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07.01.2015

19:36 Uhr

Laut Weltverfolgungsindex 2015

100 Millionen Christen weltweit verfolgt

VonLaura Waßermann

Weltweit werden etwa 100 Millionen Christen verfolgt und unterdrückt, so die Hilfsorganisation Open Doors. Laut Weltverfolgungsindex ist in Nordkorea der Hass gegen Christen am größten. Doch Open Doors erntet Kritik.

Nordkorea: Auch in diesem Jahr ist das Land des Kim-Regimes auf Platz Eins des Weltverfolgungsindexes. Open Doors

Nordkorea: Auch in diesem Jahr ist das Land des Kim-Regimes auf Platz Eins des Weltverfolgungsindexes.

Nordkorea, Somalia, Irak, Syrien, Afghanistan: Das ist die „Top Five“ in Sachen weltweiter Christenverfolgung. Zumindest sagt das die Organisation „Open Doors“, die am Mittwoch den Weltverfolgungsindex 2015 herausgegeben hat. Open Doors, dessen Slogan „Im Dienst der verfolgten Christen weltweit“ heißt, veröffentlicht einmal pro Jahr diesen Index, in dem es darum geht, in welchen Ländern christliche Bürger unter welchen Umständen leben (müssen). 100.000.000 weltweit seien dies derzeit, besagt die Studie.

Nordkorea ist seit 13 Jahren an der Spitze des Verfolgungsindexes. Die Probleme dort sind offensichtlich: Das kommunistische Regime um Jungführer Kim Jong-un kontrolliert alles, was in Nordkorea vor sich geht. Demnach spielt auch in der Religion Macht für die Kim-Familie eine wichtige Rolle. Laut von Open Doors lasse ihre „gottesähnliche Anbetung“ der Bürger keinen Raum für andere Religionen: „Jeder, der es wagt irgendetwas oder irgendjemand anderen neben der Kim Dynastie zu verehren, wird als gefährlich und staatsgefährdend eingestuft und entsprechend behandelt.“

Folter, Zwangsarbeit oder gar Hinrichtung – 70.000 Christen sollen in Nordkorea derzeit in abgeschotteten Lagern interniert sein. Open Doors schreibt, dass der politische Druck auch innerhalb christlicher Familien an der Tagesordnung sei; Eltern müssten fürchten, ihre Kinder würden Lehrern oder Mitschülern von der Auslebung des Glaubens erzählen.

Top 5 Verfolgungsindex

Platz Eins: Nordkorea

Bereits zum 13. Mal ist Nordkorea auf Platz Eins des Weltverfolgungsindexes: „Man kann mit Sicherheit sagen, dass sich für die christliche Minderheit im Land seit Kim Jong Uns Machtübernahme nichts zum Besseren verändert hat. Der Druck bleibt außerordentlich stark und für diejenigen, die nicht in der Nähe der chinesischen Grenze wohnen, besteht praktisch keine Fluchtmöglichkeit.“

Platz Zwei: Somalia

Open Doors: „Das Land wird von einem lange währenden Bürgerkrieg erschüttert, dazu kommen die gesellschaftliche Zersplitterung, Stammeskonflikte und Extremismus. Fast alle Christen in Somalia sind muslimischer Herkunft, außerdem gibt es eine verschwindend kleine Gruppe christlicher ausländischer Entwicklungshelfer, die aufgrund der starken Verfolgung ihren Glauben nicht zeigen. Unter einer wenig funktionstüchtigen Regierung sind Christen ein leichtes Ziel für islamische Extremisten und Stammesführer. Doch dort, wo die Regierung mehr an Kontrolle gewinnt, verfolgen nun staatliche Akteure gemeinsam mit diesen beiden grausam agierenden Gruppen die Christen.“

Platz Drei: Irak

Die Religionsfreiheit für Christen habe sich laut des Verfolgungsindexes unter dem Einfluss der Errichtung eines Kalifats durch den Islamischen Staat (IS) in weiten Teilen des Irak erheblich verschlechtert.

Platz Vier: Syrien

Open Doors: „Der Hauptgrund für die erhöhte Punktezahl Syriens ist die Zunahme des Einflusses radikaler islamischer Gruppen, die mit der Errichtung des Kalifats Islamischer Staat einen Allzeit-Tiefststand im Bereich Religionsfreiheit erreichten.“

Platz Fünf: Afghanistan

In Afghanistan sollen 2014 mehr gewaltsame Übergriffe gegen Christen geschehen sein als in den Vorjahren: „Besonders hiervon betroffen sind Ausländer. In den letzten Jahren wurde es für Christen zunehmend schwieriger, ihren Glauben zu leben, da die Regierung ähnlich wie die Mehrheit der Gesellschaft sich einer strengen Form des Islam zugewandt hat. Alles Christliche wird abgelehnt, so dass Christen sich weit in den Untergrund zurückziehen müssen.“

Als Motor der christlichen Verfolgung nennt Open Doors jedoch nicht den Kommunismus Nordkoreas, sondern den weltweit verbreiteten islamischen Extremismus. Dieser würde von der Gewalt der Dschihadisten, wie der nigerianischen Gruppe Boko Haram sowie anderen islamischen Gruppen ausgehen, die die Kultur der Christen schleichend unterdrücken wollen. Ein Beispiel dafür ist die Terrorgruppe „Islamischer Staat“, die sich seit Anfang 2014 in Syrien mehr und mehr Gebiete erkämpft und jetzt auch im Irak territorial vorstellig werden will.

