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12.01.2014

16:46 Uhr

Leben nach der Pleite

Wie Detroit den Neustart versucht

Die Autometropole Detroit muss 18 Milliarden Dollar Schulden abbauen. Insolvenzverwalter und Bürgermeister haben nach anfänglichem Streit nun Frieden geschlossen. Doch einfach wird der Neuanfang nicht.

DetroitDie Pleitestadt Detroit hat sich herausgeputzt. Die Straßen in Downtown sind sauber, die Grünflächen gepflegt. Kein Wunder, Gäste kommen: An diesem Montag beginnt die North American International Auto Show - eine der wichtigsten Automessen weltweit. Das bedeutet Einnahmen. Die Hotels sind ausgebucht und die Kneipen voll. Für zwei Wochen herrscht das pralle Leben in der Stadt.

Wenn Konzernvorstände, Autoenthusiasten und Journalisten wieder abgezogen sind, kehrt aber die Tristesse nach Detroit zurück. Große Teile der Stadt sind seit dem Schrumpfen der Autoindustrie verwaist. Die Gegenden müssen aber teuer unterhalten werden. Das trug neben Korruption und Misswirtschaft zur Insolvenz im Sommer bei.

Verlassenes Fabrikgebäude von Packard Automotive in Detroit, Michigan: Vor einem Jahr hat die Autostadt Insolvenz angemeldet. dpa

Verlassenes Fabrikgebäude von Packard Automotive in Detroit, Michigan: Vor einem Jahr hat die Autostadt Insolvenz angemeldet.

Kevyn Orr soll den Neustart bewerkstelligen. Der Insolvenzexperte wurde vom Gouverneur zum Verwalter der Stadt bestimmt. Seine Aufgabe ist es, den 18 Milliarden Dollar (13 Milliarden Euro) hohen Berg an Schulden zu verkleinern. Dabei ist er schon ein Stück weit vorangekommen: Er hat Kreditgeber zum Verzicht auf Forderungen bewogen und günstigere Zinssätze herausgehandelt.

Doch der Insolvenzverwalter stößt auf Widerstand: Banken und andere Geldgeber wollen ihre Pfründe sichern, ehemalige Mitarbeiter der Stadt wehren sich gegen die geplante Kürzung ihrer Pensionen und Kunstliebhaber schäumen, weil Orr über einen Verkauf von Bildern und Skulpturen des Detroit Institute of Arts nachdenkt. Es geht um 2800 der insgesamt 66.000 Werke, darunter Gemälde von Henri Matisse, Claude Monet und Vincent van Gogh. Schätzungen zufolge könnte der Verkauf bis zu 867 Millionen Dollar einbringen.

Das Geld könnte die Stadtverwaltung mit Bürgermeister Mike Duggan an der Spitze gut gebrauchen, um verfallene Häuser abzureißen, die Feuerwehr aufzustocken oder kaputte Straßenlaternen zu reparieren. „Ich würde gerne eine Stadt sehen, wo die Polizei auftaucht, wenn man sie ruft“, sagt Duggan. Er ist erst seit Jahresbeginn im Amt - als erster weißer Bürgermeister in einer überwiegend schwarzen Stadt seit 40 Jahren. „Die Menschen von Detroit haben mich gewählt, damit ich die Lebensqualität in der Stadt verbessere.“

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