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13.04.2011

09:42 Uhr

Leere Staatskassen

Griechenland schuldet deutschen Firmen 500 Millionen

Exklusiv Der griechische Staat steht bei deutschen Firmen mit rund 500 Millionen Euro in der Kreide, doch das ist nur die Spitze des Eisbergs: Weltweit sind die Außenstände etwa zehnmal so hoch, so der griechische Finanzminister.

Der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou muss gegen einen immensen Schuldenberg ankämpfen. Quelle: dpa

Der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou muss gegen einen immensen Schuldenberg ankämpfen.

BerlinGriechenlands öffentliche Kassen sind trotz der zugesagten Notkredite der Euro-Partner in Milliardenhöhe leer. Finanzminister Giorgos Papakonstantinou räumte in einem Interview mit dem Handelsblatt Zahlungsrückstände ein, gegenüber nationalen und ausländischen Unternehmen.

"Wir sind dabei, diese ausstehenden Zahlungen zu beschleunigen, sagte Papakonstantinou. "Aber wir befinden uns nun mal in einer sehr schwierigen Haushaltslage und müssen mit dem auskommen, was wir haben." Demnach schuldet das Land allein der deutschen Privatwirtschaft rund 500 Millionen Euro. Weltweit sind die Außenstände nach Angaben des Ministers etwa zehnmal so hoch.

Finanzminister lehnt Umschuldung ab

Papakonstantinou sagte, das Land müsse 2012 über Bond-Emissionen 25 bis 30 Milliarden Euro aufnehmen. "Und wir sehen, dass die Risikoaufschläge im Moment noch sehr hoch sind."

Eine Umschuldung lehnt der Minister weiter ab: "Der damit verbundene Vertrauensverlust hätte zur Folge, dass wir auf lange Zeit von den Finanzmärkten ausgeschlossen blieben." Zudem könnten die mit einer Umschuldung verbundenen Verluste der privaten Investoren zu Stabilitätsproblemen im griechischen und europäischen Bankensystem führen, so Papakonstantinou. "Hinzu kommen mögliche Ansteckungseffekte. All das macht eine Restrukturierung für Griechenland nicht wünschenswert", sagte der Minister.

Für das laufende Jahr abgesichert

Für 2011 ist Griechenland nach den Worten Papakonstantinous durch die Hilfskredite voll finanziert. Das Land hat Zusagen über Notkredite von EU und IWF in Höhe von 110 Milliarden Euro. Seit Wochen wird immer wieder über eine Umschuldung spekuliert. EU, IWF und Regierung in Athen haben solche Pläne aber bislang dementiert.

Von

rtr

Kommentare (4)

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POPPER

13.04.2011, 10:52 Uhr

Hier zeigt sich das ganze Dilemma unserer missratenen europäischen Wirtschaftspolitik. Länder wie Deutschland lassen es zu, dass Arbeitgeber zu Niedrglöhnen und hoher Produktivität andere Ländern mit Waren überhäufen, die diese auf Pump kaufen, anstatt im eigenen Land die Kaufkraft mit höheren Löhnen und Sozialleistungen zu stärken und den Binnenmarkt und damit das inländishe Wachstum zu fördern. Die Unternehmen leisten es sich im Ausland Forderungen zu haben, deren Rückzahlung in den Sternen steht. Droht der Totalausfall, weil die Schuldnerländer mit Auflagen belegt werden, die sie total in den Ruin treiben, dann muss der Steuerzahler ein zweites Mal zahlen. Zunächst mit Lohnverzicht und dann mit Rettungsschirmen. Daran verdienen dann unsere Banken. Der Bürger bleibt, wenn er nicht gleichzeitig Anlagekapitalgeber ist auf der Strecke, weil ihm auch noch der letzte Cent aus der Tasche gezogen wird. Wann hat dieser neoliberale Schwachsinn ein Ende?

ja1

13.04.2011, 12:20 Uhr

"Anonymer Benutzer" hat vollkommen Recht: Deutschland kann nicht zu einem zweiten China werden und wir sollten uns als Deutsche nicht so sehr daran aufgeilen, dass wir für wenig Geld arbeiten und die größte Volkswirtschaft in Europa sind. Wir wären als Ökonomie viel größer, wenn wir (a) den Binnenmarkt stärken und (b) den Süden Europas stabilisieren und zum Wachstum bringen, damit die unsere Waren weiter kaufen können und noch mehr! Außerden sollten (c) systemrelevante Banken von der Finanzaufsicht zerschlagen werden und (d) ein Weg gefunden werden, dass sich Staaten nicht verschulden müssen. Zum Beispiel eine Finanztransaktionssteuer. Was an dem zuvo gesagtem ist "sozialistisch"?! Schon mal was von Logik gehört?

Machiavelli

16.04.2011, 09:21 Uhr

Cäsar geben, was Cäsar gehört;
Deutschland hat einen Handelsbilanzüberschuss von 154 Milliarden Euro für 2010 allein erwirtschaftet, zum Teil auch in Griechenland, Portugal, Irland, Spanien und andere Euroländern, also mein Vorschlag; diesen Handelsbilanzüberschuss an die Länder zurück überweisen von denen es erwirtschaftet worden ist.
Weil ohne diesen Handelsbilanzüberschuss hätte Deutschland wesentlich mehr Arbeitslose gehabt und die hätten auch Geld gekostet. Und diese Länder hätten fafür weniger Arbeitlose gehabt.
Sind die andere wirklich so dumm dass sie sich das gefallen lassen?
Redde Caesari quae sunt Caesaris

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