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24.08.2011

01:55 Uhr

Libyen

Der Beginn des Wiederaufbaus

Libysche Rebellen haben das Hauptquartier des Diktators Muammar Gaddafi gestürmt. Damit sind die Kämpfe noch nicht vorbei. Aber die Übergangsregierung und internationale Politiker planen jetzt die Zukunft des Landes.

Ein libyscher Rebell feiert den schweren Schlag gegen Gaddafi. dpa

Ein libyscher Rebell feiert den schweren Schlag gegen Gaddafi.

Doha/Mailand/WashingtonWährend die Rebellen in Libyen noch um weitere Bastionen kämpfen, macht der Chef der libyschen Übergangsregierung, Mahmud Dschibril, bereits Termine mit internationalen Politikern.

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi kommt am Donnerstag zu einem Treffen mit dem libyschen Rebellenführer Mahmud Dschibril zusammen. Das Gespräch werde in Mailand stattfinden, teilte das Büro des Regierungschefs am Dienstagabend mit. Der italienische Außenminister Franco Frattini hatte zuvor angedeutet, dass Berlusconi den Vorsitzenden des Exekutivausschusses des Übergangsrats bereits am heutigen Mittwoch treffen werde. An diesem Tag ist auch eine Zusammenkunft Dschibrils mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy in Paris geplant.

Zunächst wandte sich Dschibril aber an die Einwohner Libyens und rief sie zur Einheit auf. „Wir müssen uns jetzt auf den Wiederaufbau konzentrieren und darauf, die Wunden zu heilen“, sagte Dschibril in einer am Dienstagabend vom arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira aus Doha übertragenen Pressekonferenz.

Dschibril versicherte, dass die Sicherheit in Tripolis und im ganzen Land wiederhergestellt werde. „Die Übergangsperiode hat jetzt begonnen.“ Nach erbitterten Kämpfen hatten die Aufständischen am Dienstag die Residenz des abgetauchten Diktators Muammar al-Gaddafi in der Hauptstadt Tripolis erobert. Dschibril appellierte an die Verantwortung der Kämpfer. Gefangene sollten fair und nach den Regeln der Genfer Konvention behandelt werden.

„Wir beginnen jetzt mit dem Aufbau eines neuen Libyens mit allen Libyern als Brüder für eine geeinte, zivile und demokratische Nation“, sagte Dschibril weiter. „Die Übergangszeit beginnt ab sofort.“ Bis das Land seine ersten Wahlen abhalte, sollten die Libyer sich „der Revolution würdig erweisen und ein neues Land aufbauen“.

Dschibril kündigte an, dass in Doha am Mittwoch eine internationale Konferenz über humanitäre Nothilfe für die libysche Bevölkerung stattfinden werde. An der Konferenz nehmen demnach die USA, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Türkei, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate teil. Ziel des Treffens sei es, „vor Ende des Ramadan 2,5 Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro) für den Nationalen Übergangsrat zu sammeln, damit die Gehälter der Libyer gezahlt werden“ könnten und um notleidenden Menschen zu helfen. Der islamische Fastenmonat Ramadan endet am 30. oder 31. August.

Dschibril ist Chef des Exekutivkomitees des Nationalen Übergangsrates und damit die Nummer zwei der Rebellen. Der Chef des Übergangsrates ist Gaddafis ehemaliger Justizminister Mustafa Abdeldschalil. Kurz nach dem Beginn der Revolte hatten die libyschen Rebellen am 27. Februar in der östlichen Stadt Bengasi ihren Übergangsrat gegründet, der in den darauffolgenden Monaten von vielen Staaten als alleiniger Vertreter des libyschen Volkes anerkannt wurde. Dem Rat gehören rund 40 Mitglieder an, aber aus Sicherheitsgründen sind nur die Namen von 13 Vertretern bekanntgegeben worden. Viele von ihnen sind Juristen und Professoren.

Die USA kündigten am Dienstag Abend an, sie wollten in den kommenden Tagen bis zu 1,5 Milliarden Dollar (mehr als eine Milliarde Euro) des eingefrorenen Gaddafi-Vermögens freigeben. Sobald das Sanktionskomitee grünes Licht gebe, werde das Geld dem libyschen Übergangsrat zur Verfügung gestellt, erklärte das US-Außenministerium am Dienstag.

Der Betrag entspricht in etwa der Hälfte der flüssigen Mittel des Regimes von Muammar al Gaddafi, die in den USA eingefroren wurden. Der Großteil des in den Vereinigten Staaten blockierten Vermögens des Gaddafi-Regimes im Volumen von mehr als 30 Milliarden Dollar sind Immobilien und andere Vermögenswerte.

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