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21.02.2017

15:19 Uhr

Le Pen im Libanon

Ohne Kopftuch, aber pro Hisbollah

VonThomas Hanke

Die Chefin des Front National wollte bei einem Besuch eines libanesischen Geistlichen kein Kopftuch tragen und brach diesen deswegen ab. Trotzdem ist die Reise für sie insgesamt ein Erfolg.

Ihre Weigerung, ein Kopftuch zu tragen, begründete Le Pen damit, dass sie bei einem Treffen mit einem Geistlichen in Ägypten auch keins benötigt habe. dpa

Marine Le Pen

Ihre Weigerung, ein Kopftuch zu tragen, begründete Le Pen damit, dass sie bei einem Treffen mit einem Geistlichen in Ägypten auch keins benötigt habe.

BeirutOb mit oder ohne Kopftuch, Reisen ins Ausland werden für Marine Le Pen leicht zur Peinlichkeit. Am Dienstag verzichtete sie im Libanon auf ein Treffen mit dem Mufti des Landes, dem höchsten sunnitischen Würdenträger, angeblich weil dessen Mitarbeiter völlig überraschend verlangt hätten, sie möge ihre Haare bedecken. „Ich trage kein Kopftuch, auch nicht vor dem Mufti“, gab die Front National-Chefin sich unbeugsam. In Wirklichkeit dürfte ihr das Gespräch mit dem Sunniten zu heikel geworden sein: Der Front National schwimmt im Kielwasser der russischen Regierung und des syrischen Diktators Bashar el Assad, der militärisch von der schiitischen Hisbollah abhängt, Feinde der Sunniten.

Trotz mancher Tiefen ist die Libanon-Visite insgesamt ein Erfolg für Le Pen. So gut sie in den französischen Umfragen abschneiden mag, international ist die Front nach wie vor eine Partei, die gemieden wird. Aus dem Trump-Tower musste Le Pen im Januar unverrichteter Dinge abziehen, in Kanada wurde ihre Reise im vergangenen Jahr zu einem PR-Desaster, vor allem im französischsprachigen Landesteil: keine Gespräche mit der Regierung, dafür Massenproteste unter der Losung: „Le Pen, hau ab!“ auf den Straßen.

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Noch in keiner Demokratie wurde Marine Le Pen von einem Staats- oder Regierungschef eingeladen. Im Libanon ist es ihr nun gelungen, die Blockade zu durchbrechen. Am Montag empfing Staatspräsident General Michel Aoun, Verbündeter der Hisbollah, die rechtsextreme Chefin des Front National, die in den Umfragen zur französischen Präsidentschaftswahl führt. Die Libanesen selber sagten dazu, es sei ihnen nichts anderes übrig geblieben: Sie hätten Emmanuel Macron offiziell begrüßt, da könnten sie die Kandidatin, die demoskopisch noch besser dasteht, nicht schneiden.

Le Pen geht es im Libanon nicht nur darum, ihr Standing zu verbessern und sich so etwas wie Ansätze einer präsidialen Aura zu verleihen. Sie sucht auch nach Geldgebern, denn nach wie vor ist ihre Wahlkampagne nicht durchfinanziert. Die Familie hat enge Beziehungen zur harten Rechten unter den Christen des Libanons. Einige „Frontler“ haben sich sogar persönlich am libanesischen Bürgerkrieg beteiligt. Marines Vater Jean-Marie hat die Beziehungen stets gepflegt. Die heutige Parteiführerin will sie nun wieder aufleben lassen, mit der Hoffnung, von libanesischen Millionären unterstützt zu werden.

Dennoch ist der Besuch alles andere als ein Heimspiel für Le Pen. Vor allem ihre Forderung, die doppelte Staatsbürgerschaft für Nicht-Europäer abzuschaffen, wird ihr sehr verübelt von vielen Libanesen, die ihre Wurzeln in beiden Ländern haben. Frankreich war Protektoratsmacht Syriens, zu dem der Libanon früher gehörte, und hat seitdem besondere Beziehungen zum Land in der Levante.

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Heikel ist auch die Schaukelpolitik Le Pens: Zu Hause gibt sie sich als härteste Kämpferin für Sicherheit und gegen den Terror. Doch in Syrien folgt sie strikt der russischen Politik pro Assad, zu der das enge Bündnis mit dem Iran und der libanesischen Hisbollah gehört. Assads Kriegsführung hat sie nie verurteilt. Mehr noch: Frédéric Chatillon, einer ihrer engsten Berater, betreibt eine Hisbollah-freundliche, Pro-Assad-Webseite. Außenpolitik im Umkreis einer Organisation, die von vielen Ländern als terroristisch eingestuft wird – man muss Le Pen heißen, um das fertigzubringen.

Ähnlich merkwürdig ist, dass Le Pen großzügig über die diversen Affären hinweggeht, die ihr anhängen. Sie schuldet dem Europäischen Parlament 300.000 Euro, weil sie ihre Bürochefin in der Front als Parlaments-Mitarbeiterin von der verhassten „EU-Tyrannei“ bezahlen ließ. Sogar ihren Leibwächter soll sie dem europäischen Steuerzahler aufgehalst haben. Unbekümmert bezeichnet sie die Untersuchungen der französischen Justiz inklusive Durchsuchung der Parteizentrale Anfang der Woche als „Hexenjagd“ gegen sich. Die französischen Medien, die – zu Recht – intensiv auf den Skandal um die familiäre Scheinbeschäftigung durch den konservativen Kandidaten Fillon eingehen, befassen sich mit Le Pen weitaus weniger. Es wirkt, als hätten sie bereits resigniert.  

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

21.02.2017, 12:25 Uhr

Ein gutes und starkes Signal von Le Pen. Nicht nur für Ihre eigenen Wähler sondern für alle freiheitsliebenden Franzosen und Europäer. Weiter so. Danke!

Herr Alessandro Grande

21.02.2017, 12:48 Uhr

Richtig und gut gemacht, denn die Herren, weche so etwas fordern, leben erstens mental wie geistig im Mittelalter und halten sich erst recht nicht an unsere, westliche Religion, Werte und Kultur, aus deren Sicht die der Ungläubigen.
Weiter so, Le Pen als Vorbild für Europa!

Herr Peter Kastner

21.02.2017, 12:54 Uhr

Viva Le Pen

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