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15.04.2016

17:41 Uhr

Lesbos

Eine Insel gelebter Solidarität

Lesbos steht im Zentrum der größten Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. In vergangenen Monaten hat die griechische Insel viel prominenten Besuch erhalten. Am Samstag wird auch Papst Franziskus erwartet.

Die griechische Regierung hat vor der Ankunft des Papstes Hunderte Polizisten zusätzlich nach Lesbos geschickt. AFP; Files; Francois Guillot

Flüchtlinge auf Lesbos

Die griechische Regierung hat vor der Ankunft des Papstes Hunderte Polizisten zusätzlich nach Lesbos geschickt.

AthenDie Stadtreinigungen von Lesbos schuften auf Hochtouren. Hochdruckreiniger säubern die Straßen, Gärtner stutzen Bäume zurecht, Häuserfassaden werden noch einmal abgestaubt. Wenn Papst Franziskus am Samstag für fünf Stunden die griechische Insel kurz vor der türkischen Küste besucht, will sich Lesbos von der schönsten Seite zeigen.

Ob die Weltöffentlichkeit dafür einen Blick haben wird? Der Vatikan betont, die Papstreise diene allein religiösen und humanitären Zielen. Das Programm, zu dem ein Treffen mit dem griechisch-orthodoxen Patriachen Bartholomaios I. und dem orthodoxen Athener Erzbischof Hieronymus II. gehört, sei nicht als Kritik an den Abschiebeplänen der EU für Tausende Migranten zu verstehen, die hier an Land gegangen sind. Doch wenn die drei Kirchenführer Flüchtlinge besuchen, die auf ihre zwischen der EU und der Türkei vereinbarte Abschiebung warten, ist das natürlich auch eine politische Botschaft.

Erzbischof Hieronymus umschreibt das Ziel des ökumenischen Treffens so: „Das Problem aufgreifen, mit dem wir uns schon so lange befassen, und es zu einer internationalen Angelegenheit machen, damit es nicht nur ein Problem für die Griechen ist, sondern für Europa und die gesamte Menschheit.“

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Die Asylbewerberzahlen sinken – das verschafft Bund, Ländern und Kommunen eine Atempause, was Aufnahme und Versorgung der Neuankömmlinge angeht. Stattdessen rückt die Suche nach Rezepten für die Integration in den Fokus.

Menschenrechtsgruppen hoffen, dass der päpstliche Kurzbesuch das Leid der Flüchtlinge in den Mittelpunkt stellt, die Krieg und Gewalt in ihrer Heimat entkommen sind, nur um jetzt nicht weiter in die EU hineingelassen zu werden. „Der Besuch des Papstes kommt in einem entscheidenden Moment: Europa macht sich gerade bereit, Tausende Flüchtlinge in die Türkei zurückzuschicken. Bis dahin sperrt es sie unter abscheulichen Bedingungen ein“, sagt die stellvertretende Europadirektorin von Amnesty International, Gauri van Gulik, der Nachrichtenagentur AP.

Seit dem 20. März werden Flüchtlinge und Migranten festgesetzt, die Griechenland erreichen. Wer keinen Asylantrag stellt, wird in die Türkei abgeschoben. Wer Asyl beantragt, muss in Griechenland warten, bis darüber entschieden ist. Bislang hat Griechenland mit Unterstützung von Polizisten aus anderen EU-Ländern 325 Migranten in die Türkei zurückgeschickt, die meisten von ihnen wurden auf Lesbos in kleine Fähren gesetzt.

„Das sind Menschen, die vor den Gräueln des Islamischen Staates geflohen sind, vor den Taliban, vor Bombardements in Syrien und mehr“, sagt van Gulik. „Sie verdienen Europas Schutz und Fürsorge. Hoffentlich kann der Papst ihre Not deutlich machen.“

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