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21.08.2015

12:33 Uhr

Le Pen kämpft gegen Rauswurf

„Die Front National bin ich“

Der Rauswurf aus der Front National hat Jean-Marie Le Pen überrascht. Dass er seit Jahren mehr Belastung als Bereicherung für die Partei ist, sieht er nicht so und will sich gegen den Ausschluss zur Wehr setzen.

Der Gründer der Front National will sich nicht mit seinem Rauswurf abfinden. AFP

Jean-Marie Le Pen

Der Gründer der Front National will sich nicht mit seinem Rauswurf abfinden.

ParisGanz glauben konnte es Jean-Marie Le Pen wohl zuerst nicht, was die Führung der Front National (FN) da entschieden hatte. Er, der Frankreichs rechtsextreme Partei 1972 gegründet und vier Jahrzehnte lang angeführt hatte, fliegt hochkant raus. „Die Front National bin ich, ich bin in der Front National zu Hause“, beteuerte der 87-Jährige am Morgen nach dem Ausschluss. Doch viele – und vor allem seine Tochter Marine – sehen das schon lange nicht mehr so.

Dass Frankreichs Rechtsextreme kurzen Prozess mit dem Parteipatriarchen machen, hatte trotzdem kaum jemand für möglich gehalten. Zu sehr war Le Pen in der Front National verwurzelt, zu viele Sympathien hat er noch heute bei vielen Anhängern. Doch mit seinen antisemitischen Parolen wurde der FN-Ehrenvorsitzende seiner Tochter, seit 2011 Parteichefin, zunehmend zum Ärgernis, zur Belastung, zur Bedrohung ihrer eigenen Machtambitionen.

Im April brach die 47-jährige Parteichefin mit ihrem Vater, nachdem dieser wieder einmal die NS-Gaskammern als „Detail“ der Geschichte des Zweiten Weltkriegs verharmlost hatte. In den folgenden Monaten bekriegten sich Vater und Tochter in aller Öffentlichkeit und vor Gericht, er kämpfte erfolgreich um seinen Ehrenvorsitz, den die Parteichefin ihm entziehen wollte, und dass jetzt Ruhe einkehrt bei der Front National, ist nicht zu erwarten: Le Pen wird seinen Rauswurf juristisch anfechten.

Europas Populisten: Von AfD bis Ukip

Deutschland: Alternative für Deutschland (AfD)

Die Alternative für Deutschland (AfD) wurde einst beherrscht von heftigen internen Richtungskämpfen zwischen wertkonservativem und liberalem Flügel. Den Machtkampf entschied die dem rechtskonservativen Flügel zugerechnete Frauke Petry. Aktuell lässt sich die Partei dem rechten Spektrum zuordnen. Die AfD konnte sich zunächst mit scharfer Kritik am Euro-Rettungskurs der Bundesregierung, aber auch mit Positionen zur Einwanderungspolitik und familienpolitischen Themen in der deutschen Meinungslandschaft wirksam profilieren und positionieren. Die Flüchtlingskrise gibt ihr - und vor allem den rechtsnationalen Vertretern in der Partei Rückenwind.
Quelle: Deutsche Bank Research „Europas Populisten im Profil“, April 2015; Handelsblatt-Recherchen

Finnland: Die Finnen

Dem rechten Spektrum zuzuschreiben sind die Finnen, die sich 1995 gegründet haben. Im Zuge der Euro-Krise konnten sie sich insbesondere mit EU-skeptischen Positionierungen profilieren. Sie fordern die Verteidigung der nationalen Identität und eine stärkere Verantwortung der Nationalstaaten in Europa.

Frankreich: Front National

Der 1972 gegründete Front National (FN) findet in Frankreich nach einer strategischen Neuausrichtung im Jahr 2011 unter der neuen Parteivorsitzenden Marine Le Pen zunehmend Zuspruch. Die Rhetorik und das Verhalten des FN wurden gemäßigt. Zugleich hat der FN auch sein Themenspektrum erweitert, sodass neben Einwanderung auch Globalisierungstendenzen und die EU kritisiert werden. Der FN ist daher dem rechtspopulistischen Spektrum zuzuordnen.

Griechenland: Syriza-Bündnis

Griechenland ist ein Sonderfall. Hier stehen Populisten in Regierungsverantwortung. Das linke Parteienbündnis Syriza hat die Parlamentswahlen im Januar 2015 als stärkste Kraft gewonnen und bildet eine Koalition mit den rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen. Syriza weist die Verantwortung für Fehlentwicklungen des Landes konsequent der Euro-Rettungspolitik zu. Die Ursachen der nationalen Schieflage verortet Syriza in der internationalen Finanzwirtschaft und der EU. Im Wahlkampf konnte das Bündnis mit der Forderung nach einem Schuldenschnitt für Griechenland punkten.

Italien: Movimento 5 Stelle, Lega Nord und Forza Italia

In Italien gibt es gleich mehrere populistische Kräfte: Movimento 5 Stelle, Lega Nord und Forza Italia. Allerdings ist die Regierungspartei Partito Democratico (PD) mit 37,2 Prozent in Umfragen immer noch sehr stark und wäre eindeutiger Sieger bei Parlamentswahlen. Fraglich ist, ob eine absolute Mehrheit zustande kommen kann oder eine Koalition mit einer der populistischen Parteien gegründet werden müsste. Die Koalitionsverhandlungen dürften vermutlich wie bei den letzten Wahl en schwierig werden und den Einfluss populistischer Parteien insofern stärken, als dass die PD diesen inhaltlich entgegenkommen müsste.

