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25.10.2011

09:07 Uhr

Libyen

Gaddafi soll in der Wüste beerdigt werden

Die Leiche von Ex-Dikator Gaddafi soll heute an einem geheimen Ort in der Wüste beerdigt werden. Unterdessen gerät der Übergangsrat unter Druck: Die neuen Machthaber sollen 53 Anhänger Gaddafis hingerichtet haben.

Ein Bild von Libyens Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi in seiner Heimatstadt Sirte. dapd

Ein Bild von Libyens Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi in seiner Heimatstadt Sirte.

Kairo / BengasiLibyens Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi soll heute (Dienstag) an „einem geheimen Ort in der Wüste“ beerdigt werden. Das berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Arabija am Montagabend unter Berufung auf den libyschen Übergangsrat. Gaddafi soll demnach gemeinsam mit seinem Sohn Mutassim begraben werden.

Zuletzt hatte es geheißen, die Leichen Gaddafis und seines Sohnes sollten an Angehörige übergeben werden, statt sie an einem unbekannten Ort zu vergraben. Gaddafi war am vergangenen Donnerstag in seiner Heimatstadt Sirte getötet worden. Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass ihn Kämpfer des Übergangsrates nach seiner Gefangennahme gezielt erschossen hatten.

Der Leichnam des ehemaligen Machthabers befand sich am Montag weiter in einem Lagerhaus in der Stadt Misrata, wohin ihn die Milizionäre gebracht hatten. Nach islamischer Tradition müssen Muslime normalerweise binnen 24 Stunden beigesetzt werden.

Die Milizen des Übergangsrates geraten unterdessen zunehmend ins Zwielicht. Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch fanden Anhaltspunkte für ein Massaker unter 53 Gaddafi-Anhängern in Sirte. Das wäre das schwerste Kriegsverbrechen der neuen Machthaber.

Bei einigen der Toten waren die Arme mit Plastikbändern hinter dem Rücken zusammengebunden, hieß es in dem Bericht, den die Organisation am Montag veröffentlichte. Mit Hilfe von Bewohnern der Umgebung konnten einige der Männer als örtliche Gaddafi-Kader und -Anhänger identifiziert werden.

Human Rights Watch forderte den Übergangsrat auf, „eine unverzügliche und transparente Untersuchung der offensichtlichen Massenhinrichtung einzuleiten und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen“. Die Leichen lagen auf einem Grundstück nahe einem Hotel, das zum Zeitpunkt des Todes der Männer von Anti-Gaddafi-Kämpfern kontrolliert worden war. Die Blutspuren, Einschüsse im Grasboden und die Verteilung der Geschosshülsen deuteten darauf hin, dass die meisten Opfer gemeinsam an dieser Stelle erschossen worden seien, hieß es in dem Bericht.

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