und Wirtschaftsmisere. Doch es gibt Anzeichen für einen Wandel. In einigen Projekten können die Menschen als Nebenerwerbsbauern dazuverdienen.

Aufgrund von Misswirtschaft und Naturkatastrophen wie Überschwemmungen ist Nordkorea auf Hilfe von außen angewiesen. Reuters

Kim Jong Un

Aufgrund von Misswirtschaft und Naturkatastrophen wie Überschwemmungen ist Nordkorea auf Hilfe von außen angewiesen.

PjöngjangFährt man aus Pjöngjang hinaus, werden die Straßen deutlich leerer, aber auch holpriger. Das Auto muss zahlreichen Schlaglöchern ausweichen. Entlang der fast schnurgeraden Straße von der nordkoreanischen Hauptstadt in Richtung Hyangsan in der Provinz Nord-Pyongan fallen zu beiden Seiten die zumeist kahlen Hügel auf. In Nordkorea wurden viele Jahre lang Bäume willkürlich gefällt und zu Brennholz verarbeitet, weil Energie fehlt. Und Felder werden teilweise unerlaubt bewirtschaftet, weil es an Nahrungsmitteln mangelt.

Die Bodenerosion ist ein riesiges Problem, das auch das kommunistische Regime des Machthabers Kim Jong Un erkannt hat. In den Landesmedien werden die staatlichen Zentren zur Waldbewirtschaftung offen kritisiert, das Volk zum „Wiederaufbaukampf für die Wälder“ aufgerufen.

Nordkorea und seine Rakete

Was deutet auf einen bevorstehenden Test hin?

Das südkoreanische Verteidigungsministerium hat Geheimdienstberichte bestätigt, wonach Nordkorea mindestens eine Mittelstreckenrakete mit dem Zug an die Ostküste des Landes transportiert habe. Die Rakete wurde demnach bereits auf eine mobile Abschussvorrichtung montiert. Südkoreanische Medien berichteten, dass zwei Raketen an die Küste gebracht wurden.

Um was für Raketen handelt es sich?

Dazu äußerte sich das südkoreanische Verteidigungsministerium nicht genau. Es sprach lediglich von einer Mittelstreckenrakete mit "erheblicher Reichweite". Südkoreanische Medien berichteten unter Berufung auf Militär- und Regierungsvertreter, es handele sich um Raketen des Typs Mudusan.

Was ist über die Mudusan-Rakete bekannt?

Dieser Raketentyp wurde erstmals im Oktober 2010 bei einer Militärparade in Pjöngjang präsentiert. Die Sicherheitsberatungsfirma IHS Jane's ist der Ansicht, dass es sich um eine Mittelstreckenrakete mit einem einzelnen Sprengkopf handelt, die auf der Straße transportiert werden kann und mit flüssigem Treibstoff betrieben wird. Sie basiere auf der russischen R-27 und nutze auch Technik von Raketen des Typs Scud.

Welche Reichweite und Tragfähigkeit hat die Rakete?

Den Sicherheitsexperten zufolge kann die Rakete 2500 bis 4000 Kilometer weit fliegen. Damit könnte sie von Nordkorea aus mindestens Südkorea und Japan erreichen, möglicherweise aber auch US-Militärstützpunkte auf der Pazifikinsel Guam.

Kann die Rakete Nuklearsprengköpfe transportieren?

Das ist theoretisch möglich. Die meisten Experten sind allerdings der Ansicht, dass Nordkorea bislang nicht über die nötige Technologie verfügt, um Nuklearsprengköpfe auf Raketen zu montieren.

Gibt es Experten, die diesen Beschreibungen widersprechen?

Ja, und zwar zwei deutsche Experten. Markus Schiller und Robert Schmucker aus München sind der Ansicht, dass es die Mudusan-Rakete gar nicht gibt. Das im Oktober 2012 vorgeführte Modell sei lediglich eine Attrappe gewesen. Zwar sei ein Raketentest durchaus vorstellbar, meinen die beiden Experten. Doch dann würde höchstwahrscheinlich ein ausländisches Modell verwendet und kein in Nordkorea hergestelltes.

Hyangsan liegt etwa 140 Kilometer nördlich der Hauptstadt. Hier und in den anderen Landkreisen Unsan und Kujang unterstützt die deutsche Welthungerhilfe seit drei Jahren ein neuartiges Projekt, das den Menschen größere Ernährungssicherheit bringen soll. Zweck ist allerdings nicht nur die Verbesserung der Anbaumethoden auf Berghängen, sondern auch die Aufforstung mit unterschiedlichen Baum- und Straucharten. Auch werden Pläne für die Katastrophenvorsorge entwickelt.

Sieben Bundestagsabgeordnete der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe machten sich vor Ort ein Bild von dem Hanglagenprojekt. „Wenn Du einen Baum fällst, pflanze drei neue!“, nennt der Biologe von der Kim-Il-Sung-Universität in Pjöngjang, Jo Song Ryong, das Motto. Er besucht zweimal monatlich Hyangsan. „Früher gab es keinen Erosionsschutz; durch das Projekt wird auch die landwirtschaftliche Produktion erhöht.“ Kahlschlag hat in einigen Gegenden zu großflächigen Erosionen geführt. Fällt starker Regen, wird wertvoller Mutterboden weggeschwemmt.

Auf den in Parzellen aufgeteilten Hängen arbeiten vor allem Hausfrauen und ältere Menschen, die sich neben den bestehenden Kooperativen zu Landnutzungsgruppen zusammenschließen, erläutert Jo. Durch die Hangbewirtschaftung verdienen sie für ihre Familien ein zusätzliches Einkommen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×