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29.03.2011

01:38 Uhr

Libyen

Gaddafi-Regime verstärkt Stellungen in Sirte

Mit der westlichen Luftunterstützung drängen die Rebellen weiter auf Gaddafis Geburtsstadt vor. Ein Einmarsch konnte bisher aber nicht bestätigt werden. Russland kritisiert nach wie vor die Einmischung des Westens.

Lybische Rebellen feiern ihren Vormarsch. Quelle: dpa

Lybische Rebellen feiern ihren Vormarsch.

Bindschawad/NaufalijaDas Regime von Muammar al-Gaddafi verstärkt nach US-Angaben seine Stellungen in Sirte, der Heimatstadt des libyschen Machthabers - offensichtlich, um sich gegen einen möglichen Rebellen-Angriff zu wappnen. Es würden Kontrollpunkte errichtet und Panzer in allen Teilen der Stadt stationiert, schilderte US-Vizeadmiral William Gortney vom Pentagon am Montag.

Ähnliche Maßnahmen seien auch in anderen Gebieten ergriffen worden, und es gebe weiter schwere Kämpfe in der Schlüsselstadt Misurata. „Wir glauben, dass sich das Regime in Sirte eingraben will“, sagte der Amerikaner. Gortney äußerte sich zugleich vorsichtig über die von den Rebellen erzielten Fortschritte und Fähigkeiten im Kampf gegen die Gaddafi-Truppen. „Ganz klar ist die Opposition nicht gut organisiert, sie ist keine sehr robuste Organisation“, so der Vizeadmiral. „Das ist offensichtlich. Auf dieser Basis steht jeder Gewinn auf schwachen Füßen.“

Derweil stellte die Nato klar, sie werde binnen Tagen die volle Kontrolle über den Einsatz der Allianz in Libyen haben. Das Bündnis setze gleichwohl aber auf eine politische Lösung, sagte eine Sprecherin. Am Tag vor der Internationalen Libyen-Konferenz in London schlug Italien Gaddafis Gang ins Exil und eine Waffenruhe vor. Der Golfstaat Katar erkannte als erstes arabischen Land die Rebellen als Vertretung des libyschen Volkes an. Die libysche Regierung warf dem Westen vor, mehr als hundert Zivilisten bei ihren Angriffen getötet zu haben.

Seit Beginn der alliierten Luftangriffe vergangene Woche ist es den Rebellen gelungen, aus der militärischen Defensive zu kommen. Nacheinander nahmen sie die Städte Es Sider, Ras Lanuf, Brega, Sueitina und Tobruk im ölreichen Osten des Landes ein. Dem TV-Sender Al-Dschasira zufolge kontrollieren sie auch die rund 120 Kilometer von Sirte entfernt liegende Stadt Naufalija. Das Tempo des Vormarsches stellte die Aufständischen vor Nachschubprobleme. „Wir haben nicht genug Sprit“, sagte ein Kämpfer, der in der Nähe der Ölstadt Ras Lanuf darauf wartete, sein Fahrzeug zu betanken. In Sirte war die Lage nach Angaben eines Reuters-Reporters am Montag aber noch ruhig. Es seien zwar Polizisten und Soldaten zu sehen, aber kein Hinweis auf Kämpfe. Gaddafis Geburtsort liegt auf halber Strecke zwischen Benghasi und der Hauptstadt Tripolis und beherbergt einen wichtigen Militärstützpunkt.

Die Truppen Gaddafis zogen sich offenbar in weiter westlich gelegene Landesteile zurück. Rebellen zufolge griffen Truppen der Regierung die von Aufständischen gehaltene Stadt Misrata an. Scharfschützen feuerten von Hausdächern. Auch die Stadt Sintan sei von Soldaten Gaddafis beschossen worden. Die staatliche Nachrichtenagentur Jana meldete, die westlichen Allianz habe die Stadt Sabha im Süden bombardiert.

Kommentare (5)

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Torsten

28.03.2011, 18:09 Uhr

In Sirte sitzen die Al Gheddafi - und der grande capo hat dort reichlich invstiert und verteilt. Wenn man die Welt nicht durch die islamistische Brille, eingefasst in der Trikolore, sieht, sollte man davon ausgehen, dass sich die Bevoelkerung nicht von einigen hundert baertigen Wilden (wie viele von denen sind eigentlich Aegypter ?)befreien lassen moechte. Wer schuetzt dann eigentlich die Zivilisten Sirtes vor diesem Abschaum - oder ist es system-immanent und gewollt, Verwaltungsbeamte und Anhaenger des Regimes ueber die klinge springen zu lassen ? Die Herren aus Bengasi, die von den USA & Co, nach 37 Jahren Exil in Washington, geschickt wurden, um Hand auf das Volksvermoegen zu legen, kuemmern sich, wie gestern verlautete, mit Herzensblut um die Oelfoerderung - ok. Aber wer soll denn die Sicherheit und die Verwaltung im Lande garantieren - auch und gerade gegen diese fuehrungslosen Banden. Deren Vorbild sind offensichtlich die Iranischen Revolutionsgarden; darauf, mit Verlaub, kann die zivilisierte Welt verzichten.

Osterwelle

28.03.2011, 18:41 Uhr

Für ähnliche Kommentare zahlt Ghaddafi bis zu 500 USD. Bitte melden Sie sich unter muammar@doofeeuropeaer.com an.

Torsten

28.03.2011, 20:41 Uhr

die Wahrheit hat keinen Preis

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