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05.05.2012

16:58 Uhr

Letztes AKW vom Netz

Japan bejubelt die Atom-Pause

Japan nimmt die Energiewende notgedrungen vorweg. Im Norden des Inselreichs geht der letzte Reaktor zu Wartungsarbeiten vom Netz. Seit dem GAU sperren sich die Regionen gegen deren Wiederinbetriebnahme.

Japan ohne Atomstrom

Video: Japan ohne Atomstrom

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TokioAls Folge der Fukushima-Katastrophe muss Japan erstmals seit 42 Jahren komplett ohne Atomstrom auskommen. Am Wochenende ging in der weltweit drittgrößten Industrienation der letzte von 54 Atomreaktoren zu Wartungsarbeiten vom Netz. Der Betreiber des AKW Tomari auf der nördlichsten Hauptinsel Hokkaido fuhr Samstagnacht (Ortszeit) den Reaktor 3 Nacht zu Wartungsarbeiten herunter, wie japanische Medien berichteten.

Seit der Katastrophe von Fukushima im März 2011 machen die Regionen von ihrem Recht Gebrauch, die Wiederinbetriebnahme von gewarteten Meilern zu verhindern. Die Energiekonzerne haben als Ersatz für die Atomkraftwerke stillgelegte Thermalkraftwerke wieder angefahren.

Umweltschützer sehen in dem erzwungenen Atom-Stopp eine Chance für eine grundlegende Wende in der Energiepolitik des Landes. In der Hauptstadt Tokio gingen am Samstag, einem nationalen Feiertag zu Ehren der Kinder, 5500 Menschen für eine atomfreie Gesellschaft auf die Straße, wie lokale Medien meldeten.

Anti-Atom Demo in Tokio: Alle 54 Atomkraftwerke sind vom Netz. dpa

Anti-Atom Demo in Tokio: Alle 54 Atomkraftwerke sind vom Netz.

Die Atomreaktoren, die bis zum GAU im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi rund 30 Prozent des Strombedarfs des Landes abdeckten, werden in Japan alle 13 Monate für eine Wartung heruntergefahren. Ans Netz kommen die Anlagen erst wieder, wenn die lokalen Regierungen zugestimmt haben. Seit der Atomkatastrophe in Fukushima ist dies jedoch wegen der beträchtlichen Sorgen der Bevölkerung über die Sicherheit der Atomkraftwerke nicht mehr geschehen.

Die Regierung hat sich bislang vergeblich darum bemüht, zwei Reaktoren im AKW Oi in der Provinz Fukui nach kürzlich bestandenem Stresstest wieder hochzufahren. In den schwülheißen Sommermonaten laufen vor allem die Klimaanlagen im ganzen Land auf Hochtouren. Die Betreiber haben als Ersatz für die Atomkraftwerke stillgelegte Thermalkraftwerke wieder angefahren.

Im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi waren mehrere Reaktoren in Folge des Erdbebens und Tsunamis vom 11. März 2011 schwer beschädigt worden. Die Kühlung fiel aus und in den Reaktoren kam es zu Kernschmelzen; Radioaktivität gelangte in die Luft, den Boden und ins Meer. Zehntausende Menschen mussten vor der Verstrahlung fliehen.

Von

dpa

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

05.05.2012, 17:32 Uhr

Wenn die Überschrift lautet, dass Japan die Atom-Pause bejubelt, so ist das definitve falsch. Es ist eine kleine Minderheit die jubelt.

Die Japaner müssen an allen Ecken und Enden Strom sparen. Keine Klimaanlagen mehr im Sommer und wer die Sommer in Japan kennt, der weiss was das bedeutet.

Also liebe Redaktion, nicht von Japan sprechen, sondern von einer Minderheit in Japan.

Ein-Buerger

05.05.2012, 19:15 Uhr

Für ein renommiertes Wirtschaftsblatt hätte ich mir schon einen seriöseren Artikel vorgestellt. Wer bei 5500 Demonstranten in Tokio seinen Artikel mit der Schlagzeile „Japan bejubelt die Atom-Pause“ versieht, leidet m.E. unter Realitätsverlust.

Oelblase

05.05.2012, 20:53 Uhr

Das Land mit den höchsten Ambitionen bezüglich der Kernenergie vor 2011 - 50% Strom aus Kernenergie - betreibt also keinen einzigen AKW mehr.

http://www.focus.de/finanzen/news/wirtschaftsticker/roundup-japan-erstmals-seit-jahrzehnten-ohne-atomstrom_aid_747447.html

Da hat sich also die Kernenergie eindrucksvoll durchgesetzt. Die strahlenden Landschaften kamen vor den blühenden.


Im Allgemeinen ist Atomenergie unschlagbar günstig - wenn sich Idioten finden, die sämtliche Risiken übernehmen:

http://www.contratom.de/2012/05/02/e-on-droht-finanzdesaster-bei-akw-neubau-in-finnland/

Das wäre ja der Hammer, wenn der Deutsche Steuerzahler E.On retten müsste, weil Wulf Bernotat die Renaissance der Atomenergie auf eigene Faust in Gang setzen wollte.


Wenn der Deutsche Steuerzahler E.On retten muss, dann muss Wulf Bernotat lebenslänglich bekommen. Alles andere wäre eine Farce.

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