Noch vor dem Bürgerkrieg herrschte in Syrien große Religionsfreiheit, durch Assads willkürliche Angriffe und den wachsenden Einfluss des IS würden laut des Weltverfolgungsindexes die Christen in Syrien in extrem großer Gefahr leben: „Die Milizen des Islamischen Staates (IS) und in geringerem Maße die von Jabhat al-Nusra und anderer radikaler Gruppen sind gegenwärtig die grausamsten Christenverfolger“.

Kritik an Open Doors

Doch die Organisation Open Doors erntet auch seit Jahren Kritik für ihre Untersuchungen. Die Katholische und die Evangelische Kirche teilten gemeinsam mit: Es werde versucht, „konkrete Zahlenangaben zu liefern, die jedoch Schätzwerte bleiben müssen und sich einer wissenschaftlichen Verifizierung entziehen.“ So bleibt auch die genannten Zahl von 100 Millionen verfolgten Christen in der Kritik. Zudem soll der Verein, der sich über Spenden finanziert, den Unterscheid zwischen gewaltlosen Anfeindungen und Verfolgungen mit Folter- oder Todesfolge nicht ausreichend herausstellen.

Markus Rode, Leiter von Open Doors, verteidigt seinen Index. Dass die Verfolgungszahlen der Christen die aktuellen Pegida-Demonstranten erneut ermutigen dürften, gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ auf die Straße zu gehen, weist Rode von der Hand. „Wir müssen unseren Auftrag erfüllen und Millionen verfolgten Christen zeigen, dass sie nicht vergessen sind“, sagt Rode zu „Spiegel Online“.

Auf dem letzten Platz (50) des Weltverfolgungsindex liegt Kuwait. Dort wurde einst der Islam zur Staatsreligion erklärt, weshalb Christen als Bürger zweiter Klasse gelten und das kirchliche Leben nur eingeschränkt passieren kann. Christen würden in Kuwait laut Open Doors unter vielen Unterdrückungsmechanismen leiden: „Während des Fastenmonats Ramadan haben die Christen mit der von Regierung und Gesellschaft aufgestellten Forderung zu kämpfen, dass tagsüber nicht gegessen und getrunken werden soll.“

Im Gegensatz zu Nordkorea, wo Christen es auch in Zukunft nicht leichter haben werden sollen, sei Kuwait ein weltoffenes Land in Richtung Wirtschaft und Politik. Open Doors prophezeit, so lange dies so bleibe, würden weitere Christen nach Kuwait einwandern.

Anmerkung: In der ursprünglichen Fassung war von fälschlich von 100.000 Christen die Rede, die laut Open Doors weltweit verfolgt würden. Diese Zahl ist inzwischen auf den von Opens Doors mit 100 Millionen bezifferten Wert korrigiert worden.

Kommentare (5)

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Herr Peter Delli

07.01.2015, 16:52 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Aleksandar Ritter

07.01.2015, 17:12 Uhr

In allen muslimischen Mehrheitsgesellschaften werden Christen verfolgt - eine Verfolgung, die bis zum genozidalen Massaker von Frauen, Kindern und Babies reicht.

Und genau zu solch einer muslimischen Mehrheitsgesellschaft wird Deutschland langsam aber sich.
In einigen urbanen Zentren Deutschlands und Europas gibt es bereits eine muslimische Mehrheitsgesellschaften. Und schon heute sind dort diesselben Verfolgungstendenzen gegen die zur Minderheit verdrängten christlichen Europäer zu beobachten, wie wir sie auch aus den islamischen Ländern kennen:

So etwa in einigen Stadtteilen in Essen, NRW: In der mehrheitsheitlich von Arabern und Türken besuchten Hauptschule in Essen-Karnap, werden die deutschen Restschüler ausgegrenzt, bedroht, gegedütigt oder gleich Opfer von körperlicher Gewalt.

https://www.youtube.com/watch?v=5vjJSC970V0

In ganz Deutschland ist die in Schulen mit ähnlicher ethnisch-kultureller Zusammensetzung der Schülerschaft ähnlich - so etwa im 500 Kilometer von Essen entfernten Berlin:

http://www.morgenpost.de/berlin/article1416520/Wie-Migranten-deutsche-Kinder-mobben.html

Herr Frank Haas

07.01.2015, 17:32 Uhr

Liebes Handelsblatt,
habt Ihr da nicht mal kurz 99,9 Millionen Christen unterschlagen?
ja, das mit den Nullen ist so eine Sache ;-)

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