Niederlande: Partei für die Freiheit

Die Partei für die Freiheit (PVV) ist dem rechtspopulistischen Parteienspektrum zuzuordnen. Im Kern positioniert sich die Partei gegen Einwanderung und die EU. Vor allem durch ihren Vorsitzenden Geert Wilders erlangt die PVV in den Niederlanden eine hohe Aufmerksamkeit in den Medien.

Österreich: Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ)

Die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) ist mit Gründung 1955 eine die der ältesten populistischen Parteien. Nach der Abspaltung des rechtsliberalen Flügels als Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) im Jahr 2005 mobilisiert die rechtspopulistische FPÖ gegen weitere europäische Integration und die „Islamisierung“ Österreichs.

Spanien: Podemos-Bewegung

Neu im linken Spektrum ist die spanische Podemos-Bewegung. Sie ging im März 2014 aus der Bewegung der „Empörten“ hervor und sieht sich als Vertretung der Bevölkerung gegen eine „politische Kaste.“

Großbritannien: United Kingdom Independence Party (Ukip)

Im Vereinigten Königreich ist EU-Skepsis tendenziell verbreiteter als in anderen EU-Ländern. Dies spiegelt sich auch in der Parteienlandschaft wieder, in der die rechtskonservative United Kingdom Independent Party (Ukip) mit ihrer Forderung nach einem EU-Austritt die stärksten EU-skeptischen Züge trägt.

Er sieht sich als Opfer eines „Hinterhalts“. Seine Tochter, die der entscheidenden Sitzung des FN-Exekutivbüros am Donnerstag bewusst fernblieb, habe „das Exekutionskommando aus der Ferne telefonisch befehligt“, sagte er am Freitag dem Sender RTL. „Es ist schmutzig, seinen Papa zu töten, also hat sie Papa nicht direkt getötet, aber sie hat ihn von Schergen töten lassen.“

Solche Sätze aus dem Mund des 87-Jährigen sind keine Überraschung, er liebt die polternden Auftritte und Grenzüberschreitungen – immer wieder wurde er für seine Äußerungen etwa zum „Detail“ der Gaskammern verurteilt. Und während er früher meist über Ausländer und Linke herzog, überschüttete er zuletzt seine Tochter und deren Vertrauten Florian Philippot mit Verbalattacken.

Marine Le Pen und Parteistratege Philippot stehen gemeinsam für den neuen Kurs der FN, der Partei mit einem gemäßigten Auftreten ein respektables Image zu verleihen und so neue Wähler zu gewinnen – auch wenn Vater und Tochter im Grunde ganz ähnliche Ansichten vertreten.

Front National: Jean-Marie Le Pen fliegt aus seiner Partei

Front National

Jean-Marie Le Pen fliegt aus seiner Partei

Sie will der Partei ein bürgerliches Image verpassen – und geht dabei über die Leiche des Gründers. Marine Le Pen hat den Führungsstreit in der Front National gewonnen – ihr Vater Jean-Marie wird ausgeschlossen.

Doch dieser Strategie konnte der Parteigründer nie viel abgewinnen: „Eine nette Front interessiert niemanden“, sagte er einmal. Und lobte sich selbstgefällig für seine Erfolge: „Vor dem „Detail“ 2,2 Millionen Wähler, nachher 4,4 Millionen.“

Tatsächlich hat Le Pen die Front National – 1972 zusammengeschweißt aus einer zersplitterten Rechtsextremen mit Neo-Faschisten, früheren Mitgliedern der Waffen-SS und Anhängern eines französischen Algerien – in den vier Jahrzehnten als Parteichef fest in Frankreich verankert. 1928 in einfachen Verhältnissen als Sohn eines Fischers und einer Schneiderin im bretonischen Trinité-sur-Mer geboren, etablierte sich der wortgewaltige Rechtsextreme mit derben Parolen gegen Einwanderer und Muslime, die er für alle Probleme Frankreichs verantwortlich machte.

„Franzosen zuerst“, wurde der Slogan des Mannes, der als Soldat in Indochina und Algerien gedient hatte. 2002 sorgte er für ein politisches Erdbeben, als er in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl knapp 17 Prozent erhielt und in die Stichwahl einzog. Dort unterlag er deutlich Amtsinhaber Jacques Chirac.

Seine Tochter will es besser machen – sie hofft als erste Rechtsextreme in den Elysée-Palast einziehen zu können. Ihr Vater will sie zwar nicht mehr als Präsidentin sehen, eine Konkurrenzpartei will er aber nicht lancieren. Er glaubt immer noch an eine Zukunft für sich in „seiner“ Front National: „Wir wollen unsere Partei zurückerobern.“

Von

afp

Kommentare (1)

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Frau Margrit Steer

21.08.2015, 16:51 Uhr

Er ist alt und senil und b e greift nicht, dass er wiklich eine Belastung für die Partei ist.
Er soll seine Rente genießen und Ruhe geben

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