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09.04.2014

12:47 Uhr

Leiche an Bord

Italienische Marine greift 4000 Flüchtlinge auf

15.000 Bootsflüchtlinge in vier Monaten: Immer mehr Nordafrikaner wagen die gefährliche Überfahrt an die italienische Küste. Unter den in den letzten beiden Tagen geretteten Flüchtlingen soll es Todesfälle gegeben haben.

Im Februar griff die italienische Marine dieses Flüchtlingsboot auf. Der Flüchtlingsstrom reißt nicht ab. Reuters

Im Februar griff die italienische Marine dieses Flüchtlingsboot auf. Der Flüchtlingsstrom reißt nicht ab.

RomTausende Flüchtlinge sind innerhalb von nur 48 Stunden von der italienischen Marine und von Handelsschiffen im Mittelmeer an Bord genommen worden. Italiens Innenminister Angelino Alfano sprach am Mittwoch von 4000 Migranten, die aus den teils seeuntüchtigen Booten gerettet worden seien. Wegen der dramatischen Zunahme hatte der Minister am Vorabend einen Krisengipfel einberufen. Auf einem der Boote, die in Afrika aufgebrochen waren, soll nach Alfanos Angaben mindestens ein Migrant tot aufgefunden worden sein.

Der Minister forderte mehr europäische Unterstützung, um den Notstand bewältigen zu können. „Italien ist unter stärkstem Flüchtlingsdruck aus Libyen“, sagte Alfano. „Die Ankunft von Booten reißt nicht ab, und der Notstand wird immer größer.“ Er verwies auf grobe Schätzungen, wonach etwa 300 000 bis 600 000 Flüchtlinge davor stünden, in Afrika abzulegen.

Zwei Handelsschiffe waren am Mittwoch dabei, 300 und 361 Menschen aus zwei Booten aufzunehmen. Italiens Marine berichtete von weiteren Rettungsaktionen in der Nacht. So habe sich allein das Marineschiff „San Giorgio“, unterstützt von der Küstenwache, um vier überfüllte Boote mit gut 1000 Menschen an Bord gekümmert, darunter Frauen und Kinder. Die Migranten hätten keine Schwimmwesten dabei gehabt. Sie sollten alle nach Augusta auf Sizilien gebracht werden.

Der Umgang der EU mit Flüchtlingsbooten

Italien

Wenn Flüchtlinge auf See in einer Notsituation sind, machen sich Fischer laut Gesetz nicht strafbar, wenn sie Hilfe leisten - im Gegenteil, sie sind sogar dazu verpflichtet. Dennoch berichten Medien immer wieder über die Angst der Fischer, bei einem Eingreifen wegen Förderung illegaler Einwanderung angeklagt zu werden. Tatsächlich ist dies 2007 passiert, laut Medienberichten soll es sich dabei aber um Sonderfälle gehandelt haben. Demnach gerieten diese Fischer in Verdacht, Menschenschlepper zu sein. Sie wurden vor Gericht freigesprochen. Trotzdem löste ihr Fall eine öffentliche Debatte aus.

Griechenland

Auch hier sind alle Seeleute per Gesetz verpflichtet, Menschen in Seenot zu helfen - und auch hier ist die Auslegung das Problem. Wer systematisch Migranten rettet und sie nach Griechenland bringt, läuft Gefahr, als Schleuser angeklagt zu werden. Schleuser wiederum können sich als Retter ausgeben. Aus diesem Grund informieren Fischer immer die Küstenwache über die Entdeckung von Bootsflüchtlingen und die Rettungsaktion. Menschenrechtsorganisationen werfen der Küstenwache vor, die Flüchtlinge mit gefährlichen Manövern zur Rückkehr in die Türkei bewegen zu wollen. Es gibt aber auch Berichte über Flüchtlinge, die ihre Boote selbst zum Kentern bringen, damit ihnen geholfen werden muss.

Spanien

Hier muss Flüchtlingen, die mit ihren Schiffen in Seenot geraten sind, in jeden Fall geholfen werden. Dies schreibt der Artikel 98 der UN-Seerechtskonvention vor, die auch von Spanien ratifiziert wurde. Dies bedeutet, dass beispielsweise Fischerboote oder Fährschiffe zu einer Hilfeleistung verpflichtet sind. Die Pflicht zur Hilfe gilt allerdings nur, solange das eigene Schiff und dessen Besatzung dadurch nicht in Gefahr geraten.

Italiens Marine hat seit dem Beginn ihrer strikteren Überwachung des Mittelmeeres im Oktober Tausende Flüchtlinge gerettet. Damals waren bei zwei Schiffsunglücken vor Lampedusa mehr als 300 Migranten gestorben.

Die Schleuser nutzten die humanitäre Aktion „Mare Nostrum“ Italiens aus und erhöhten die Zahl der Flüchtlingsboote, schrieb am Mittwoch die Turiner Zeitung „La Stampa“. Bereits etwa 30 oder 40 Seemeilen nach dem Ablegen in Libyen riefen die „Händler des Todes“ telefonisch um Hilfe, hatte Alfano erklärt.

Seit Jahresanfang kamen bereits mehr als 15 000 Migranten in Italien an. Vor allem die Zahl der Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien hat in den vergangenen Monaten ganz dramatisch zugenommen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

09.04.2014, 13:57 Uhr

Der Traum vom "göttlichen Land"
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Tausende Armutsflüchtlinge sind innerhalb von nur 48 Stunden von der italienischen Marine und von Handelsschiffen im Mittelmeer an Bord genommen worden. Italiens Innenminister Angelino Alfano sprach am Mittwoch von 4000 Immigranten, die aus den teils seeuntüchtigen Booten gerettet worden seien.

Italien ist nur eine Zwischenstation. Ihr wahres Ziel ist Deutschland. Dort fließt Milch und Honig.
Hier gibt es Hartz IV, Wohnung, etc. Und wenn erst mal Einer hier ist, gibt es das Nachzugsrechet für den gesamten Clan.
Und wir haben eine "Willkommenskultur".
Das ist einzigartig in Europa!

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