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12.02.2013

23:28 Uhr

Laut Kanada

Mali wird zum neuen Afghanistan

Der Konflikt mit Islamisten in Mali könnte nach Ansicht des kanadischen Außenministers so langwierig werden wie der in Afghanistan. Eigene Soldaten entsendet Kanada daher nur ungern.

Soldaten aus Mali kontrollieren Reisende. ap

Soldaten aus Mali kontrollieren Reisende.

Ottawa/BrüsselDie kanadische Regierung sieht auf Mali einen ähnlichen jahrelangen Konflikt mit Islamisten zukommen wie in Afghanistan. "Im Land wir es ziemlich genau so einen Aufstand geben wie wir ihn im Irak oder in Afghanistan erlebt haben", sagte Außenminister John Baird am Dienstag vor einem Parlamentsausschuss in Ottawa. Er sei deshalb sehr zurückhaltend, was die Entsendung potenziell Tausender kanadischer Soldaten in das afrikanische Land angehe. "Wir werden uns nicht mir nichts, dir nichts in ein weiteres Afghanistan begeben." Auch gehe er nicht davon aus, dass Kanada sich an einem eventuellen Friedenseinsatz beteiligen würde.

Was in Mali auf dem Spiel steht

Wieso schreitet die alte Kolonialmacht Frankreich erst jetzt ein?

Frankreich hat in den vergangenen Monaten wiederholt die USA und die UN zum Eingreifen im Norden Malis bewegen wollen, allerdings mit wenig Erfolg. Bei allen Handlungen muss Paris auch immer das Schicksal der französischen Geiseln in der Hand von Islamisten in Afrika berücksichtigen. Es geht auch um Wirtschaftsinteressen. Der Vormarsch der Islamisten auf die strategisch wichtige Stadt Mopti zwang Paris zum Handeln. Seit langem sieht Frankreich seinen Einfluss in der Sahelzone, drei Flugstunden südlich von Europa, in Gefahr. Der Terror dort könnte auf Frankreich selbst übergreifen, weil viele der Gotteskrieger französisch sprechen und Verwandte im Land haben.

Aus welchen Kräften setzt sich die Dreier-Allianz der islamistischen Rebellen im Norden Malis zusammen?

Die Kämpfer der Terrororganisation Al-Kaida im islamischen Maghreb (AQM) gelten als Anführer. Sie sollen durch Drogenschmuggel und Lösegelder für entführte Ausländer über Dutzende Millionen Dollar verfügen. Geheimdiensten zufolge haben die Islamisten insgesamt 6000 ausgebildete Kämpfer in Nordmali, darunter Dschihadisten aus Ägypten, dem Sudan und anderen Staaten. In den Reihen der Islamisten kämpfen auch Männer des nordmalischen Volks der Tuareg. Sie nennen sich Ansar Dine. An ihrer Seite steht die „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“ (MUJAO), die ebenfalls die Scharia durchzusetzen will.

Wieso droht ausgerechnet Mali zum „zweiten Afghanistan“ werden?

Mali galt lange als einer der wenigen demokratischen Musterstaaten Afrikas. Nach einem Militärputsch in der im Süden gelegenen Hauptstadt Bamako im März 2012 eroberten Tuareg-Kämpfer gemeinsam mit Islamistengruppen den Norden Malis. In Timbuktu, wo Moscheen, Mausoleen und Friedhöfe zum Weltkulturerbe gehören, ließen die Islamisten mehrere historische Heiligtümer zerstören. Experten fürchten, dass der riesige Norden Malis ohne staatliche Kontrolle ebenso wie Afghanistan unter den Taliban zu einer Brutstätte für islamistische Terrornetzwerke wird. Auch in Afghanistan wurde die Weltöffentlichkeit erst durch die Zerstörung von Kulturgütern auf den Konflikt aufmerksam.

Afrika-Kenner schreiben, der Konflikt in Mali sei eine späte Rache des ermordeten libyschen Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi. Wie hängt das zusammen?

Der libysche Diktator hatte kampferprobte Tuareg-Männer aus dem benachbarten Nordmali für seine Streitkräfte rekrutiert. Nach Gaddafis Sturz kehrten viele mit modernen Waffen in die Heimat zurück. Dort verschafften sie den Aufständischen die entscheidende Schlagkraft im Kampf gegen die Zentralregierung im Süden.

