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09.10.2013

15:58 Uhr

„Leere Hände und Sprechblasen“

Barroso wegen Lampedusa-Auftritt unter Beschuss

EU-Kommissionschef Barroso hat sich mit seinem Besuch der italienischen Flüchtlingsinsel Lampedusa keinen Gefallen getan. Die Anwohner empfingen ihn mit Buhrufen. Auch in Berlin erntete er harsche Kritik.

Besuch der Flüchtlingsinsel Lampedusa

Buhrufe für EU-Kommissionschef Barroso

Besuch der Flüchtlingsinsel Lampedusa: Buhrufe für EU-Kommissionschef Barroso

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BerlinDer Auftritt von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso auf der italienischen Flüchtlingsinsel Lampedusa stößt in Deutschland auf Kritik. „Die Flüchtlinge im völlig überfüllten Camp auf Lampedusa brauchen konkrete Hilfe und keinen Barroso mit leeren Händen und Sprechblasen“, sagte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck Handelsblatt Online. Auf Lampedusa fehle es vielmehr an Unterkünften und Matratzen für eine menschenwürdige Versorgung der Flüchtlinge. Im Mittelmeer gebe es zudem „keine See-Notrettung für Ertrinkende, sondern Strafen für Helfer“. 

Barroso will die Probleme vor allem mit Geld lösen. Er sicherte am Mittwoch bei einem Besuch auf der Mittelmeerinsel Italien Hilfsmittel in Höhe von 30 Millionen Euro zu. Trotzdem wurden der EU-Kommissionchef und die Vertreter der italienischen Regierung bei ihrer Ankunft von aufgebrachten Anwohnern mit Buh-Rufen empfangen. Italiens Ministerpräsident Enrico Letta kündigte ein Staatsbegräbnis für die Opfer des Unglücks an.

Die Demonstranten riefen „Schande!“ und „Mörder!“ und schwenkten Fotos von Flüchtlingen, als die Politiker am Flughafen eintrafen. Begleitet wurden Letta und Barroso von Italiens Innenminister Angelino Alfano und EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström.

Lampedusa – die Flüchtlingsinsel

Geographie

Die kleine italienische Mittelmeerinsel Lampedusa südlich von Sizilien ist wegen ihrer Nähe zu Afrika seit Jahren für Bootsflüchtlinge das Tor nach Europa. Die Küste Tunesiens ist nur 130 Kilometer entfernt. Mit etwa 20 Quadratkilometern ist Lampedusa die größte der Pelagischen Inseln. Das Eiland hat etwa 5000 Einwohner.

Flüchtlinge

Immer wieder wagen Migranten aus Nordafrika die gefährliche Überfahrt nach Europa. Ihre Boote sind oft kaum seetüchtig, viele Menschen sind schon ertrunken. Zwischen Juli 2008 und Juli 2009 erreichten mehr als 20 000 Einwanderer aus Nordafrika Lampedusa. Dann ließ die rigide Abschiebepolitik der damaligen Regierung von Silvio Berlusconi die Zahlen stark zurückgehen.

Arabischer Frühling

Nach dem Beginn der Umwälzungen in den arabischen Ländern schwoll der Flüchtlingsstrom 2011 erneut drastisch an. Zehntausende landeten auf Lampedusa. Die Lage eskalierte, als zeitweise bis zu 6000 Immigranten unter unerträglichen Bedingungen auf der Insel festsaßen.

Aufnahmezentrum

Das offene Durchgangslager - es gibt kein geschlossenes Aufnahmezentrum mehr - hat nach Angaben des italienischen Flüchtlingsrates CIR knapp 400 Bettstellen. Manchmal sind dort aber mehr als 1000 Menschen. Vor zwei Jahren hatte ein Feuer einen Teil des Zentrums zerstört, der nur teilweise wiederaufgebaut wurde.

Verschärfung

Nach einem Rückgang 2012 strandeten in der ersten Jahreshälfte 2013 nach offiziellen Zahlen 3648 Menschen auf Lampedusa - mehr als dreimal so viele wie im gleichen Vorjahreszeitraum. In den vergangenen Wochen verschärfte sich die Lage weiter.

Die Millionen-Hilfe solle Rom zur Bewältigung des Flüchtlingsandrangs einsetzen, sagte Barroso. „Wir wissen aber, dass noch viel mehr getan werden muss“, fügte er hinzu. Die EU dürfe vor solchen Flüchtlingsdramen nicht die Augen verschließen und zulassen, dass tausende Menschen an ihren Grenzen ums Leben kommen.

„Das Problem eines unserer Länder, wie jetzt Italien, muss als ein Problem von ganz Europa wahrgenommen werden“, betonte der Kommissionspräsident. Barroso zeigte sich bestürzt über das Ausmaß der Tragödie. „Ich werde den Anblick dieser Särge niemals vergessen“, sagte er. Auch Letta sprach von einem „europäischen Drama“. Es handele sich um die schlimmste menschliche Tragödie im Mittelmeer. Für die Verstorbenen werde ein Staatsbegräbnis organisiert. Die Opfer hätten ein Recht auf ein solches Begräbnis, sagte Letta.

Kommentare (9)

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troismegestois

09.10.2013, 16:19 Uhr

..."Auch die EU-Grenzschutzagentur Frontex stellt zusätzliche Mittel für Italien bereit, um die Mission „Hermes“ im Mittelmeer bis November zu verlängern."...
_______________________________________

aha.
Grenzschutz"Agentur" Frontex zur Sicherung von "Hermes".
Man fragt sich vlt woher der Bundesfriedrich seinen Schrott her hat: Barroso gibt so ganz nebenbei die Erklärung dazu ab.

dreiseiter

09.10.2013, 16:23 Uhr

Kein Bürger hat diesen Barroso gewählt! Was will der? Sein ganzer nutzloser EU-Wasserkopf muss abgeschafft werden. Wir Bürger brauchen keine Bevormundungen. Dieses Kunst-Europa will niemand. Es wurde nicht gewählt!

Was_wollen_die_Questionmark

09.10.2013, 16:37 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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