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03.11.2011

14:37 Uhr

Leitzins sinkt auf 1,25 Prozent

Draghi macht den Greenspan

Der neue EZB-Präsident Draghi beginnt sein Amt mit einem Paukenschlag: Er senkt überraschend den Leitzins. Während der Markt noch feiert, werden Erinnerungen an die expansive Geldpolitik der Amerikaner wach.

Mario Draghi, der neue Präsident der EZB. AFP

Mario Draghi, der neue Präsident der EZB.

FrankfurtDer neue Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, überrascht die Märkte gleich in seiner ersten Sitzung: Die Notenbank hat die Zinsen überraschend gesenkt. Der Leitzins im Euro-Raum wird von 1,5 auf 1,25 Prozent verringert, wie die EZB am Donnerstag mitteilte. Draghi hatte erst am Dienstag den Franzosen Jean-Claude Trichet an der EZB-Spitze abgelöst. Die meisten Ökonomen hatten trotz der drohenden Rezession und der Staatsschuldenkrise zunächst keine Zinssenkung erwartet.

Draghi begründete ihre erste Zinssenkung seit Mai 2009 mit der Konjunkturflaute und nachlassendem Inflationsdruck. „Der konjunkturelle Ausblick ist weiter von hoher Unsicherheit belastet“, sagte der neue EZB-Präsident. Das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone werde in der zweiten Jahreshälfte sehr moderat bleiben. Die EZB werde ihre Wachstumsprognose für 2012 „sehr wahrscheinlich“ senken, fügte der Italiener hinzu.

Niedrige Zinsen verbilligen Kredite zwar und können Investitionen und Konsum ankurbeln. So dachte einst der ehemalige Chef der US-Notenbank Alan Greenspan. Das Ergebnis seiner Politik war eine gigantische Blase, die, als sie platzte, 2008 die Finanzmärkte fast zum Erliegen brachte. Damit nicht genug: Billiges Geld heizt auch die Inflation an - und die lag im Euro-Raum zuletzt bei 3,0 Prozent und damit weit über dem Zielwert der Währungshüter von knapp unter 2,0 Prozent. Die hohe Teuerung sprach nach Ansicht der meisten Volkswirte dafür, den wichtigsten Zins zur Versorgung der Geschäftsbanken im Euro-Raum mit Zentralbankgeld nicht zu senken. Die EZB hatte sich in diesem Jahr allmählich von ihrer Krisen-Politik des extrem billigen Geldes verabschiedet und den Leitzins in zwei Schritten von 1,0 auf 1,5 Prozent erhöht.  

Die überraschende Verbilligung des Zentralbankgeldes hat den deutschen Aktienmarkt beflügelt. Der Leitindex Dax weitete am Donnerstag seine Gewinne am aus und lag am Nachmittag mehr als 3 Prozent im Plus. Händler Markus Huber von ETX Capital sagte: „Erstmal wirkt die Zinssenkung positiv. Die wichtigere Frage ist aber, ob der Markt dies als besonnene Entscheidung oder als Zeichen großer Probleme wertet.“

Bereits zuvor hatte der Aktienmarkt laut Händlern positiv auf die Spekulationen über einen Rücktritt des griechischen Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou reagiert und war über die psychologisch wichtige Marke von 6000 Punkten gesprungen. Auch der europäische Leitindex EuroStoxx 50 lag am Nachmittag deutlich mit über 3 Prozent im Plus.

„Das ist eine sehr positive Überraschung, die Zinssenkung ist mehr als gerechtfertigt“, kommentierte Christian Schulz von der Berenberg Bank die Entscheidung. „Angesichts der wirtschaftlichen Lage ist ein
Anstieg der Inflation nicht zu erwarten. Das gibt Spielraum für mindestens eine weitere Zinssenkung.“

Auch unter Mario Draghi wird die EZB den umstrittenen Aufkauf von Staatsanleihen der Euro-Schuldenstaaten vorerst fortsetzen. Draghi betonte am Donnerstag in Frankfurt jedoch, das Programm sei vorübergehend und in seinem Umfang begrenzt. Die Sondermaßnahme sei dadurch gerechtfertigt, dass die EZB dadurch ihre Geldpolitik am Laufen halte. „Wir wollen, dass unsere Geldpolitik funktioniert“, erklärte der Italiener bei seinem ersten öffentlichen Auftritt im neuen Amt.

Seit Mai 2010, als der EZB-Rat das Aufkaufprogramm beschloss, steckte die Notenbank Milliarden in Staatsanleihen von Schuldenstaaten wie Griechenland, Portugal und Italien. Draghis Vorgänger Jean-Claude Trichet war für den Schritt massiv kritisiert worden, viele warfen der EZB vor, zum Handlanger der Politik geworden zu sein. Auch in der EZB gab es Streit, der damalige Bundesbank-Präsident Axel Weber kritisierte den Aufkauf wiederholt öffentlich.

Kommentare (54)

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Hotzenplotz

03.11.2011, 13:57 Uhr

Na endlich...inflationiert was das Zeug hält.
Klaut's dem kleinen Sparer und den Rentnern,
und bucht's direkt in mein Aktiendepot. : )

Wer sagt's denn, der Italiener reiht sich ohne Zögern in die Reihe der Politik-Minions ein.
Viva italia!

MfG.

Erklaerungnotstand

03.11.2011, 13:59 Uhr

Die Senkung eines Leitzinses bedeutet im Gegenzug eine expansivere Geldpolitik, um Kredite billiger zu machen. Das Ziel der Zentralbanken ist dabei, die Konjunktur anzukurbeln. Und das geht idealerweise so: Für die Unternehmen wird es billiger, Investitionen zu finanzieren. Dadurch wird mehr investiert und die Wirtschaft belebt. Weil mit einer Leitzinssenkung oft auch eine Abwertung der Währung einhergeht, werden die Waren für Kunden im Ausland billiger und die Exporte steigen.

Für die Verbraucher bedeutet eine Leitzinssenkung, dass sich Sparen weniger lohnt. Zugleich werden Kredite günstiger, was den Konsum ankurbelt. Auch Häuslebauer, die sich von der Bank Geld leihen wollen, können auf günstigere Konditionen hoffen. Wer dagegen in einem Finanzierungsvertrag mit langfristig vereinbarten Zinsen steckt, profitiert nur bedingt.

Sparer

03.11.2011, 14:01 Uhr

Damit erklärt Draghi die Inflation für eröffnet. Wer spart, verliert!

Schlaf gut, deutscher Michel, während die anderen dein Geld ausgeben.

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