Hat die internationale Staatengemeinschaft zu lange die Entwicklungen in Mali ignoriert?

Die dramatische Entwicklung ist eine Katastrophe mit Ankündigung. Über Monate warnten Frankreich, die USA und auch die Vereinten Nationen wechselseitig vor den Gotteskriegern aus Nordmali. Doch aus Sicht der Interimsregierung passierte viel zu wenig. Alarmiert von den jüngsten Vorstößen der Islamisten rief der Weltsicherheitsrat am Freitag dazu auf, die afrikanisch geführte Unterstützungsmission Afisma müsse schneller in Gang gesetzt werden. Dabei war die Entsendung schon Wochen vorher beschlossen worden. Ein Hindernis war bislang, dass es in Mali Vorbehalte gegen den Einmarsch von Soldaten aus Nachbarstaaten gab. Zudem wurde befürchtet, dass der Konflikt sich auch auf andere Länder der Region ausweiten könnte.

Kann es sein, dass deutsche Soldaten bald Seite an Seite mit den Franzosen in Mali kämpfen werden?

Deutschland schließt einen Kampfeinsatz der Bundeswehr in dem westafrikanischen Krisenstaat derzeit aus. Die Europäische Union plant seit längerem, etwa 200 Militärberater zu entsenden. Sie sollen malische Soldaten auf den Kampf gegen Rebellen vorbereiten. Auch Bundeswehrsoldaten dürften bei der Ausbildung mit dabei sein. Bisher war geplant, die Ausbilder innerhalb der ersten drei Monate dieses Jahres nach Mali zu schicken. Nach den jüngsten Entwicklungen hat die EU angekündigt, die Militärausbilder schneller zu entsenden. Quelle: dpa

Kanada hatte sich bis 2011 zehn Jahre lang an dem internationalen Afghanistan-Einsatz beteiligt. 158 seiner Soldaten wurden in dem Krieg getötet. An der US-geführten Invasion des Irak im Jahr 2003 nahm Kanada nicht teil.

Das französische Militär hatte im Januar auf Bitten der Regierung in Bamako eine Intervention in Mali gestartet, nachdem Islamisten vom Norden her zunehmend gen Süden vorrückten. Inzwischen sind viele, von den Rebellen monatelang besetzte Städte im Norden befreit, doch die Lage im Land ist weiterhin höchst instabil.

Der nach einem Militärputsch im vergangenen Jahr eingesetzte Übergangspräsident Dioncounda Traore hatte im Januar erklärt, er hoffe, Ende Juli Wahlen abhalten zu können. Angesichts der Schritte, die Mali zur Wiederherstellung einer demokratischen Regierung unternommen habe, werde die Europäische Union nach dem Putsch zunächst eingefrorene Entwicklungshilfe-Gelder in Höhe von 250 Millionen Euro im Laufe dieses Jahres nach und nach wieder freigeben, sagte der zuständige EU-Kommissar Andris Piebalgs am Dienstag.

Von

rtr

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

13.02.2013, 00:00 Uhr

Es war in Korea so. Es war in Vietnam so. Es war im Irak so. Es war in Afghnistan so. "Der Westen" ist in seiner selbsthalluzinierten Überlegenheit unverbesserlich. Die Medien ganz besonders.

Vicario

13.02.2013, 00:04 Uhr

@ SANTOS

Zitat : UND JEDEN ANNEHMEN DER FREIWILLIG IN DIESEN KRIEG ZIEHEN WILL

Sie können sich ja schnell melden, damit uns die Hoffnung erhalten bleibt, ihren Mist nicht lesen zu müßen !

ulrich1947

13.02.2013, 05:29 Uhr

es muss hier gefragt werden ob in mali die boesen al kaida islamisten bekaempft werden , wenn zur gleichen zeit in syrien mit den guten al kaida islamisten gemeinsame sache gemacht wird.die usa und ihre israelischen und westlichen versallen zu verstehen faellt schon mehr als schwer.es macht wahrscheinlich viel spass so viele menschen umzubringen.man wundert sich nur das unsere westliche , ach so demokratische presse dieses spiel so mit spielt.

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