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02.06.2011

03:16 Uhr

Libyen

Anschlag in Bengasi - Kriegsverbrechen auf beiden Seiten

Während Tripolis fast jede Nacht von Nato-Kampfflugzeugen angegriffen wird, gilt die Aufständischen-Hochburg Bengasi eigentlich als sicher. Ein Anschlag dort sorgt deshalb für Unruhe.

Ein Soldat nach der Explosion in Begasi. Quelle: dapd

Ein Soldat nach der Explosion in Begasi.

Tripolis/GenfDie Nato hat nach Medienberichten auch in der Nacht zum Donnerstag wieder Ziele in der libyschen Hauptstadt Tripolis angegriffen.

Wie der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete, waren schwere Explosionen und der Lärm von Kampfflugzeugen zu hören. Angaben über die Angriffsziele oder Schäden lagen zunächst nicht vor. Bereits am Mittwochabend war die ostlibysche Rebellenhochburg Bengasi von der Explosion einer Autobombe erschüttert worden. Laut Al-Dschasira wurde niemand verletzt, als der Sprengsatz vor einem Hotel explodierte, in dem auch viele Ausländer und die Vertretung der EU untergebracht sind.

Unterdessen legte eine internationale Kommission dem UN-Menschenrechtsrat in Genf einen Bericht vor, in dem neben dem Regime von Machthaber Muammar al-Gaddafi auch die Rebellen für Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht werden, wenn auch in deutlich weniger Fällen.

Die Autobombe in Bengasi explodierte nach Polizeiangaben auf dem Parkplatz des Hotels Tibesti, das auch häufig von Rebellenführern und Vertretern der Übergangsregierung sowie ausländische Besuchern und internationale Journalisten benutzt wird. Außerdem ist in dem Haus die Vertretung der Europäischen Union untergebracht. Zum Zeitpunkt des Anschlags hätten Mitglieder des Übergangsrates in dem Hotel eine Pressekonferenz abgehalten, hieß es. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. Rebellen machten Anhänger von Machthaber Muammar al-Gaddafi für die Tat verantwortlich. Mehrere Autos gingen nach der Explosion in Flammen auf, eine dichte Rauchwolke stieg in den Himmel.

Nach Berichten der britischen BBC versammelte sich eine Menschenmenge am Anschlagsort und rief Anti-Gaddafi-Slogans. Rebellen-Sprecher Dschalal al-Gallal nannte die Tat „feige“.

Zu den seit Beginn des Aufstandes gegen das Gaddafi-Regime festgestellten Menschenrechtsverletzungen gehören unangemessene Gewaltanwendung, Tötungen ohne Verfahren, das Verschwindenlassen von Menschen, willkürliche Festnahmen, Folter und sexuelle Gewalt.

Die Experten interviewten 350 Menschen, darunter Flüchtlinge, medizinisches Personal, 113 Ärzte sowie Familienmitglieder in zehn Krankenhäusern. Der Bericht soll am kommenden Montag im UN-Menschenrechtsrat beraten werden. Nach Auswertung der Berichte und Interviews sei die Kommission zu dem Schluss gekommen, dass die Regierung schwere Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen zu verantworten habe. Ähnliche, aber weniger Berichte gebe es auch über die kämpfenden Rebellen, wobei aber nur einige Taten zu Tage getreten seien, die auch Kriegsverbrechen sein könnten, erklärten die drei Kommissionsmitglieder.

Das Gremium war Anfang April vom Menschenrechtsrat gebildet und beauftragt worden. Geleitet wird es vom ägyptischen Strafrechtler Cherif Bassiouni. Er gilt als einer der anerkanntesten Experten auf dem Gebiet des internationalen Strafrechts und war auch an der Gründung des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag beteiligt. Der Kommission gehören auch eine jordanisch-palästinensische Rechtsexpertin und ein kanadischer Anwalt an.

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

02.06.2011, 12:35 Uhr

Man sollte nicht so tun, als ob Kriegsverbrechen nicht schon immer zu Krieg und permanenten Kampfhandlungen dazugehört hätten, in Zeiten, in denen die allgemeine Ordnung aufgelöst und der Gebrauch von Waffen angesagt ist, haben Menschen immer auch Menschen getötet, die sich am Schauplatz (im englischen benutzt man das "schöne" Wort "theatre of war" - welche Geisteshaltung mag da dahinterstecken, auch wenn die wenigsten darüber nachdenken) mehr oder weniger zufällig aufhalten oder dort beheimatet sind. Wir sollten uns nicht weismachen lassen, daß Krieg etwas "sauberes" sein könnte, vor allem nicht, wenn er aus politischem oder wirtschaftlichem Kalkül angezettelt wird und Menschen zum "Mittun" "angeheuert" werden, die anderswo und zu anderen Zeiten Mitglieder von Verbrecherbanden oder längst abgeurteilt und hinter Gittern verschwunden wären. Die eigentlichen Kriegsverbrecher sind die, die solche Kriege anzetteln und und die, die sie in der bekannten "amerikanischen" Weise führen, ehrlos, feig, unsoldatisch, verantwortungslos per Computer, Maus, per Knopfdruck aus der Ferne, aus dem sicheren Cockpit heraus, Heckenschützen eben. Der UN-Beschluß zu Libyen implizierte bereits alle diese Kriegsverbrechen, den Tod zahlreicher Unschuldiger und stellt damit eine besondere und herausstellungswürdige Form dessen dar, was als "Kriegsverbrechen" einzustufen ist, weil er den Raum und die Möglichkeiten für weitere eröffnet! Unsere Wehrmacht hat damals anders gekämpft, als sie in Nordafrika den unfähgigen und feigen Italienern zu Hilfe geeilt ist, das deutsche Soldatentum war ein anderes!

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02.06.2011, 12:37 Uhr

Man sollte nicht so tun, als ob Kriegsverbrechen nicht schon immer zu Krieg und permanenten Kampfhandlungen dazugehört hätten, in Zeiten, in denen die allgemeine Ordnung aufgelöst und der Gebrauch von Waffen angesagt ist, haben Menschen immer auch Menschen getötet, die sich am Schauplatz (im englischen benutzt man das "schöne" Wort "theatre of war" - welche Geisteshaltung mag da dahinterstecken, auch wenn die wenigsten darüber nachdenken) mehr oder weniger zufällig aufhalten oder dort beheimatet sind. Wir sollten uns nicht weismachen lassen, daß Krieg etwas "sauberes" sein könnte, vor allem nicht, wenn er aus politischem oder wirtschaftlichem Kalkül angezettelt wird und Menschen zum "Mittun" "angeheuert" werden, die anderswo und zu anderen Zeiten Mitglieder von Verbrecherbanden oder längst abgeurteilt und hinter Gittern verschwunden wären. Die eigentlichen Kriegsverbrecher sind die, die solche Kriege anzetteln und und die, die sie in der bekannten "amerikanischen" Weise führen, ehrlos, feig, unsoldatisch, verantwortungslos per Computer, Maus, per Knopfdruck aus der Ferne, aus dem sicheren Cockpit heraus, Heckenschützen eben. Der UN-Beschluß zu Libyen implizierte bereits alle diese Kriegsverbrechen, den Tod zahlreicher Unschuldiger und stellt damit eine besondere und herausstellungswürdige Form dessen dar, was als "Kriegsverbrechen" einzustufen ist, weil er den Raum und die Möglichkeiten für weitere eröffnet! Unsere Wehrmacht hat damals anders gekämpft, als sie in Nordafrika den unfähgigen und feigen Italienern zu Hilfe geeilt ist, das deutsche Soldatentum war ein anderes!

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