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23.11.2011

13:40 Uhr

Letzte Mittel zur Rettung des Euros

Pest oder Cholera

VonDirk Heilmann, Andrea Cünnen, Frank Wiebe

Die Regierungswechsel in Rom und anderswo beruhigen die Märkte nicht, der Rettungsschirm ist zu klein. Um den Euro zu stützen, muss die EU nun zwischen zwei Übeln wählen: Euro-Bonds kommen oder die Notenpresse läuft an.

Der Präsident der Europäischen Kommission, Jose Manuel Barroso, und Bundeskanzlerin Angela Merkel. dpa

Der Präsident der Europäischen Kommission, Jose Manuel Barroso, und Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die Hoffnungen auf eine Beruhigung in der Eurokrise haben sich längst zerschlagen. In Griechenland, Italien und Spanien haben sich die neuen Regierungen auf einen strikten Sparkurs verpflichtet. Aber die Märkte beruhigen sich nicht - im Gegenteil: Die Krisenstaaten müssen weiterhin sehr hohe Risikoaufschläge auf ihre Staatsanleihen zahlen, obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) kräftig interveniert. Und auch die Pläne, den Europäischen Rettungsschirm EFSF kräftig aufzupumpen, sind gescheitert. Die Euro-Zone verfügt nicht über die Mittel, ein Land wie Spanien aufzufangen, von Frankreich ganz zu schweigen.

Daher setzt sich in der Politik die Erkenntnis durch, dass den Märkten nun endlich mit einer ultimativen Lösung, mit einer sogenannte "Big Bazooka" Respekt eingeflößt werden muss. Zwar warnen vor allem die Bundesregierung und die Bundesbank energisch vor möglicherweise fatalen Nebenwirkungen - aber die Pläne von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso für die Einführung von Euro-Bonds gewinnen immer mehr Fürsprecher. Die einzige andere Möglichkeit von ähnlicher Wirkungskraft wäre eine Erklärung der EZB, bedingungslos für alle Anleihen der Euro-Länder einzustehen. Was für die Ordnungspolitiker ein ebenso großer Tabubruch wäre wie die Vergemeinschaft der Schulden.

Lars Feld, Wirtschaftsweiser und Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel bringt das deutsche Dilemma auf den Punkt: Euro-Bonds seien zwar eigentlich nicht zu verantworten - aber die Alternative für die Rettung der Währungsunion sei allein der massive Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB, was die Inflation in die Höhe treiben werde. Der aktuell gültige Rettungsplan, den Euro-Rettungsschirm zu stärken, sei bei den Märkten offenbar durchgefallen.

Damit steht Europa unter Handlungsdruck, die Märkte werde die Entscheidung erzwingen. Aber welche Vorteile haben die beiden Optionen - und gibt es nicht vielleicht doch noch einen gangbaren dritten Weg?

Kommentare (87)

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karstenberwanger

23.11.2011, 13:49 Uhr

Raus aus dem Euro...alles andere wird ins sichere Verderben führen!

Knut34

23.11.2011, 13:53 Uhr

Warum Pest oder Cholera wenn man einen kurzen Schluckauf (= Austritt aus dem Euro) als Alternative hat?

Auch wenn dies formell nicht geht. Alle anderen Optionen verstodden ebenfalls gegen Verträge.

Account gelöscht!

23.11.2011, 14:01 Uhr

Sehr richtig. Es ist erschreckend, wie auch die Medien sich dieser Alternative verweigern. Druckt die EZB Geld oder werden Euro-Bonds installiert, verlieren die Menschen ohnehin das Vertrauen in die Währung (und Politik).

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